

Das sogenannte Verbrenner-Aus ab 2035 steht erneut zur Debatte. Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron arbeiten nach aktuellen Medienberichten an einer gemeinsamen Position, mit der sie die europäischen CO₂-Vorgaben für Neuwagen weiter lockern wollen. Die Financial Times berichtet am 13. Oktober 2026 über eine bevorstehende Einigung. Eine entsprechende Änderung der EU-Regeln ist damit noch nicht beschlossen.
Diese Satire denkt den politischen Rückwärtsgang zu Ende: Die Autoindustrie bekommt mehr Zeit, das Klima soll warten. Und 2035 darf erst eintreten, wenn die Branche einverstanden ist.
Brüssel – Die Europäische Union hat einen entscheidenden Durchbruch bei der Rettung des Verbrennungsmotors erzielt. Nach intensiven Gesprächen verständigte sich die fiktive Arbeitsgruppe „Transformation unter Vorbehalt“ darauf, künftig zunächst die Klimaziele umzubauen. An den Autos müsse dann deutlich weniger verändert werden.
„Wir haben zu lange versucht, die Industrie an die Zukunft anzupassen“, erklärte ein Sprecher. „Es ist wesentlich wirtschaftlicher, wenn sich die Zukunft an die Industrie anpasst.“
Damit das gelingt, soll der Klimaschutz vorübergehend auf den Seitenstreifen wechseln. Für überholte Geschäftsmodelle wird eine Rettungsgasse eingerichtet.
An der grundsätzlichen Richtung halte Europa selbstverständlich fest. Man fahre weiterhin nach vorn. Allerdings im Rückwärtsgang und mit Blick auf die Vergangenheit.
Als größte Innovation gilt der neue europäische Kalender. Er ersetzt starre Jahreszahlen durch ein modernes, bedarfsgerechtes Zeitmanagement.
Das Jahr 2035 beginnt demnach erst, sobald sämtliche betroffenen Hersteller ihre Zustimmung erteilt haben. Bis dahin wird 2034 automatisch verlängert.
Für längere Übergangsphasen stehen bereits die Jahre 2034a, 2034b und „2034 jetzt aber wirklich“ bereit.
„Ein Datum ist schließlich auch nur eine Technologie“, erläuterte der Sprecher. „Und Europa bleibt technologieoffen.“
Ein erster Praxistest verlief erfolgreich: Als ein Autovorstand das Wort „Planungssicherheit“ aussprach, sprang der Kalender selbstständig um fünf Jahre zurück. Beim Wort „Arbeitsplätze“ begann er, die Seiten rückwärts auszudrucken.
Die Entwickler arbeiten bereits an einer Version, die unangenehme Zukunftstermine durch die Geburtstage bedeutender Industrieller ersetzt.
Parallel soll die Erderwärmung zu einer angemessenen Wartefrist verpflichtet werden. Bis die Hersteller bereit sind, muss sie ihre weiteren Aktivitäten mit der europäischen Modellplanung abstimmen.
Hitzewellen sind künftig mindestens zwei Modellzyklen im Voraus anzumelden. Starkregen darf nur stattfinden, wenn dadurch keine Fachkonferenz zur Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigt wird. Für das Abschmelzen von Gletschern ist ein sozialverträglicher Ausstiegsplan vorzulegen.
Bereits laufende Naturkatastrophen sollen Bestandsschutz genießen, sofern sie vor Einführung der neuen Regelung begonnen haben.
„Wir erwarten vom Klima ein klares Bekenntnis zum Industriestandort Europa“, sagte der Sprecher. „Es kann nicht sein, dass es ausgerechnet jetzt wärmer wird, wo wir gerade Zeit brauchen.“
Eine zur Sitzung eingeladene Klimaforscherin wandte ein, dass sich die Atmosphäre weder für Modellzyklen noch für Lobbygespräche interessiere.
Dieser Hinweis wurde als mangelnde Kompromissbereitschaft protokolliert.
Die Forscherin erklärte daraufhin, dass zusätzliche Emissionen durch eine Verschiebung des Termins nicht verschwänden.
„Das ist Ihre wissenschaftliche Sicht“, erwiderte ein Teilnehmer. „Wir brauchen jetzt aber eine Lösung.“
Besonders große Hoffnungen setzt die Arbeitsgruppe auf den Begriff „hocheffizient“. Er soll künftig unmittelbar vor jeden Verbrennungsmotor gesetzt werden und dadurch dessen öffentliche Wahrnehmung erheblich verbessern.
Ein Vertreter eines erfundenen Premiumherstellers präsentierte dazu den neuen „Hocheffizienten Übergangsverbrenner Zukunft Plus“. Das Fahrzeug werde weiterhin mit Benzin betrieben, strahle aber deutlich mehr Zuversicht aus als das Vorgängermodell.
„Der Motor ist im Wesentlichen derselbe“, räumte er ein. „Aber die Bezeichnung ist jetzt dreimal so lang. Das muss beim Fortschritt berücksichtigt werden.“
Auch der Auspuff wurde überarbeitet. Er heißt künftig „Technologieoffene Emissionsschnittstelle“.
Damit werde sichtbar, dass das Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität sei. Wohin genau dieser Weg führe, bleibe aus Wettbewerbsgründen vertraulich.
Für das bislang ungelöste Problem der tatsächlichen Emissionen liegt ebenfalls ein Vorschlag vor. Europäisches CO₂ soll künftig nach Herkunft bewertet werden.
Ein in Europa gebauter Motor stoße demnach vor allem regionale Wertschöpfung aus. Chinesische Emissionen blieben selbstverständlich Emissionen.
Auf Nachfrage, ob das Treibhausgas diesen Unterschied kenne, verwies der Sprecher auf eine geplante Kennzeichnungspflicht.
Im Gegenzug für die neuen Freiheiten soll die Branche ein verbindliches Zukunftsversprechen abgeben. Dafür wurde ein Formular vorbereitet, auf dem jedes Unternehmen ankreuzen kann, ob es die Transformation „entschlossen“, „mit Nachdruck“ oder „grundsätzlich“ vorantreiben möchte.
Ein vierter Punkt für „tatsächlich“ wurde nach Rücksprache mit den Verbänden gestrichen. Er hätte die Einigung gefährdet.
Ein Herstellervertreter begrüßte ausdrücklich, dass die Politik endlich langfristige Verlässlichkeit schaffe.
Ein Journalist erinnerte daran, dass die bisherigen Vorgaben ebenfalls langfristig angekündigt gewesen seien.
„Ja“, antwortete der Vertreter. „Aber damals wussten wir noch nicht, dass langfristig irgendwann heute ist.“
Die Frage, ob europäische Hersteller durch weiteres Warten gegenüber ihrer Konkurrenz zurückfallen könnten, beschäftigte die Runde nur kurz. Zur Sicherung gleicher Wettbewerbsbedingungen sollen erfolgreiche Konkurrenten aufgefordert werden, ihre Entwicklung ebenfalls vorübergehend einzustellen.
Entsprechende Schreiben sind vorbereitet.
„Wir können nicht über Jahre unsere Zukunft verschieben und dann zulassen, dass andere einfach dort ankommen“, erklärte der Sprecher.
Zum Abschluss verständigte sich die Arbeitsgruppe auf ein deutliches Signal an die Bevölkerung: Die Klimaziele bleiben unverändert wichtig.
Ihre Umsetzung wird zunächst von ihrer Wichtigkeit getrennt. So könne Europa weiterhin ehrgeizige Ziele haben, ohne sich durch deren Erreichung unter unnötigen Druck zu setzen.
Das Klima wurde gebeten, den Kompromiss bis zur nächsten Sitzung zu bestätigen. Eine Antwort lag zunächst nicht vor.
Inzwischen war es im Sitzungssaal unangenehm warm geworden.
Der Vorsitzende unterbrach die Beratungen und verlangte, sofort die Klimaanlage einzuschalten.
Ein Mitarbeiter fragte, ob man damit angesichts der ungeklärten Kosten nicht bis zur nächsten Haushaltsrunde warten sollte.
Der Vorsitzende sah ihn fassungslos an.
„Bei dieser Hitze? Wir können doch nicht immer alles verschieben.“

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Aus dem Inhalt:
- COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
- TESLA – Neues aus der Tesla Welt
- TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
- TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
- TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
- Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
- Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
- elektrische COMMUNITY – Das Programm
- ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
- STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
- GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
- E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
- KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
- WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
- WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
- FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt



