Deutschland testet die Zukunft… an vier Bordsteinen

satire
Satirische Illustration: Zahlreiche Prüfer untersuchen vier Ladebordsteine in einer deutschen Stadt.
Vier Ladepunkte, ein Jahr Testphase – Deutschland nähert sich der Zukunft bordsteinweise.

Hinweis: Dieser Beitrag ist Satire. Die vier Ladepunkte und die einjährige Testphase sind allerdings vollkommen real.

Leipzig wagt den Sprung in die Zukunft. Nicht überstürzt, versteht sich. Nicht mit hundert Ladepunkten, nicht mit einem ganzen Straßenzug und schon gar nicht flächendeckend. Das wäre schließlich verantwortungslos. Die Leipziger Stadtwerke testen die Zukunft zunächst an exakt vier Bordsteinen – und das sicherheitshalber ein ganzes Jahr lang.

An zwei Standorten in der Nähe des City-Rings wurden jeweils zwei Ladepunkte direkt in den Bordstein integriert. Dort können Elektroautos nun Strom beziehen, ohne dass eine klassische Ladesäule den Gehweg blockiert. Die Technik ist platzsparend, beheizbar, gegen Regen gewappnet und kann sogar überfahren werden. Mit anderen Worten: Sie ist für den Einsatz im deutschen Straßenraum verdächtig gut vorbereitet.

Vier Ladepunkte, zwölf Monate, unendlich viele Prüfberichte

Die Testphase läuft ein Jahr. In dieser Zeit soll unter anderem geklärt werden, ob Autofahrer einen Ladeanschluss auch dann erkennen, wenn er nicht auf einem 1,80 Meter hohen Metallpfosten thront. Außerdem dürfte zu untersuchen sein, ob Strom in Sachsen denselben physikalischen Gesetzen folgt wie in Köln und Düsseldorf, wo die Technik bereits erfolgreich eingesetzt wurde.

Ein derart anspruchsvoller Feldversuch verlangt Geduld. Schließlich könnte im November ein Blatt auf einen Ladebordstein fallen. Im Januar droht möglicherweise Frost. Und spätestens im Frühjahr muss wissenschaftlich dokumentiert werden, ob ein vierter Ladevorgang noch dieselbe emotionale Wirkung entfaltet wie der erste.

Für belastbare Ergebnisse werden vermutlich mehrere Arbeitsgruppen benötigt. Eine beobachtet den Bordstein. Eine zweite beobachtet die erste Arbeitsgruppe. Eine dritte erstellt den Abschlussbericht darüber, ob beide Gruppen ausreichend beobachtet haben. Das zuständige Lenkungsgremium tritt anschließend zusammen, um zu entscheiden, ob die Erkenntnisse für eine Entscheidung ausreichen – oder zunächst in einem weiteren Pilotprojekt erprobt werden sollten.

Die Zukunft muss ordentlich vermessen werden

Besonders wichtig ist die exakte Vermessung. Wie weit ragt das Ladekabel in den öffentlichen Raum? Wie reagiert der Bordstein auf einen SUV-Reifen? Und benötigt ein Ladepunkt, über den ein Lieferwagen gefahren ist, anschließend psychologische Betreuung?

Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn eine neue Technik einfach funktionieren dürfte. Sie muss zunächst beweisen, dass sie auch unter realistischen Extrembedingungen besteht: Nieselregen, Falschparker, Kehrmaschinen und Menschen, die ihr Auto abstellen, obwohl direkt neben ihnen ein Schild steht, das genau dies untersagt.

Auch die Bedienung will getestet sein. Vermutlich wird geprüft, ob Nutzer den Stecker ohne vorherige Teilnahme an einem kommunalen Informationsabend einführen können. Sollten mehr als 80 Prozent den Ladevorgang beim ersten Versuch starten, gilt das System als zu intuitiv und muss aus Gründen der Gleichbehandlung komplizierter gestaltet werden.

Andere Städte haben es getestet – aber nicht für Leipzig

Dass Köln und Düsseldorf mit solchen Ladebordsteinen bereits gute Erfahrungen gesammelt haben, erleichtert die Sache nur bedingt. Schließlich können Ergebnisse aus Nordrhein-Westfalen nicht ungeprüft auf Sachsen übertragen werden. Dort gibt es andere Bordsteine, andere Luftfeuchtigkeit und möglicherweise sogar Menschen, die Bedienungsanleitungen lesen oder auch nicht.

Die Leipziger Stadtwerke betreiben bereits mehr als 900 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Das neue Projekt wird zudem ohne Fördermittel umgesetzt. Die Stadt steht also keineswegs am Anfang der Elektromobilität. Umso schöner ist es, dass selbst ein erfahrener Betreiber die wichtigste deutsche Innovationsregel respektiert: Was anderswo funktioniert, muss hier zunächst noch einmal getestet werden.

Der Ladebordstein ist tatsächlich eine gute Idee

Hinter aller Satire steckt ein vernünftiges Konzept. Ladeanschlüsse im Bordstein benötigen kaum zusätzlichen Platz, verstellen keine Sichtachsen und können gerade in dicht bebauten Innenstädten eine sinnvolle Alternative zur klassischen Säule sein. Eine Heizung verhindert das Zufrieren, ein Auslass lässt Regenwasser ablaufen und die robuste Konstruktion verträgt sogar das Überfahren.

Das eigentliche Problem ist also nicht der Ladebordstein. Das Problem ist die Geschwindigkeit, mit der Deutschland erfolgreiche Pilotprojekte traditionell in weitere Pilotprojekte überführt. Erst wird zwölf Monate getestet. Danach folgen Auswertung, Gremienberatung, Haushaltsprüfung, Ausschreibung und ein Modellversuch zur Vorbereitung des möglichen Regelbetriebs.

Mit etwas Glück steht 2031 dann der fünfte Ladebordstein. Er wird feierlich eröffnet, wissenschaftlich begleitet und nach sechs Monaten vorübergehend außer Betrieb genommen, weil das Hinweisschild noch nicht der endgültigen Gestaltungssatzung entspricht.

Die Zukunft kann kommen – einzeln und nach Terminvereinbarung

Sollten alle vier Ladepunkte das Versuchsjahr überstehen, wäre ein wichtiger Beweis erbracht: Elektrischer Strom kann tatsächlich aus einem Bordstein kommen. Deutschland wäre damit bereit für den nächsten mutigen Schritt – vielleicht sechs Ladepunkte an drei Standorten.

Bis dahin heißt es beobachten, dokumentieren und keinesfalls voreilig skalieren. Die Zukunft läuft schließlich nicht weg. Sie wartet geduldig am Straßenrand und hofft, dass einer der vier Ladeplätze frei ist.

Faktenbasis: Mitteilung der Leipziger Stadtwerke vom 20. August 2026


Und das sind die Themen der 31. Ausgabe:

  • COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
  • TESLA – Neues aus der Tesla Welt
  • TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
  • TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
  • TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
  • Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
  • Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
  • elektrische COMMUNITY – Das Programm
  • ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
  • STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
  • GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
  • E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
  • KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
  • WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
  • WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
  • FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehäng

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