Beschleunigung ist sicherheitsrelevant

Fahrzeugleistung sollte zum Gewicht passen / Durchzugskraft von 60 auf 100 km/h ist entscheidend

Foto: Christopher Karatsonyi/Car Maniac

Wieviel PS brauche ich? Vor dieser Frage stehen die meisten Autokäufer. Neben dem emotionalen Faktor ist die Leistung maßgeblich für die Beschleunigung eines Fahrzeugs und damit ein Sicherheitsmerkmal. Der ADAC hat die Beschleunigungszeiten von knapp 600 Fahrzeugen aller Antriebsarten aus dem ADAC Autotest verglichen – Ergebnis: In der Regel reicht eine normale Motorisierung für eine gute Durchzugskraft aus, manche Fahrzeuge sind allerdings für eine sichere Beschleunigung untermotorisiert.

Während die teuren Top-Modelle in der Regel mehr als ausreichend stark motorisiert sind, gibt es auch Basis-Versionen mit überschaubarer Kraft auf dem Markt. Schwächere Motoren sind in Sachen Anschaffungspreis und häufig auch Kraftstoffverbrauch attraktiv. Für die Sicherheit ist jedoch das Beschleunigungsvermögen eines Fahrzeugs entscheidend, beispielsweise beim Überholen auf der Landstraße oder beim Einfädeln vom 250 Meter langen Beschleunigungsstreifen auf die Autobahn.

Die Beschleunigungszeit wird üblicherweise von 0 auf 100 km/h angegeben. Im Alltag oft entscheidender ist jedoch die Durchzugskraft (auch Elastizität genannt) von 60 bis 100 km/h. Eine in dieser Hinsicht sinnvolle Beschleunigung dauert zwischen 5,5 und 8 Sekunden. Das Fahrzeug legt in dieser Zeit etwa 122 Meter bis 178 Meter zurück. Fahrzeuge, die im ADAC Autotest weniger als 6,38 Sekunden für den Zwischensprint benötigen, werden mit „gut” oder „sehr gut” bewertet, bis 8,63 Sekunden gibt es die Note „befriedigend”. Ab elf Sekunden Beschleunigungszeit wird die Disziplin als „mangelhaft” bewertet.

Die jeweilige Leistung für eine gute Durchzugskraft hängt maßgeblich vom Gewicht des Fahrzeugs ab. Als Faustregel gilt: Bei einem Leergewicht von 1000 Kilogramm reichen in der Regel 59 kW (80 PS) zum sicheren Beschleunigen aus. Bei anderthalb Tonnen Gewicht ist eine Leistung von rund 88 kW (120 PS) zu empfehlen. Wiegt ein Fahrzeug 2500 Kilogramm, sollte der Motor rund 147 kW (200 PS) leisten.

Beim ADAC Vergleich fällt auf: Der nur 33 kW (45 PS) starke Dacia Spring Electric 45 bewältigt den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h in langen 14,86 Sekunden und braucht dafür ganze 330 Meter. Damit können Überholmanöver auf vielbefahrenen Landstraßen oder Auffahrten auf Autobahnen nicht nur zu einer Nervenprobe, sondern auch zu einem Sicherheitsrisiko werden. Bei den Benzinern reiht sich der Hyundai i10 1.0 (74 kW/100 PS) mit über 11 Sekunden am Ende der Liste ein, von den getesteten Dieseln braucht der VW T6.1 Multivan 2.0 TDI (146 kW/199 PS) mit 8,81 Sekunden am längsten.

Der ADAC empfiehlt Autokäufern deshalb, bei der Wahl ihres Fahrzeugs nicht nur auf die 0-auf-100-Beschleunigung zu achten, sondern auch auf die Durchzugskraft für den Zwischensprint. Um hier akzeptable Werte zu erreichen, muss man nicht zum stärksten Modell greifen; zuwenig Leistung kann aber ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko bergen. Einfließen in die Kaufentscheidung sollte jedoch auch das eigene Fahrprofil – sind häufig schwere Lasten wie Wohnwagen, Pferdeanhänger oder Boote zu ziehen, sollte man höhere Leistungsstufen wählen. Auf adac.de können Kaufinteressenten bei allen getesteten Fahrzeugen die Messwerte des Automobilclubs einsehen.

Quelle: Pressemitteilung ADAC


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Ein Gedanke zu „Beschleunigung ist sicherheitsrelevant

  1. Die Beschleunigung und das Durchzugsvermögen ist nicht von der Leistung sondern vom Drehmoment abhängig. Die Kraft des Reifens, die er auf die Straße überträgt (Umfangskraft) ist vom Drehmoment am Rad und dem Radradius abhängig. (F=M:r) Freilich haben Antriebe mit einer hohen Leistung regelmäßig ein höheres Drehmoment.
    Nur der Vollständigkeit halber: Drehmoment und Kraft sind durch die maximal mögliche Reibung des Reifens auf der Straße begrenzt. Also, großes Drehmoment, kleiner Raddurchmesser und hoher Grip.

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