Porsche Taycan: Wie gut ist die Software wirklich? Stärken, Schwächen und ein sechswöchiger Totalausfall

Über die Software des Porsche Taycan ranken sich viele Vorurteile. Nach drei Monaten im Alltag zeigt sich: Das tägliche Bedienen funktioniert weitgehend, das digitale Kombiinstrument ist sogar ein Highlight – doch im Detail offenbart das System gravierende Mängel.Es Folgt ein Software-Check vom Youtube Kanal Move Electric, abseits von Fahrwerk und Reichweite.

Anders als unsere üblichen Fahrberichte konzentriert sich dieser Beitrag ausschließlich auf einen Aspekt: die Software des Porsche Taycan. Grundlage ist der Langzeiteindruck eines Testers, der das Facelift-Modell (Baujahr Januar 2025) seit drei Monaten fährt und sich intensiv mit dem System beschäftigt hat. Wichtig zur Einordnung: Vor dem Facelift, also bei allen Modellen älter als November 2024, gab es bei Oberfläche, Performance und Funktionalität deutliche Probleme. Das aktuelle Modell trägt die neueste Software – allerdings mit einem entscheidenden Haken: Echte Over-the-Air-Updates gibt es praktisch nicht. Wer eine neue Version will, fährt zum Porsche-Zentrum und lässt sie aufspielen – vom Tester augenzwinkernd „Over the Autohaus” genannt.

Die Displays: ein Highlight, ein Ärgernis

Der Taycan setzt auf vier Bildschirme. Fahrer- und Beifahrerdisplay messen jeweils 11 Zoll und liegen damit auf dem Niveau handelsüblicher Kia- oder Hyundai-Modelle; sie wirken nur kleiner, weil sie tief und von Lederwülsten gerahmt ins Armaturenbrett eingelassen sind. In einem Auto dieser Preisklasse hätte man dennoch mehr erwartet.

Das eindeutige Highlight ist das gebogene Kombiinstrument hinter dem Lenkrad: rund 50 Zentimeter breit, vermutlich OLED, teils berührungsempfindlich, mit Fahrwerks- und Lichtsteuerung an den Rändern und einer frei konfigurierbaren Mittelfläche. Für den Tester das schönste digitale Tachodisplay, das er kennt.

Das genaue Gegenteil ist der vierte Bildschirm, die Klimasteuerung in der Mittelkonsole. Die große Fläche darunter ist ein Touchpad, auf dem sich sogar handschriftlich schreiben lässt – in der Praxis aber ein Fingerabdruck-Magnet, der bei Sonneneinstrahlung kaum noch ablesbar oder bedienbar ist.

Was gut funktioniert

Überraschend solide ist vieles im Alltag. Die Assistenzsysteme – allen voran der aktive Spurhalteassistent „InnoDrive” – arbeiten sehr zuverlässig, fliegen beim Spurwechsel nicht heraus und die Verkehrszeichenerkennung trifft nach Eindruck des Testers in rund 90 Prozent der Fälle, inklusive vorausschauender Tempoanpassung bereits bis zum Schild. Bei den Komfortfunktionen sticht eine Besonderheit hervor: Bei Sitzheizung und -belüftung lässt sich die Balance einstellen – also etwa mehr Wärme im Rücken oder am Gesäß. Das hatte der Tester so noch nirgendwo gesehen.

Auch die täglichen Apps – Medien, Telefonie, kabelloses Apple CarPlay und Android Auto – funktionieren flüssig und schnell. Sogar Videostreaming ist an Bord: Über YouTube und den Aggregator ScreenHits TV (mit Amazon Prime, Disney+, ARD/ZDF-Mediathek) lassen sich Inhalte abspielen, sofern man einen Hotspot nutzt.

Besonders überzeugt die Routenplanung mit Ladestopps, die im Test sehr gut funktioniert. Per Filter lassen sich bevorzugte Anbieter wie Ionity, Aral Pulse oder die Porsche Charging Lounge auswählen. Praktisch: Mit der drei Jahre lang kostenlosen Porsche Charging Card lädt man bei Ionity und Aral Pulse automatisch für 39 Cent/kWh – ein guter Tarif. Beim genannten Verbrauch von rund 20 kWh im Sommer und 24 kWh im Winter ergeben sich Energiekosten von unter 8 Euro pro 100 Kilometer.

Die Schwachstellen im Detail

So weit, so gut – doch die Details trüben das Bild erheblich. Das Kernproblem ist die Konnektivität. Zwar hat der Wagen eine Grundausstattung mit 4G (Vodafone-SIM) und WLAN, doch viele Funktionen wie die Kalenderspiegelung verlangen ein zusätzliches Datenpaket, das mit 10 GB für 19 Euro im Monat zu Buche schlägt und nicht inklusive ist – selbst bei einem nur ein Jahr alten Auto. Damit ist etwa die Kalenderfunktion praktisch unbrauchbar.

Hinzu kommen tief verschachtelte Menüs mit teils drei bis vier Ebenen, spürbare Latenzen (das Klimamenü braucht oft eine halbe Sekunde oder länger) sowie unerklärliche Inkonsistenzen: CarPlay verbindet sich nicht immer automatisch, und dieselbe Funktion lässt sich über das eine Icon „während der Fahrt nicht” aktivieren, über ein anderes hingegen schon. Auch die Porsche-App reagiert mit teils langer Verzögerung von bis zu einer Minute.

Der sechswöchige Konnektivitäts-Ausfall

Den Tiefpunkt schildert der Tester für den 15. Januar 2025: Nach einem Ladevorgang verband sich die App nicht mehr mit dem Auto, die Satellitenkarte verschwand, das System fiel auf eine reine Vektorkarte zurück, der Account ließ sich nicht wiederherstellen – die Konnektivität war komplett tot. Ein Zurücksetzen war nicht möglich, da die Facelift-Software keine Reset-Funktion mehr bietet; selbst das Werks-Reset schlug fehl. Es folgten Werkstattbesuche, ein Ticket bei Porsche in Stuttgart und ein „harter Reset” des Konnektivitäts-Steuergeräts – ohne Erfolg. Erst nach sechs Wochen ohne Konnektivität behob ein Software-Update das Problem. In Porsche-Foren berichten weitere Halter von demselben Fehler, darunter sogar unbewegte Vorführwagen.

Schwachpunkt Rückfahrkamera

Kein reines Softwarethema, aber im Alltag störend: Auflösung und Fischaugen-Verzerrung der Rückfahrkamera sind nach Einschätzung des Testers schlecht – gerade beim Einparken zwischen zwei schmalen Fahrzeugen. Dass selbst günstige Konkurrenten hier deutlich schärfere Bilder liefern, macht den Mangel in dieser Preisklasse umso auffälliger.

Fazit

Die Software des Porsche Taycan funktioniert – wenn sie funktioniert. Was man täglich nutzt (Medien, CarPlay, Navigation, Telefonie, Klimatisierung) und vor allem das schöne Kombiinstrument sind völlig in Ordnung, die Routenplanung sogar besser als erwartet. Im Detail aber häufen sich gravierende Mängel, von der teuren, hakeligen Konnektivität bis zum fehlenden Reset. Dass das neuere, Android-basierte System des Macan deutlich runder läuft, zeigt, woran es im Taycan hapert. Unterm Strich: alltagstauglich, aber für ein Auto dieser Preisklasse mit zu vielen vermeidbaren Schwächen.

Quelle: Dieser Beitrag basiert auf einem Software-Langzeiteindruck des YouTube-Kanals @MoveElectric. Alle Eindrücke, Werte und Schilderungen stammen aus dem dortigen Video.


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