„Früher war es genauso heiß“ – Was ist dran an der Aussage die man oft zu hören bekommt ?

video der woche

Hitzewellen gab es schon immer. Doch waren die Sommer früher tatsächlich genauso heiß wie heute? In unserem „Video der Woche“ geht Stefan Lenz dieser oft gehörten Behauptung nach. Statt sich auf Kindheitserinnerungen und persönliche Eindrücke zu verlassen, vergleicht er Messwerte des Deutschen Wetterdienstes aus mehreren Regionen Deutschlands.

Das Ergebnis ist deutlich: Einzelne heiße Tage gab es natürlich auch früher. Die hohen Temperaturen treten heute jedoch erheblich häufiger auf, dauern länger an und erreichen neue Spitzenwerte.

Wenn die Erinnerung auf Messdaten trifft

Stefan Lenz beginnt seine Betrachtung in Nordhessen, wo er einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. An außergewöhnlich heiße Sommer könne er sich aus dieser Zeit kaum erinnern – abgesehen von einzelnen Tagen im Freibad oder nächtlichen Schwimmaktionen während warmer Sommernächte.

Doch Erinnerungen können täuschen. Deshalb wertet Lenz die Daten der DWD-Messstation Sontra aus und vergleicht zwei Zeiträume von jeweils rund 23 Jahren.

Besonders auffällig ist die Zahl der Tage mit mindestens 32 Grad. Im jüngeren Vergleichszeitraum traten sie mehr als siebenmal so häufig auf wie während Lenz’ Jugend.

Auch der frühere Temperaturrekord von 34 Grad wurde inzwischen nicht nur knapp übertroffen: Nach seiner Auswertung lag die Temperatur in Sontra während der vergangenen 23 Jahre an 32 Tagen über dieser Marke. Allein im Zeitraum von 2016 bis 2026 wurden zudem 104 Tage mit mindestens 30 Grad registriert – beinahe doppelt so viele wie in den gesamten 23 Jahren zwischen 1967 und 1990.

Für Lenz ist deshalb klar: Die Behauptung, früher sei es genauso heiß gewesen, lässt sich zumindest für seine frühere Heimat nicht mit den Messwerten vereinbaren.

Nun wird auf Frankfurt am Main geschaut und schnell erkennt man: Nicht nur heißer, sondern viel häufiger heiß

Seine nächste Lebensstation führt nach Frankfurt am Main. Dass es dort wärmer als in Nordhessen ist, überrascht zunächst nicht. Die Stadt liegt in einer klimatisch begünstigten Region, ist stark versiegelt und kann sich während längerer Hitzeperioden besonders stark aufheizen.

Zwischen 1967 und 1990 wurden am Frankfurter Flughafen durchschnittlich rund 8,7 Tage pro Jahr mit mindestens 30 Grad gemessen. Während Lenz in den 1990er-Jahren in Frankfurt lebte, stieg dieser Wert bereits auf mehr als 15 heiße Tage pro Jahr.

Für den Zeitraum von 2003 bis 2026 kommt seine Auswertung schließlich auf 448 Tage mit mindestens 30 Grad – durchschnittlich fast 20 pro Jahr. Betrachtet man nur die jüngsten zehn Jahre, steigt der Durchschnitt sogar auf mehr als 24 heiße Tage jährlich.

Auch bei den Spitzenwerten zeigt sich die Entwicklung. Während der Höchstwert im älteren Vergleichszeitraum bei 36,6 Grad lag, wurden am Frankfurter Flughafen später bis zu 40,1 Grad gemessen.

Das Entscheidende ist dabei nicht allein der einzelne Rekordtag. Die größere Veränderung zeigt sich in der Häufigkeit: Temperaturen oberhalb von 30 Grad sind von einer gelegentlichen Ausnahme zu einem regelmäßig wiederkehrenden Bestandteil des Sommers geworden.

Mehr heiße Tage bereits im Mai

Wie weit sich die Hitze inzwischen in Richtung Frühjahr verschiebt, zeigt Lenz anhand der Mai-Temperaturen in Frankfurt. Er zählt dafür die Tage mit mindestens 30 Grad für jedes Jahrzehnt:

  • In den 1950er-Jahren gab es sechs solcher Maitage – alle im selben Jahr.
  • In den 1960er-Jahren wurde lediglich ein Tag mit knapp über 30 Grad registriert.
  • In den 1970er-Jahren waren es drei Tage.
  • In den gesamten 1980er-Jahren gab es keinen einzigen Maitag mit mindestens 30 Grad.
  • In den 1990er- und 2000er-Jahren waren es jeweils vier.
  • In den 2010er-Jahren stieg die Zahl auf acht.
  • In den noch nicht abgeschlossenen 2020er-Jahren waren es bis einschließlich Mai 2026 bereits neun.

Auch die Trendlinien der jährlichen Mai-Höchstwerte zeigen nach oben. Gleichzeitig werden besonders kühle Maitage seltener. Der Wandel äußert sich folglich nicht nur durch höhere Rekordtemperaturen, sondern durch eine grundsätzliche Verschiebung des Temperaturniveaus.

Hamburg zeigt ein gemischteres, aber ähnliches Bild

Um seine Betrachtung nicht auf Hessen zu beschränken, untersucht Lenz zusätzlich die Messstation Hamburg-Fuhlsbüttel. Dort ist der Verlauf weniger gleichmäßig. Bereits die 1940er-Jahre brachten in Hamburg einige ausgesprochen warme Sommer und insgesamt 55 Tage mit mindestens 30 Grad.

Dieser Wert wurde erst in den 1990er-Jahren erneut erreicht. Seitdem zeigt die Entwicklung jedoch deutlich nach oben. Die 2010er-Jahre übertrafen die früheren Jahrzehnte, während die 2020er-Jahre bereits vor ihrem Ende einen neuen Höchststand erreicht haben.

Von den 15 höchsten in Hamburg gemessenen Temperaturen stammen nach Lenz’ Auswertung zehn aus diesem Jahrtausend. Der bisherige Spitzenwert wurde 2022 mit 39,1 Grad registriert.

Hamburg zeigt damit zugleich, warum einzelne historische Hitzeperioden kein Gegenbeweis zum Klimawandel sind. Auch früher gab es außergewöhnlich warme Jahre. Entscheidend ist jedoch, wie häufig solche Temperaturen auftreten und wie sich die langfristige Entwicklung darstellt.

Im Ruhrgebiet wird der Trend erneut deutlich

An der DWD-Messstation Essen-Bredeney ergibt sich ein ähnliches Bild wie in Frankfurt. Unter den 15 höchsten gemessenen Temperaturen befindet sich laut Lenz nur ein Wert, der nicht aus dem 21. Jahrhundert stammt. Der bisherige Rekord liegt bei 40 Grad und wurde im Juli 2019 erreicht.

Auch die Zahl der Tage mit mindestens 30 Grad nimmt dort zu. Interessant ist Lenz’ Hinweis auf den sogenannten Jahrhundertsommer 2003: Dieser ragt bei der reinen Anzahl der 30-Grad-Tage gar nicht so stark heraus, wie man vielleicht erwarten würde. Seine besondere Belastung entstand vielmehr aus der Kombination von lang anhaltender Wärme, großer Trockenheit und einem bis in den September reichenden Sommer.

Damit macht das Video auch deutlich, dass die Folgen einer Hitzeperiode nicht allein vom höchsten gemessenen Temperaturwert abhängen. Dauer, nächtliche Abkühlung, Niederschlagsmengen und Bodenfeuchtigkeit sind ebenfalls entscheidend – insbesondere für ältere Menschen, Städte, Wälder und die Landwirtschaft.

Einzelne heiße Sommer widerlegen keinen langfristigen Trend

Die zentrale Aussage des Videos lautet nicht, dass es früher niemals heiß gewesen sei. Selbstverständlich gab es auch vor Jahrzehnten Tage mit mehr als 30 Grad, historische Temperaturrekorde und außergewöhnliche Sommer.

Der Unterschied liegt in der Häufigkeit und Intensität. Was früher vereinzelt auftrat, wird heute regelmäßiger. Alte Höchstwerte werden überschritten, heiße Tage häufen sich und ungewöhnlich hohe Temperaturen treten früher im Jahr auf.

Umgekehrt widerlegen einzelne kühle oder verregnete Sommer den Klimawandel ebenfalls nicht. Wetter beschreibt den kurzfristigen Zustand an einem bestimmten Ort. Klima betrachtet dagegen die langfristige Entwicklung über viele Jahre und große Datenmengen.

Gerade persönliche Erinnerungen sind dafür ein schlechter Maßstab. Besonders schöne, heiße oder unangenehme Erlebnisse bleiben im Gedächtnis, während viele durchschnittliche Tage vergessen werden. Messreihen kennen diese Auswahl nicht.

Klimawandel wird vor der eigenen Haustür sichtbar

Stefan Lenz verbindet die Messwerte bewusst mit seinem persönlichen Lebensweg. Dadurch bleibt der Klimawandel nicht abstrakt und wird auch nicht auf schmelzende Gletscher, entfernte Inselstaaten oder andere Weltregionen reduziert. Die Veränderung lässt sich ebenso in Nordhessen, Frankfurt, Hamburg und dem Ruhrgebiet beobachten.

Lenz macht für diese Entwicklung den menschengemachten Klimawandel und insbesondere die Verbrennung fossiler Energieträger verantwortlich. Gleichzeitig betont er, dass nicht jeder sofort ein Elektroauto, eine Wärmepumpe oder eine Photovoltaikanlage anschaffen müsse.

Auch kleinere Veränderungen könnten einen Beitrag leisten: kurze Wege mit dem Fahrrad zurücklegen, häufiger die Bahn nutzen oder unnötige Autofahrten und Flugreisen vermeiden. Entscheidend sei zunächst die Erkenntnis, selbst Teil des Problems, aber damit auch Teil einer möglichen Lösung zu sein.

Unser Fazit zum Video der Woche

Stefan Lenz gelingt es, eine häufig emotional geführte Diskussion auf eine überprüfbare Grundlage zu stellen. Sein Video lebt vom Gegensatz zwischen persönlicher Erinnerung und gemessener Realität. Besonders überzeugend ist dabei, dass er nicht nur einzelne Rekordtemperaturen präsentiert, sondern die Zahl heißer Tage über mehrere Jahrzehnte vergleicht.

Die Daten aus unterschiedlichen Regionen zeichnen kein vollkommen identisches Bild, da Klima sich regional verschieden entwickelt. Die übergeordnete Richtung ist jedoch eindeutig: Deutschland wird wärmer, Tage mit mehr als 30 Grad treten häufiger auf und bisherige Rekorde werden zunehmend überschritten.

„Früher war es auch schon heiß“ ist deshalb zwar richtig. Als Gegenargument zum Klimawandel taugt der Satz jedoch nicht. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob es früher einzelne heiße Tage gab, sondern wie oft sie auftraten. Und genau darauf liefert Stefan Lenz eine ziemlich klare Antwort. Abonniert gerne seinen sehr informativen Kanal !


Und das sind die Themen der 30. Ausgabe:

  • Neues aus der Tesla Welt
  • Die Revolution der Patentstrategie bei Tesla
  • Grünere Energienetze dank Einsatz von KI
  • Die Herausgeber: Elektrische von Paris nach Dakar und zurück
  • Neues zur elektrischen COMMUNITY 2026
  • Strombock: Höhere Benzinpreise, der perfekte Moment für den Umstieg !
  • Unser Manifest und Petition für eine zukunftsorientierte Transformation Deutschlands
  • Reisebericht: Mit Model X & Grok durch Schottland 
  • Die Herausgeber: Tesla Fahrer & Freunde e.V.
  • Besuch im Geothermiekraftwerk
  • Powerwall 3P: Erstmals dreiphasiger Heimspeicher von Tesla
  • Fanboy: Terafab

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