Deutschland führt beim autonomen Fahren… zunächst beim Ankündigen

Bild KI Illustration

Satire. Das Fahrzeug, die geschilderten Szenen und sämtliche Zitate im Artikel sind erfunden.

Der neue deutsche Prototyp erkennt Pressekonferenzen, bremst vor der Umsetzung und wechselt bei Schwierigkeiten automatisch die Zuständigkeit. Die Markteinführung erfolgt zeitnah. Seit mehreren Jahren.

Berlin – Mit der feierlichen Präsentation eines stehenden Autos hat Deutschland seine Führungsrolle beim autonomen Fahren unterstrichen. Der neue Prototyp VORREITER 0.0 benötigt weder Fahrer noch Straße. Eine Bühne, drei Mikrofone und die feste Überzeugung, technologisch ganz vorn zu sein, reichen für den Betrieb vollständig aus.

„Andere Länder entwickeln Fahrzeuge, die selbstständig fahren“, erklärte ein Sprecher des eigens erfundenen Bundesamts für angekündigten Fortschritt. „Wir haben diesen Zwischenschritt übersprungen. Unser Fahrzeug erklärt selbstständig, dass es bald fahren wird.“

Damit sei Deutschland erstmals in der Lage, seine Vorreiterrolle ohne menschliches Zutun zu betonen. Bisher hätten dafür noch Minister, Staatssekretäre oder mindestens ein Abteilungsleiter mit einem Zukunftsordner anreisen müssen.

Der Wagen wurde unter großem Applaus enthüllt. Anschließend blieb er stehen. Die Entwickler bezeichneten dies als erfolgreichen Abschluss der ersten Testfahrt.

Das Herzstück des VORREITER ist die sogenannte Absichtserkennung. Herkömmliche Assistenzsysteme erfassen Fußgänger, Radfahrer und andere Fahrzeuge. Das deutsche Modell erkennt zusätzlich konkrete Termine, verbindliche Zusagen und die Frage: „Ab wann funktioniert das denn jetzt?“

Taucht eines dieser Hindernisse auf, leitet das Fahrzeug unverzüglich eine Vollbremsung ein.

„Die Sicherheit steht an erster Stelle“, erläuterte der Projektsprecher. „Wir können unmöglich zulassen, dass eine Ankündigung unkontrolliert in die Wirklichkeit gerät.“

Besonders stolz sind die Entwickler auf den Zuständigkeitsassistenten. Während gewöhnliche Autos bei einem Hindernis die Spur wechseln, wechselt der VORREITER automatisch den Ansprechpartner.

Bei technischen Fragen verweist er auf den Hersteller, bei politischen Fragen auf Brüssel und bei Nachfragen aus Brüssel auf eine laufende Abstimmung zwischen Bund und Ländern. Innerhalb von 0,3 Sekunden kann die Verantwortung einmal vollständig im Kreis gefahren werden.

Das Auto selbst bewegt sich dabei nicht. Dadurch entfallen erhebliche Unfallrisiken.

Auch bei der Navigation geht Deutschland eigene Wege. Das System verzichtet auf die überholte Angabe einer Ankunftszeit. Stattdessen informiert es die Insassen zuverlässig darüber, dass man „auf einem guten Weg“ sei.

Die Entfernung zum Ziel wird in Legislaturperioden angezeigt.

Wer trotzdem eine konkrete Adresse eingibt, erhält zunächst drei mögliche Routen: „Pilotprojekt“, „Modellregion“ und „Dialogprozess“. Alle führen zu einem Kongresshotel mit Tiefgarage.

Eine besonders sparsame Route verläuft direkt vom Auftaktgespräch zur Zwischenbilanz. Der Wagen muss dafür nicht einmal den Parkplatz verlassen.

Auf der Präsentation wollte eine Journalistin wissen, ob das Fahrzeug wenigstens die zehn Meter bis zum Ausgang selbstständig zurücklegen könne.

Für einen Moment wurde es still.

Dann verriegelten sich die Türen. Auf dem Display erschien: „Unvorhergesehener Anwendungsfall: Anwendung.“

Der Projektsprecher bat darum, die Technologie nicht durch unrealistische Erwartungen zu beschädigen.

„Wir reden hier über die Zukunft der Mobilität“, sagte er. „Da können Sie nicht einfach verlangen, dass jemand irgendwohin kommt.“

Ein Ingenieur versuchte daraufhin zu erklären, dass sein Team durchaus funktionierende Technik entwickelt habe. Man könne jetzt gern über Sensorik, Einsatzbedingungen und die Ergebnisse der Fahrversuche sprechen.

Sein Mikrofon wurde vorsorglich leiser gestellt.

„Wir möchten die Veranstaltung nicht mit technischen Einzelheiten überfrachten“, erklärte die Moderation. „Heute geht es um das klare Signal, dass Deutschland führt.“

Der Ingenieur zeigte auf das Auto.

Die Moderation zeigte auf das Logo hinter dem Auto.

Damit galt die Fachdebatte als abgeschlossen.

Anschließend demonstrierte ein Staatssekretär das neue System „Full Self-Announcing“. Er nahm auf dem Fahrersitz Platz, legte die Hände demonstrativ in den Schoß und erklärte durch das geöffnete Fenster, man werde die Chancen der Technologie entschlossen nutzen.

Der Wagen ergänzte selbstständig: „Ohne Abstriche bei der Sicherheit.“

Der Staatssekretär nickte.

„Und mit einem verlässlichen Rechtsrahmen“, fügte das Auto hinzu.

Mehrere anwesende Journalisten konnten nicht feststellen, wer von beiden gerade das Assistenzsystem war.

Ganz ohne menschliche Aufsicht kommt die Innovation allerdings noch nicht aus. Der Fahrer muss jederzeit bereit sein, eine kritische Nachfrage zu übernehmen.

Blickt er länger als fünf Sekunden auf die Straße statt in die Kameras, ertönt ein Warnsignal: „Bitte behalten Sie die öffentliche Wahrnehmung im Auge.“

Für den Alltag stehen drei Fahrprogramme zur Verfügung: „Ambitioniert“, „Entschlossen“ und „Mit Hochdruck“. Sie unterscheiden sich ausschließlich in der Schriftgröße der Pressemitteilung.

Im Sportmodus wird aus „zeitnah“ ein „sehr zeitnah“.

Ein kostenpflichtiges Zusatzpaket ermöglicht sogar die Aussage „noch in diesem Jahr“. Zum Jahreswechsel aktualisiert sich die Formulierung automatisch. Der Hersteller nennt das ein dauerhaft gültiges Leistungsversprechen.

Die tatsächliche Markteinführung soll erfolgen, sobald alle Voraussetzungen erfüllt sind. Zu den Voraussetzungen gehört eine weitere Veranstaltung, auf der erklärt wird, dass die Voraussetzungen bald erfüllt seien.

Deren Termin steht bereits fest.

Zum Abschluss bat ein Fotograf darum, den Wagen etwas nach links zu schieben, weil das Rednerpult die Front verdecke.

Zwei Mitarbeiter bewegten das Fahrzeug um etwa einen halben Meter.

Noch während sie die Hände von der Motorhaube nahmen, veröffentlichte das Bundesamt die Meldung: „Deutschland nimmt Fahrt auf.“

Der Staatssekretär musste die Veranstaltung kurz darauf verlassen. Sein Fahrer wartete draußen mit laufendem Motor.

In zwanzig Minuten sollte er an einem anderen Ort die Zukunft der Mobilität ankündigen.

Der VORREITER blieb vor dem Rednerpult stehen. Auf seinem Display erschien:

„Ziel erreicht.“


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Aus dem Inhalt:

  • COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
  • TESLA – Neues aus der Tesla Welt
  • TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
  • TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
  • TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
  • Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
  • Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
  • elektrische COMMUNITY – Das Programm
  • ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
  • STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
  • GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
  • E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
  • KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
  • WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
  • WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
  • FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt

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