Car Maniac in Los Angeles – kein Vorreiter in Sachen Elektromobilität

Ein Blick über den Tellerrand 

Arnold Schwarzenegger wäre stolz auf mich. Hätte er sich gemeldet, hättet ihr das sogar live auf Video sehen können. Dabei habe ich versucht, ihn über Instagram dazu zu motivieren, mit mir etwas in Kalifornien im Elektroauto herumzucruisen. Stolz wäre er aber nicht auf die Leute in und um Los Angeles, denn was Elektromobilität angeht, ist man da noch eher im Kein-Bock-Modus.

Ich hatte die Ehre und Freude, mit dem neuen Porsche Taycan Sport Turismo in der GTS Variante durch Los Angeles zu fahren und auch auf den atemberaubenden Landstraßen um Los Angeles herum. Ab 2035 sollen keine Verbrenner mehr zugelassen werden in Los Angeles. Wir sprechen immer über Elektromobilität bei uns in Deutschland, allerdings steht und fällt nicht alles mit uns. Andere müssen auch mit- oder nachziehen. Deswegen ist es doch schon interessant, zu sehen, wie anders die Welt über den großen Teich tickt im glamourösen Los Angeles. Wer hier was hat zeigt das nicht in Form eines Elektroautos.

Ehrlich gesagt halte ich es für absolut unrealistisch, dort ab 2035 keine Verbrenner mehr zuzulassen. Eine gigantische Stadt mit wahnsinnig großen Autobahnen, die durch die Stadt führen mit Stau-Situationen, die sich gewaschen haben. Und die großen Big Block V8, der Kammerjäger im V8, die Mama im V8 BMW X7, und sonst alle anderen V8 Motoren die sich durch jede soziale Schicht ziehen. Dort macht es erst Spaß, wenn es richtig schön blubbert. Zugegeben, so ein V8 klingt, wenn er beschleunigt, schon sagenhaft. Aber völlig egal, ob München, Leipzig, Bukarest oder Los Angeles: die Menschen atmen das Zeug halt ein. Und viele von den Menschen dort wohnen in prunkvollen Einfamilienhäusern, wo man durchaus sein Elektroauto laden könnte.

Wenn man gediegen durch die Hollywood Hills fährt, entdeckt man schon mehr Elektroautos, allerdings ausschließlich von der Marke Tesla. Alle anderen Marken sind halt zu billig und zu wenig repräsentativ und dann kommt noch obendrauf, dass ich mich in Kalifornien auch ausschließlich für einen Tesla entscheiden würde. Die Infrastruktur für Elektroautos ist nicht gerade beeindruckend. Tesla hingegen kann man überall fahren und laden. Klar würde ein Porsche in der neuen Sport Turismo Variante noch mal schicker vor einem Haus in den Hollywood Hills aussehen und noch mehr zeigen „Hey, ich habe Geld“, aber wenn man dann mal außerhalb der Stadt fährt, wird es schon eng. Gemerkt habe ich das mit Francesco, als wir mit dem Porsche von der Willow Springs Rennstrecke, welche knapp 100 Kilometer von Los Angeles entfernt ist, über unendliche Landstraßen wieder zurückgefahren sind. Der Porsche wurde nicht geladen, also hatte ich 79 Kilometer Reichweite für knapp 90 Kilometer Strecke. Eine CCS Station war vorzufinden auf dieser Strecke. Die sagenhaften Bergstraßen, die nach Willow Springs führen, haben mich dazu eingeladen, den Porsche mal richtig die Sporen zu geben, so als kleines Warmup für die Rennstrecke. Und hier muss ich wieder sagen, völlig egal ob Mercedes, BMW Audi oder Tesla, ein Porsche ist halt nun mal ein Porsche.

Fahreindrücke des Fahrzeuges kann ich erst am 15 Dezember kommunizieren, dann auf meinem Kanal. Aber das Erlebnis teile ich hier schon exklusiv mit allen Lesern. Der Rückweg von Willow Springs konnte über 2 Strecken gefahren werden nach Los Angeles. Einmal wieder über die Bergstraße oder aber alternativ über unendliche Geraden, wie man sie aus Filmen kennt. Das sind Orte, wo alle 5 Kilometer mal ein Haus zu sehen ist, natürlich mit den klassischen Schaukelstuhl auf der Veranda und dem Mückengitter vor der Tür.

Ich würde wahrscheinlich dort auch nur mit einem Tesla herumfahren wollen, weil man einfach nicht laden kann. Außer natürlich, man besitzt ein Haus, was ja viele tun, dann kann man über die Wallbox laden. Jemanden, der das genauso macht, habe ich an der Ladestation bei Walmart kennengelernt. Was bei uns Ionity heißt ist dort Electrifying America.

Der Weg dorthin war ganz entspannt auf dem Highway mit 65 Meilen pro Stunde. Dabei wurde ich aber jedesmal überholt, selbst wenn du 70 Meilen fährst. Natürlich zu 80 Prozent V8. Jene die ein bisschen vernünftiger unterwegs sind, fahren dann sehr viele asiatische Modelle von Toyota, Kia oder Acura. Viele Modelle, die wir in Deutschland gar nicht sehen. Modelle, die gefühlt doppelt so groß sind wie die Autos, die wir hier kennen. Ein ganz beliebtes Modell bei Leuten, die ein bisschen Geld haben, ist der Cadillac Escalade. Ein Monster von einem Auto. Der Q7 meiner Frau sieht daneben aus wie ein Witz. Ganz speziell auf dem Hollywood Boulevard sieht man davon viele.

Aber nun mal zurück zu Electrifying America: An der Ladesäule lernte ich einen jungen farbigen Mann kennen, der eher nicht dem Klischee des Elektroautofahrers entspricht. Warum? Na ja, weil ein Mitte-Zwanziger, der die finanziellen Mittel dafür hat, tendenziell eher etwas fährt, was auch im Freundeskreis beeindruckend ist. Viel Power, laut. Er nicht. Er hat sich für einen Ford Mustang Mach E GT entschieden, im super auffälligen Babyblau. Im Gespräch, warum er ein Elektroauto fährt, war die erste Antwort: Weil es ihm gefällt, und weil es einfach besser ist von der Umweltbilanz. Wow, habe ich mir gedacht. Aber er besitzt noch einen Verbrenner, nämlich einen Audi S3. Sein Elektroauto kann er zu Hause laden. Auch in seinem Freundeskreis fahren sehr viele Elektro, sagte er mir. Er arbeitet in der Unterhaltungsindustrie als Sänger und Tänzer. Es muss sich einfach umgestellt werden, hat er gesagt, das verlangt die Elektromobilität halt ab. „You have to be smart“, sagte er wörtlich.

Am Porsche fand er natürlich großen Gefallen, vor allem in diesem auffälligen Rot ist der Wagen tatsächlich ein Traum. Alles in allem heißt es in Amerika: größer, schneller, lauter. Selbst die heruntergekommen Stan Autos sind irgendwie mindestens mit 6 Zylindern. Alles ist natürlich Bigsize, deswegen passen größere Autos auch viel besser ins Straßenbild. Klar hat es etwas Magisches, weil es genauso ist, wie man es in den Filmen sieht, aber rein CO2-technisch muss wohl Los Angeles eine reine Katastrophe sein. Im kleinen Vororten findet man dann doch das ein oder andere versteckte Elektroauto im niedrigeren Preisbereich, zum Beispiel einen Nissan Leaf der zweiten Generation oder auch mal eine Renault Zoe. Dominiert wird das Ganze aber definitiv von Tesla Model 3 und Tesla Model Y. Liebliche und beeindruckende Häuser in den verschiedensten Größen und verschiedensten Stilrichtungen beherbergen manchmal in der Auffahrt neben einem Tesla auch einen potenten Verbrenner. Immerhin fährt dann einer aus dem Haushalt nach Los Angeles zur Arbeit rein elektrisch.

Allgemein sind die guten Verkaufszahlen von Tesla kein Wunder, denn von diesen gibt es wirklich viele. Aber es überwiegen so sehr die großen und fetten Autos, dass das im allgemeinen Eindruck trotzdem ein bisschen untergeht.

Städtische Ladesäulen? Fehlanzeige. Wer einfach mal einkaufen will oder gar auf dem Hollywood Boulevard flanieren und währenddessen sein Elektroauto laden, kann das geschmeidig vergessen. Ich bin mit Francesco in ein typisch amerikanisches Diner gegangen direkt am Hollywood Boulevard. Alles dort ist wie im Film. Geparkt habe ich auch klassisch auf dem Parkplatz hinter dem Diner, wie man das in Filmen sieht, wo jemand in der Dunkelheit verprügelt wird. Der Parkservice hat für knappe 5 Dollar zuzüglich Trinkgeld auf den Wagen „aufgepasst“. Das habe ich auch auf Bild festgehalten.

Laden konnte ich natürlich nicht. Also, wir in Deutschland beschweren uns viel über Infrastruktur. Aber wer in Los Angeles wohnt und ein Elektroauto fahren möchte, der sollte dringend ein Haus mit eigener Lademöglichkeit haben, ansonsten wird das nichts. Ich sehe es auch skeptisch, wie man die Leute dort dazu bekommen soll, auf ein teures Elektroauto zu wechseln, während sie ihre kräftigen V8 fahren, die teilweise richtig heruntergekommen sind, aber ihren Dienst leisten.

Es war auf jeden Fall eine sehr interessante Erfahrung, die mir gezeigt hat, dass selbst eine reiche Stadt wie LA kein Vorreiter in Sachen Elektromobilität ist.

Chris von Car Maniac veröffentlicht im Rahmen einer Kooperation mit dem T&Emagazin in dieser Rubrik aktuelle E-Auto-Test und Neuigkeiten rund ums Thema Elektromobilität.

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