Börsenexperte zu E-Mobilitäts-Aktien

Das ständige Auf und Ab an der Börse verunsichert auch die Menschen, die Geld in Tesla-Aktien anlegten. Mit dem Finanzmarkt-Experten Jürgen Schmitt sprach das T&Emagazin über die Entwicklungen der Märkte im Hinblick auf die E-Mobilität.

Der 50-Jährige ist Verleger des BörsenSpiegels und betreibt bei YouTube seit einem Jahr den Kanal „Aktienlust“.

In vermeintlich unsicheren Zeiten sind E-Mobilitäts-Aktien vielleicht ein relativ sicherer Hafen…

Auszug aus dem Interview:

T-magazin: Es gibt Experten, die prognostizieren Tesla wahre Höhenflüge. Tatsächlich hat sich die Aktie spektakulär entwickelt. Wo sehen Sie die Aktie in fünf Jahren?

Jürgen Schmitt: Eine Twitter-Meldung reicht aus, um eine Aktie mal hoch und mal runter zu bringen. Entscheidend ist, dass Tesla den Sprung in die Gewinnzone geschafft hat und letztendlich damit berechenbar wird. Musk hat gesagt, dass sie kein Fremdkapital mehr brauchen und sich aus dem Cashflow weiter finanzieren können. Das ist ein Quantensprung für das Unternehmen. Auf jeden Fall sehe ich Tesla in fünf Jahren deutlich höher als aktuell. Da ist noch viel Luft nach oben.

T-magazin: Was macht das Unternehmen so spannend?

Jürgen Schmitt: Es gibt nicht viele in der Branche, die alles aus einer Hand machen und vor allen Dingen die Batterien selbst produzieren, zusammen mit dem Partner Panasonic. Das ist ein Riesen-Asset. Tesla will ja auch in China eine Gigafabrik bauen, um damit den asiatischen Markt zu bedienen. Deutsche Unternehmen sind da einfach ein paar Jahre hinterher. Auch die Energiespeichersparte ist ein Thema der Zukunft. Man muss weg vom Kohlestrom, fossilen Brennstoffen und Atomenergie, aber wie soll das ermöglicht werden? Natürlich durch alternative Energien, aber die haben alle das Problem der Speicherung. Da ist Tesla mit Speicherfabriken unterwegs und hat sogar selbst ein Solarunternehmen gekauft. ‚Macht Solarziegel von uns aufs Haus, stellt einen Energiespeicher von uns rein und unten in der Garage steht der Teslawagen, der sich davon speist.‘ Das ist eine Kombination, die noch gute Perspektiven hat.

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T-magazin: Sie haben in Videos zur Investition in chinesische Auto-Konzerne ermutigt. Infolge des Handelsstreits mit den USA haben chinesische Firmen teils ordentlich Federn gelassen. BYD und Geely Automobile z.B. kommen erst langsam wieder in die Pötte. Können Sie Investment in solche Aktien empfehlen?

Jürgen Schmitt: Ich bin sehr optimistisch bezüglich dieser Aktien und generell bezüglich des chinesischen Marktes. Wir Menschen sind sehr ungeduldig und haben einen kurzen Zeithorizont. Ich nenne da immer sehr gerne das Beispiel des iPhones. Das iPhone hat das Internet mobil gemacht und das vor gerade mal zehn Jahren. Wenn man weitere zehn Jahre vorausblickt, ist das für uns Menschen ein langer Zeitraum, aber wenn man finanzielle Anlagen sieht, eigentlich nicht. Kapitalbildende Lebensversicherungen werden auf 20 bis 30 Jahre abgeschlossen. Warum sollte man nicht mal auf zehn Jahre in Aktien investieren? Wer das in solche Unternehmen macht, hat fantastische Chancen, weil der chinesische Markt erstens deutlich größer ist als der amerikanische oder europäische und weil dort die Wachstumsrate aktuell deutlich höher ist.

T-magazin: Sind Aktien dieser Unternehmen dann überhaupt spekulative Werte?

Jürgen Schmitt: Die sind eher vergleichbar mit Amazon, Facebook und Google. Was ist da spekulativ? Sie haben etwas höhere Bewertungen als klassische Konsumtitel, aber sie haben auch extrem höhere Wachstumsraten und die Perspektiven sind ganz anders.

T-magazin: Welche E-Mobilitäts-Aktien sind Ihnen ansonsten besonders aufgefallen?

Jürgen Schmitt: Das ist ein Prozess, bei dem man sehr vorsichtig sein muss, denn es gibt in der zweiten Reihe zum Beipiel Panasonic als Profiteur, weil er im Batteriesektor extrem stark unterwegs ist. Aber was die reinen Produzenten angeht, sehe ich momentan Tesla und BYD (Anmerk. d. Red.: Build Your Dreams) in der Pole Position, weil die den Vorteil haben, dass sie nicht nur Autos herstellen, sondern die Batterietechnik, somit die ganze Wertschöpfungskette bedienen. Das ist aus meiner Sicht ein riesen Vorteil. 

T-magazin: Wie verhält es sich mit Lithium-Aktien? Lithium-Ionen-Akkus sind momentan sehr gefragt. Viele Experten halten sie jedoch für eine Brückentechnologie. Wie verhalten sich Aktionäre am besten?

Jürgen Schmitt: Sehe ich absolut genauso. Das ist eine Brückentechnologie, weil man eben an Grenzen stößt. Zurückblickend hatten wir das Thema „seltene Erden“. Da gab es gewisse Rohstoffe, die als unverzichtbar für Smartphones galten, bis man gesehen hat, dass sie erstens nicht ganz so selten sind und sich zweitens durchaus durch andere Rohstoffe ersetzen lassen. Aber seit wann wird wirklich intensiv für Autos Batterieforschung betrieben? Seit zehn Jahren? Maximal. Also, das ist überhaupt gar nichts! Genauso Energiespeicher, im Grunde genommen geht es dabei jetzt erst los. Die Amis haben sich mit dem Thema wahrscheinlich kaum beschäftigt, außer Tesla. Die hauen immer noch ihr Öl in die Autos rein. Das interessiert die gar nicht, aber wenn die anfangen und wirklich Milliarden-Beträge in Forschung und Entwicklung investieren, dann werden wir relativ schnell Alternativen sehen.

[…]

Wen das komplette Interview und andere Fragen rund um E-Mobilität, Tesla und Erneuerbare Energie interessiert, kann dasT&Emagazin auf dem Postweg erhalten und ein oder auch mehrere Exemplare gegen Versandkostenübernahme über https://shop.t-magazin.de/ bestellen. Nun ist es auch möglich die kommenden vier Ausgaben des T&Emagazin zu abonnieren.

 

Jürgen Schmitt Akienlust
Foto: Timo Pagana

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