Text : Dr. Heiko Behrendt

Am diesjährigen Mai-Feiertag relaxten die Menschen in ganz Europa bei Sonnenschein und kräftigem Wind. Die meisten Unternehmen arbeiteten nicht. Sonne und Wind erzeugten sehr viel Strom, gleichzeitig war die Nachfrage schwach. Der Strompreis sank am Markt in Deutschland auf minus 499 Euro. Würde ein solcher Zustand auf Endverbraucherpreise durchschlagen, so hätte man für das Laden eines E-Autos 50 Euro bekommen.
Es kam in den letzten Jahren immer häufiger dazu, dass Stromproduzenten Energieversorger und große Verbraucher dafür bezahlen, den überschüssigen Strom abzunehmen, denn das Runterfahren der Stromproduktion ist teuer. So ist es klar, das hohe Anreize dafür entstanden, Strom zu speichern und ihn für mehr als nichts wieder zu verkaufen, wenn die Nachfrage hoch war.
Der Markt reagierte und passte sich an: Europa installierte allein 2025 eine Batteriekapazität von 33.000 MWh – inzwischen sind 90.000 MWh am Netz. Eine Menge, die dem Stromverbrauch einer Viertelstunde in ganz Europa entspricht. Ein Drittel dieser Batteriekapazität ist in Deutschland installiert, so viel, wie in keinem anderen Land Europas. Der Thinktank BloombergNEF schätzt, dass allein 2026 weitere 55.000 MWh in Europa an den Markt gehen.
Auch die Verbraucher können sich zunehmend anpassen. In Deutschland müssen Stromversorger den Kunden seit Anfang 2025 mindestens einen dynamischen Tarif anbieten. Eine weitere Studie, die den deutschen Stromverbrauch zwischen 2015 und 2019 untersuchte, fand heraus, dass eine Änderung des Strompreises um 25 Euro pro MWh eine Verschiebung der Nachfrage um 4 Prozent nach sich zog. Als Schweden und Finnland sich vor ein paar Jahren mit einem neuen Stromkabel verbanden, sank die Zahl der Stunden mit negativen Preisen deutlich. 2028 werden Spanien und Frankreich mit einem neuen Kabel durch die Biskaya verbunden sein. Deutschland hat 2.000 Kilometer neue Hochspannungsleitungen genehmigt. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres lag der Marktpreis in Deutschland nur noch 40 Stunden unter Null.
Der markante Ausbau der Batteriekapazität in Deutschland zeigt, dass der Strommarkt funktioniert und sich an die hohen Anteile regenerativ erzeugten Stroms schnell anpasst. Warum Löcher im Strommarkt mit Gaskraftwerken stopfen und ein Überangebot verhökern müssen, wenn man die Löcher mit Strom stopfen kann, der mit Wind und Sonne bereits produziert wurde? Die Gaskraftwerke von Wirtschaftsministerin Reiche brauchen wir gar nicht, das von ihnen erzeugte Kohlendioxid können wir uns sparen. Die Gaskraftwerke dienen wahrscheinlich allein dazu, den Stromproduzenten Steuermilliarden für Vorhalteleistungen zu schenken. Reine Verschwendung, denn der viel beschworene Markt funktioniert in dieser Hinsicht.

Dieser Beitrag stammt aus der aktuellen Ausgabe 31 des T&Emagazins.

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Aus dem Inhalt:
- COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
- TESLA – Neues aus der Tesla Welt
- TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
- TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
- TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
- Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
- Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
- elektrische COMMUNITY – Das Programm
- ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
- STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
- GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
- E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
- KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
- WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
- WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
- FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt



