Wie man einen Crossover mit Tank zum Meilenstein erklärt, während der Rest der Welt schon umgesteckt hat
Eine satirische Einordnung von Michael Selent

Herzlichen Glückwunsch, Toyota! Zehn Jahre Toyota C-HR. Ein „Meilenstein”, schreibt die Pressestelle, und feiert dabei mit der Inbrunst eines Konzerns, der 2016 in die Zukunft startete und 2026 immer noch mit angezogener Handbremse davorsteht.
Beginnen wir beim Herzstück. Der C-HR brachte laut Toyota „Hybridtechnologie erfolgreich in den C-SUV-Bereich” – mit einem 1,8-Liter-Benziner und „einem thermischen Wirkungsgrad von 40 Prozent”. Vierzig Prozent. Man muss das würdigen: Toyota feiert hier öffentlich einen Motor, der nur sechzig Prozent der Energie verheizt. In einer Welt, in der ein E-Antrieb über 90 Prozent in Vortrieb umsetzt, ist das ungefähr so beeindruckend wie ein Faxgerät mit Farbpatrone.

Das eigentliche Glanzstück der Mitteilung ist aber die „Multi-Path-Strategie”. Ein wunderbares Wort. Es bedeutet: viele Wege. Und tatsächlich bietet Toyota viele Wege an – Hybrid, Plug-in-Hybrid, irgendwann mal Wasserstoff – und alle führen erstaunlich zuverlässig zurück zur Tankstelle. Multi-Path ist die Eleganz, sich nicht entscheiden zu müssen, verpackt als Mut. Andere nennen das einen Stau auf der Abbiegespur.
Mein persönliches Highlight: das „Predictive Efficient Drive” mit Geo-Fencing. Der Plug-in-Hybrid wechselt in Umweltzonen automatisch und vorausschauend in den Elektromodus. Übersetzt: Das Auto weiß ganz genau, wann jemand zuschaut – und schaltet dann brav auf sauber. Sobald die Kamera weg ist, brummt der Vierzylinder wieder. Ein Antrieb mit dem Gewissen eines Schülers vor der Lehrerin.
Apropos Plug-in: bis zu 66 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP. Schön. Bekanntlich landen genau diese Fahrzeuge in der Praxis viel zu oft ungeladen auf der Autobahn, wo sie zwei Tonnen Technik und einen vollen Tank Sprit durch die Gegend schleppen. Lokal emissionsfrei – sofern man die Steckdose findet, an die man nicht angeschlossen hat.
Besonders ehrlich ist die Statistik, dass über die Hälfte der Käufer das Design als Hauptkaufgrund nennt. Wenigstens flunkert hier niemand etwas von Klimaschutz. Man kauft den C-HR, weil er gut aussieht. Das ist eine völlig legitime Kaufentscheidung – sie hat nur mit Antriebszukunft so viel zu tun wie eine schicke Brille mit besserer Sehkraft.
Und dann, eingebettet in die Jubiläumsromantik, der eigentliche Zweck der Übung: 269 Euro Leasing, keine Anzahlung, bis zu 15 Jahre Relax-Garantie. Fünfzehn Jahre. Toyota plant also fest damit, diesen Verbrenner noch bis weit in die 2040er zu betanken. Wer einen längeren Liebesbeweis an die Vergangenheit sucht, muss schon in einem Museum nachfragen.
Bleibt das Fazit: Der C-HR ist ein hübsches, solides, zuverlässiges Auto – und ein Denkmal dafür, wie ein einstiger Hybrid-Pionier zehn Jahre lang dieselbe Idee feiert, während die Konkurrenz längst die Kabel verlegt hat. Happy Birthday. Die Kerzen pusten wir elektrisch aus.
Und das sind die Themen der 30. Ausgabe:
- Neues aus der Tesla Welt
- Die Revolution der Patentstrategie bei Tesla
- Grünere Energienetze dank Einsatz von KI
- Die Herausgeber: Elektrische von Paris nach Dakar und zurück
- Neues zur elektrischen COMMUNITY 2026
- Strombock: Höhere Benzinpreise, der perfekte Moment für den Umstieg !
- Unser Manifest und Petition für eine zukunftsorientierte Transformation Deutschlands
- Reisebericht: Mit Model X & Grok durch Schottland
- Die Herausgeber: Tesla Fahrer & Freunde e.V.
- Besuch im Geothermiekraftwerk
- Powerwall 3P: Erstmals dreiphasiger Heimspeicher von Tesla
- Fanboy: Terafab
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