

Satire auf Basis aktueller Meldungen. Die Musterkommune, ihre Maßnahmen, die geschilderten Szenen und sämtliche Zitate sind erfunden.
Tesla sorgte bei der Roadster-Präsentation in der Nacht auf den 16. Oktober 2026 für Aufsehen: Ein Prototyp zeigte in Texas Flug- und Stuntdemonstrationen mithilfe von Triebwerken. Die spektakulären Bilder liefern die Vorlage für die folgende, frei erfundene Geschichte darüber, wie eine deutsche Kommune auf diese Form der Mobilität reagieren könnte.
Während Tesla die Schwerkraft überwindet, erschließt das Ordnungsamt neue Einnahmequellen. In der fiktiven Musterkommune Niederbremsen gilt Schweben ab sofort als Parken mit Aussicht.
Niederbremsen – Die Nachricht vom fliegenden Tesla Roadster ist im örtlichen Ordnungsamt mit großer Begeisterung aufgenommen worden. Amtsleiterin Petra Krüger sprach von einem historischen Durchbruch für die kommunale Parkraumbewirtschaftung.
„Bisher konnten wir einen Parkplatz nur einmal gleichzeitig abrechnen“, erklärte sie. „Dass über jedem abgestellten Auto noch mehrere Meter ungenutzter Raum liegen, hat uns seit Jahren beschäftigt.“
Mit dem Roadster werde dieser Missstand endlich behoben.
Die Stadt plant bereits eine gestaffelte Bewirtschaftung des Luftraums. Auf Bodenniveau gilt der Normaltarif, darüber beginnen die Kategorien „Business Schweben“ und „Premium Aussicht“. Wer direkt über einem anderen Fahrzeug parkt, muss zusätzlich einen Untermieterzuschlag entrichten.
Der Bürgermeister bezeichnete das Konzept als wichtigen Beitrag zur flächensparenden Stadtentwicklung. Auf die Fläche eines einzigen Parkplatzes passten künftig mehrere Gebührenpflichtige übereinander.
„Andere reden seit Jahren über intelligente Städte“, sagte er. „Wir haben jetzt eine, die nach oben kassiert.“
Als erste Maßnahme bestellte der Gemeinderat einstimmig einen Abschlepphubschrauber. Das Fluggerät soll widerrechtlich schwebende Fahrzeuge einfangen und auf dem kommunalen Verwahrplatz absetzen. Dieser erhält vorsorglich ein Dach.
Die Finanzierung sei gesichert, erklärte die Kämmerei. Man rechne mit einem erheblichen Aufkommen an Fahrzeugen, deren Besitzer irrtümlich annähmen, technische Fähigkeiten seien gleichbedeutend mit Gebührenfreiheit.
Ein erster Zwischenfall zeigte bereits, wie dringend die Anschaffung benötigt wird.
Bei einer Vorführung auf dem abgesperrten Gelände des örtlichen Zukunftsvereins hob ein Roadster-Prototyp wenige Zentimeter vom Boden ab. Nach kurzer Zeit trat ein Mitarbeiter des Ordnungsamts hinzu und bat den Testfahrer, die Parkscheibe gut sichtbar auszulegen.
„Ich parke nicht“, erklärte der Fahrer. „Ich schwebe.“
Der Mitarbeiter sah auf seine Uhr.
„Seit drei Minuten an derselben Stelle. Für alles Weitere bin ich nicht zuständig.“
Auch der Hinweis, dass kein Reifen den Boden berühre, überzeugte ihn nicht.
„Der Boden muss Sie nicht kennen, damit Sie hier stehen.“
Als der Testfahrer schließlich einwandte, sein Fahrzeug bewege sich in drei Dimensionen, nickte der Mitarbeiter.
„Die vierte ist die Parkzeit. Und die läuft.“
Das Anbringen des Verwarnzettels gestaltete sich allerdings schwierig. Der erste Zettel wurde vom Luftstrom weggeblasen, der zweite ebenfalls. Ein dritter landete beim Vorsitzenden des Zukunftsvereins im Gesicht.
Die Behörde wertete den Vorfall als Beleg dafür, dass die neue Fahrzeugtechnik zusätzliche Verwaltungskosten verursache.
Dem Fahrer wurde deshalb ein Zuschlag für erschwerte Bescheidzustellung angekündigt. Außerdem solle er die davongeflogenen Zettel zurückbringen. Andernfalls komme eine Ordnungswidrigkeit wegen Verunreinigung des Luftraums hinzu.
Für den regulären Betrieb arbeitet die Stadt inzwischen an einem Bewohnerflugausweis. Er soll ausschließlich für die jeweils genehmigte Höhe gelten. Wer von 40 auf 60 Zentimeter steigt, muss rechtzeitig einen Antrag auf Höhergruppierung stellen.
Ein Sprecher versicherte, die Kommune wolle Innovation ausdrücklich ermöglichen. Vorgesehen sei deshalb ein vereinfachtes Verfahren: Antragsteller müssten ihre Flughöhe nur noch in einem einzigen Formular angeben.
In dreifacher Ausfertigung.
Zusätzlich werden die Parkverbotsschilder überarbeitet. Neue Tafeln zeigen neben dem Abschleppwagen einen Hubschrauber mit einem Auto am Haken. Ein Pfeil nach oben soll klarstellen, dass die Regelung auch über dem Schild gilt.
Ein Pfeil nach unten sei zunächst nicht vorgesehen.
„Da hat Tesla noch nichts angekündigt“, erklärte Krüger. „Aber wir halten entsprechende Vordrucke bereit.“
Ungeklärt ist bislang, wie hoch Niederbremsen eigentlich reicht. Eine entsprechende Anfrage an das Katasteramt läuft. Bis zur Klärung betrachtet sich die Gemeinde vorsorglich als zuständig.
Aus Sorge um mögliche Einnahmeverluste wurden außerdem Nachbarkommunen angeschrieben. Sie sollen darauf verzichten, gebührenfreies Durchschweben anzubieten.
„Wir wollen keinen ruinösen Wettbewerb um die günstigste Luft“, sagte der Bürgermeister.
Der Abschlepphubschrauber soll noch vor dem ersten regulären Einsatz eines fliegenden Roadsters bereitstehen. Damit wäre die Gemeinde beim Abkassieren erstmals schneller als die Fahrzeugindustrie bei der Auslieferung.
Auf einer Informationsveranstaltung fragte eine Bürgerin, ob der neue Hubschrauber auch bei medizinischen Notfällen helfen könne.
Die Amtsleiterin schüttelte den Kopf. Dafür sei die Ausrüstung nicht ausgelegt.
Das Fluggerät verfüge allerdings über eine Hochleistungskamera, einen höhenverstellbaren Fahrzeughaken und einen Drucker für wasserfeste Gebührenbescheide. Man müsse bei solchen Investitionen klare Prioritäten setzen.
Ein Journalist wollte wissen, warum die Stadt einen Hubschrauber so schnell beschaffen könne, obwohl die digitale Terminvergabe im Bürgerbüro seit Jahren als schwierig gelte.
„Beim Bürgerbüro haben wir noch kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden“, erklärte die Kämmerei.
Inzwischen bereitet die Gemeinde ein Förderprogramm für den Kauf fliegender Autos vor. Bezuschusst werden sollen bevorzugt Modelle, die auf einer konstanten Höhe schweben können und eine gut erreichbare Windschutzscheibe besitzen.
Die Förderung werde sich durch die zu erwartenden Einnahmen selbst finanzieren.
Ein zunächst enthaltener Hinweis auf kostenlose Parkplätze am Ortsrand wurde aus dem Informationsmaterial entfernt. Er hätte dem angestrebten Innovationsstandort geschadet.
Zum Abschluss der Vorstellung blickte der Bürgermeister zufrieden in den Himmel. Wo andere nur Wolken sahen, erkannte er bislang unerschlossene Stellflächen.
Die Stadt habe verstanden, dass der Fortschritt keine Grenzen kenne.
„Das Universum dehnt sich aus“, sagte er. „Unsere Gebührenordnung auch.“

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https://shop.temagazin.de/produkt/magazin/temagazin-31-ausgabe/
Aus dem Inhalt:
- COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
- TESLA – Neues aus der Tesla Welt
- TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
- TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
- TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
- Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
- Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
- elektrische COMMUNITY – Das Programm
- ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
- STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
- GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
- E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
- KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
- WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
- WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
- FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt



