Strombock: Absturz der THG-Prämie

Wie geht es weiter?

Im Jahr 2023 hat die THG-Quote einen erheblichen Preisrückgang erfahren. Der Verfall ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen, wie die Veränderungen im CO2-Äquivalent und die Verunreinigung des Strommixes. Die Diskrepanz zwischen den verschiedenen Erfüllungsquoten hat ebenfalls zu einem Rückgang des Preises beigetragen. Die Frage, die sich nun stellt, ist, wie sich die THG-Quote in Zukunft entwickeln wird.

Im vergangenen Jahr lag das CO2-Äquivalent eines Elektroautos bei 862 Kilo CO2, während es in diesem Jahr nur noch bei 704 Kilo CO2 liegt, was einem Rückgang von fast 20 Prozent entspricht. Der Wert wird jährlich von der Behörde freigegeben und gibt an, wie viel CO2 ein Elektroauto im Vergleich zu einem Fahrzeug mit fossilem Kraftstoff einspart. Der positive Klima-Einfluss hat also abgenommen. Ein Grund für den Verfall ist der dreckigere Strommix im Jahr 2023 im Vergleich zum Vorjahr.

Ein weiterer Faktor für die Halbierung der THG-Prämie in den letzten 12 Monaten ist mutmaßlich (seitens Insidern der Branche) der Import von falsch deklariertem Biodiesel aus China, der den Wert der THG-Quote drückt. Unternehmen, die für ihre THG-Quote sorgen müssen, haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Quote zu erfüllen. Der Kauf von Zertifikaten ist eine der teuersten Optionen. Daher ziehen einige Unternehmen es vor, günstigen Biodiesel anzukaufen und an ihren Tankstellen zu verkaufen. Die THG-Quote ist also kein öffentlicher Fördertopf, sondern eine Umverteilung entsprechend des Gesetzes. Jemand der Benzin verkauft, zahlt dafür an jemanden der elektrisch fährt und somit belohnt wird. Die THG-Plattform ist dabei der Mittelsmann zwischen dem E-Fahrer, der Behörde und den Mineralöl-Konzernen.

Wenn eine Person ihre THG-Quote zum Beispiel bei meiner Plattform „thg.strombock.de“ registriert, wird das Geld erst ausgezahlt, wenn die Plattform das Zertifikat von der zuständigen Behörde erhält und am Quoten-Markt verkaufen konnte. Der Vorgang ist aufwendig und relativ langwierig. Um bei den Behörden für Entlastung zu sorgen, wurde nun der Anmeldeschluss für Elektroauto-Fahrer auf den 15. November verkürzt. Danach kann für das laufende Jahr keine Quote mehr bei den Behörden angemeldet werden!

Die THG-Plattformen benötigen ebenfalls noch ein paar Tage für die internen Prozesse, weshalb man bis spätestens Anfang November seine Quote registriert haben sollte.

Fachleute gehen aktuell nicht davon aus, dass der Preis sich kurzfristig erholen wird, ein Abwarten oder gar Ausreizen bis zum letzten Tag erscheint daher unnötig.

Mittelfristig kann allerdings davon ausgegangen werden, dass es wieder zu einer Erhöhung der Prämien kommen könnte, weil der Strommix durch den steten Ausbau der erneuerbaren Energien wieder sauberer werden wird. Das verbessert den positiven Einfluss des Elektroautos und somit das CO2-Äquivalent.

Weiter werden seitens des Gesetzgeber die Quoten für die verpflichteten Unternehmen sukzessive angepasst und der Druck erhöht, klimaschonender zu agieren. Verträge mit Laufzeiten über mehrere Jahre daher eher vermeiden!

Freuen können sich alle Besitzer von elektrischen Nutzfahrzeugen der schweren Klasse N2 und N3. Diese können nun gerechter, also mit höherer Prämie vermarktet werden, und werden nicht mehr mit dem vergleichsweise niedrigen PKW CO2-Äquivalent angesetzt.

Ausserdem ist geplant, in Zukunft die Höhe des Klima-Effektes vom geladenen Strom abhängig zu machen. Wer also Zuhause aus der eigenen PV-Anlage lädt, bekäme dann eine höhere Prämie als eine andere Person mit einem Graustrom-Tarif. Das macht es zwar fairer, aber den Prozess nicht unbedingt einfacher. Die THG Prämie ist für Fahrer von Elektroautos ein schönes Bonbon oben drauf, aufgrund der Unwägbarkeiten des Marktes und der ständigen Änderungen des Gesetzgebers, sollte damit aber nicht fix kalkuliert werden. Es hilft aber sicher, um den Strombock zu erhöhen!



Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 20 des T&Emagazins.

 

Weitere interessante Beiträge finden sich in der aktuellen 20. Ausgabe des T&Emagazins.

Diese Ausgabe kann in Wunschmenge gegen Übernahme der Porto- und Versandkosten bestellt werden.

 

 

Inhalt der 20. Ausgabe des T&Emagazin:

  • Editorial – Wo waren die Deutschen?
  • Tesla Welt – David Reich: News des Quartals
  • Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V.
  • Die Herausgeber – Tesla Owners TOCH
  • Event – 2befair elektrische COMMUNITY
  • Strombock – Absturz der THG-Prämie
  • Gesellschaft – Ist eine Solaranlage das neue Auto?
  • Zeitgeist – Nachhaltig absurd
  • Elektromobilität – 5 Gründe, warum es Volkswagen schlecht geht
  • Elektromobilität – Profis nutzen Checklisten
  • Testberichte von Car Maniac
  • Gesellschaft – Rein in den Kreis
  • Reisebericht – E-Mobil nach Portugal
  • Reisebericht – E-Hypermeilen: Heiss & Kallt
  • Energiewende – Wo stehen wir?
  • Fanboy – Gabor Reiter: Deutschlands Zukunft ohne Autoindustrie
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