Wer sich heute in die Welt der elektrischen Kombis wagt, landet zwangsläufig beim neuen Audi S6 e-tron Avant.

Ein Fahrzeug, das sich anschickt, die Messlatte für sportliche Elektromobilität im Kombiformat neu zu definieren.
Audi hat sich nicht lumpen lassen und präsentiert ein Auto, das optisch fast schon Understatement betreibt, technisch aber mit der Faust auf den Tisch haut und Oliver Bornemann hatte Gelegenheit das Elektroauto für uns zu testen.
Schon beim ersten Anblick fällt die neue Sandbeige Metallic-Lackierung ins Auge, die in Kombination mit dem schwarzen Glanzpaket einen Hauch von Noblesse versprüht.

Die Frontpartie wirkt markant, die Tagfahrlichtsilhouette ist individuell einstellbar und darunter sitzen HD Matrix LED Scheinwerfer, die auch bei Nachtfahrten keine Wünsche offenlassen.

Der Kombi – Verzeihung – der Avant bringt es auf eine Länge von 4,93 Metern, ist 1,92 Meter breit ohne Außenspiegel und bleibt mit 1,49 Metern Höhe angenehm flach. Der Radstand von 2,95 Metern sorgt für großzügige Platzverhältnisse, während der 94,9 kWh große Akku im Unterboden für einen tiefen Schwerpunkt sorgt.

Aerodynamisch hat Audi dem Avant einen cW-Wert von 0,24 verpasst, was für einen Kombi dieser Größe bemerkenswert ist.

Wer sich für die Sportback-Variante entscheidet, bekommt sogar einen Wert von 0,21 und kratzt damit am Klassenprimus Mercedes EQS.
Die 21-Zoll-Felgen in Schwarz glänzend sind endlich einmal nicht im windkanaloptimierten Design gehalten, sondern setzen ein Statement.
Wer es noch sportlicher mag, kann für einen kleinen Aufpreis rote Bremssättel ordern, die dem Auftritt das gewisse Etwas verleihen.

Im Innenraum zeigt sich Audi traditionsbewusst und modern zugleich.

Die Materialauswahl reicht von unterschäumtem Kunststoff über Carbonoptik bis hin zu Mikrofaserstoffen, die sich angenehm anfühlen.

Die Sitze verdienen das Prädikat Sportsitz, bieten exzellenten Seitenhalt und lassen sich elektrisch in alle Richtungen verstellen.

Die Ergonomie ist, wie man es von Audi erwartet, nahezu perfekt.

Das optionale Head-up-Display mit Augmented Reality, das große Fahrerdisplay und das neue MMI-Infotainment mit Kachelstruktur und App-Store-Funktionalität bringen die digitale Zukunft ins Cockpit.
Apple CarPlay und Android Auto laufen kabellos, Alexa und YouTube sind ebenfalls an Bord.
Das optionale Bang & Olufsen Soundsystem sorgt für den passenden Klangteppich, wahlweise sogar mit Lautsprechern in den Kopfstützen.
Technisch fährt der Audi S6 e-tron Avant mit zwei Elektromotoren vor, einem asynchronen an der Vorderachse, der sich bei Bedarf abschalten lässt, und einem permanentmagneterregten Synchronmotor an der Hinterachse.
Zusammen liefern sie im Launch-Control-Modus bis zu 405 kW beziehungsweise 551 PS und ein maximales Drehmoment von 855 Newtonmetern.
Das reicht, um die 2,41 Tonnen schwere Fuhre in 3,9 Sekunden auf 100 km/h zu katapultieren, sofern man die Launch Control korrekt aktiviert. Ohne diese Funktion sind es immer noch respektable 4,1 Sekunden.
Wir konnten bei unseren Tests diese Beschleunigungswerte nicht nachstellen, wohl aber die Höchstgeschwindigkeit und die liegt bei 240 km/h, was für ein Elektrofahrzeug dieser Klasse mehr als ausreichend ist, die Reichweite bei ambitionierter Nutzung der Möglichkeiten aber entschieden reduziert.
Beim Laden zeigt sich der Audi flexibel. AC-Laden ist mit 11 kW möglich, optional wäre ein 22-kW-Lader wünschenswert, um in fünf Stunden von leer auf voll zu kommen.
DC-Laden gelingt mit bis zu 270 kW, was eine Ladung von 10 auf 80 Prozent in 21 Minuten ermöglichen soll.
Ob das auch in der Praxis klappt, bleibt abzuwarten, denn Herstellerangaben und Realität sind bekanntlich zwei Paar Schuhe.

Praktiker werden sich über den Frunk freuen, der ausreichend Platz für Ladekabel und Notfallset bietet.

Der Kofferraum fasst 502 Liter, mit umgeklappter Rückbank wächst das Volumen auf 1428 Liter.

Die Dachlast beträgt 100 Kilogramm, die Anhängelast gebremst 2,1 Tonnen, ungebremst 750 Kilogramm.
Damit ist der S6 e-tron Avant nicht nur ein Sportler, sondern auch ein echtes Arbeitstier für Familie und Freizeit.
Fahrdynamisch überzeugt der Audi mit einem straff-komfortablen Luftfahrwerk, das sich je nach Fahrmodus anpassen lässt.
Die Lenkung ist präzise, der Wendekreis mit 12,3 Metern für die Fahrzeuggröße akzeptabel.
Die Assistenzsysteme arbeiten zuverlässig, der adaptive Fahrassistent hält das Fahrzeug souverän in der Spur und erkennt Tempolimits sowie Kurven vorausschauend.
Die Geräuschdämmung ist vorbildlich, bei 100 km/h bleibt es angenehm leise im Innenraum.
Im Alltag punktet der S6 e-tron Avant mit durchdachten Details wie digitalem Außenspiegel, zahlreichen USB-C-Anschlüssen, einer dreizonen Klimaautomatik und cleveren Isofix-Lösungen für Kindersitze.
Kritik gibt es für den Einsatz von Hartplastik an einigen Stellen, insbesondere im Einstiegsbereich und an den hinteren Türverkleidungen.
Auch das Panorama-Glasschiebedach fehlt im Angebot, stattdessen gibt es nur ein nicht zu öffnendes Glasdach mit Verdunklungsfunktion.
Beim Verbrauch zeigte der Test auf der Hausstrecke einen Wert von 26,2 kWh pro 100 Kilometer, was angesichts der sportlichen Fahrweise und des Fahrzeuggewichts im Rahmen liegt.
Die Preise starten bei gut 62.000 Euro für den A6 e-tron, der S6 e-tron Avant mit Vollausstattung kratzt locker an der 100.000-Euro-Marke.
Audi setzt auf attraktive Leasing- und Finanzierungskonditionen, sodass sich ein genauer Blick beim Händler lohnt.
Unterm Strich liefert Audi mit dem S6 e-tron Avant ein überzeugendes Gesamtpaket ab.
Der Spagat zwischen Sportlichkeit, Komfort und Alltagstauglichkeit gelingt, die Technik ist auf der Höhe der Zeit und das Design bleibt angenehm zurückhaltend. Wer einen elektrischen Kombi mit Anspruch sucht, kommt an diesem Modell kaum vorbei.
Einziger Wermutstropfen bleibt die Preisliste, aber das war bei Audi noch nie anders.
Sehr gerne habt Ihr Gelegenheit die hier gewonnen Eindrücke durch Oliver Bornemanns YouTube Video auf seinem Kanal einfach elektrisch zu intensivieren, nachfolgend der Link zum Video:

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- Welchen Wald sehen wir morgen?
- USA-Reisebericht: Auf den Spuren von Tesla und SpaceX
- Überall Greenwashing
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