Böser Jahresrückblick

Containerschiffe, CO2, NOX und ein brennender Tesla

Thorsten Ludwig

Was war los 2019?!

Was mussten wir letztes Jahr wieder für Schwachsinn über uns ergehen lassen? Da sprachen Anfang 2019 ein Comedian und ein Professor davon, dass 15 Containerschiffe soviel Schadstoffe ausstoßen würden wie 750 Millionen PKW.
Bei der Produktion meines Autoakkus wurde soviel CO2 ausgestoßen, dass ich mich nicht getraut habe, zu Weihnachten die Kerzen anzuzünden und am Ende brannte, oh mein Gott, wieder mal wieder ein Tesla.
Aber der Reihe nach: Woher kommen diese absurden Zahlen mit denen sich Herr Nuhr tosenden Applaus abholte (ich war dabei) und Professor Wellnitz auf der Plattform ingolstadt-today.de Zahlen verwechselte beziehungsweise einfach wegließ? Nun, zunächst einmal handelt es sich bei den angesprochenen Schadstoffen um Schwefeloxid, also SO2. Nachzulesen beim Naturschutzbund, der dies bereits 2012 im Rahmen des Hamburger Hafenfestes für sich feststellte und die von dem freien Journalisten Dirk Arsendorpf In einem Artikel in der Zeit über Kreuzfahrten nochmals im Jahr 2017 aufgegriffen wurden. In den sozialen Netzwerken wurde dann aus SO2 mal eben CO2.
Und warum stoßen nur 15 Containerschiffe soviel Schwefeloxid aus wie 750 Millionen PKW? Die Antwort für alle Comedians und Lehrstuhl-Inhaber: Schwefeloxid ist im Diesel-PKW weitgehend verboten. Mit anderen Worten: Den gibt es gar nicht mehr im Diesel. Und zwar in den USA, in Europa und Japan. In China und Indien arbeitet man gerade an entsprechenden Gesetzen, Schwefeloxid aus Diesel zu entfernen.
Gut, das hätten wir geklärt, bleiben noch die Zahlen an sich. Wie kommt der Naturschutzbund auf diese Zahlen und warum verwendet er sie? Antwort vom Leiter der Abteilung Verkehrspolitik des NABU: Man wisse, dass diese Zahlen unseriös sind. Man verwende dieses Ergebnis auch nur, wenn Medien eine „plakative einfach zu verwendende Zahl haben möchten“. Na, das hat dann ja mal funktioniert.
Ebenso fanden die 17 Tonnen CO2 sehr viel Anklang bei den Elektroautogegnern, die ein Tesla bei der Produktion freisetzen soll. Das „bewies“ die Metastudie des schwedischen Umweltforschungsinstituts IVL, die sogenannte „Schweden-Studie“.
Es bezog sich ein Johan Kristensson, seines Zeichens Journalist des schwedischen Magazins „Ny Teknik“ auf diese Schweden-Studie, bei der es um die CO2-Produktion eines Teslaakkus ging. Eines vorweg: Die Zahl ist falsch. Die Zahl taucht in der Studie gar nicht auf! Wie cool ist das denn? Diese Zahl wurde von Johan Kristensson nur als Beispiel benutzt. Dabei wollte Kristensson damit Tesla gar nicht in Misskredit bringen. Seine Zahl basiert auf der größten Autobatterie und dieser Produktion hat er eine Reihe von Annahmen zugrunde gelegt. Und diese Annahmen waren eben falsch.
Und dann ging es los mit der stillen Post der sogenannten Qualitätsmedien: Dieser falsche Text wurde von der dänischen Zeitung „Ingenioren“ im Rahmen einer Kooperation von „Ny Teknik“ übernommen. Das dänische Portal „nordschleswiger.dk“ griff diesen Artikel auf. Dieses Portal kooperiert wiederum mit der deutschen „Schleswig Holsteiner Zeitung“. Dann griff die Motor-Nachrichtenagentur Spot Press Services diesen Artikel auf.
Was macht die Spot Press Services GmbH? Gegenstand des Unternehmens ist die Generierung und Verbreitung von journalistisch aufbereiteten Meldungen (hört, hört…), Nachrichten, Berichten, Reportagen u.ä. für Medien aller Art sowie von Fotos und Filmen. Schwerpunkt der Tätigkeit ist die Automobilindustrie mit allen ihren Nebenbranchen. Diese Agentur beliefert Verlage wie Springer (Welt), Burda (Focus), also fast die gesamte deutsche Presse mit Meldungen zu Mobilitätsthemen. Journalistisch aufbereitete Meldungen versteht sich.
Da sieht man mal wieder, was falsche Zahlen beziehungsweise journalistisch schlecht aufbereitete Meldungen so alles anrichten.
Das merkte übrigens auch ein gewisser Professor Köhler, der sich bei den NOX-Werten maßgeblich verrechnet hat. Da tingelt der gute Lungenarzt von Talkshow zu Talkshow, verbreitet seine Zahlen und muss am Ende feststellen, dass er sich um hundert bis tausend Prozent verrechnet hat. Und das nur, weil er keine Sekretärin hat, die seine Manuskripte hätte korrigieren können. Uups.
Dabei ist er u.a. von einem Grenzwert des Wertes über den zulässigen Teergehalts pro Zigarette ausgegangen, der von der EU seit 2004 gedeckelt wird und der in seinen Berechnungen um ein Vielfaches überstiegen wurde. „Die Vorgabe der EU kannte ich nicht“, so Köhler. Herzlichen Glückwunsch.
Und dann hatten wir im Herbst noch den brennenden Tesla in Österreich.
In Deutschland brennen im Jahr etwa 15.000 Autos, aber wehe es brennt mal ein Elektroauto und erst recht ein Tesla. Dann hat die Presse wieder was zu tun und es gibt jede Menge „aufbereitete Meldungen“.
Und natürlich war es der Akku, der brannte, und die Feuerwehr hatte alle Hände voll zu tun, dass die Batterie „nicht wieder Feuer fängt“ denn die schwer beschädigte Batterie gilt als hochgefährlicher Sondermüll, den keiner der österreichischen Recycling-Unternehmen haben wollte“. Vielleicht sollte sich der Korrespondent des Handelsblattes für Österreich und Südosteuropa, Dr. Hans-Peter Siebenhaar, mal vorher bei seinen Kollegen vom Edison Magazin informieren.
Denn nein, es war nicht der Akku, der brannte, sondern die Kühlflüssigkeit, wie sie in jedem Auto mit Klimaanlage verwendet wird. Diese Kühlflüssigkeit ist hoch brennbar. Der Unfall mit einem Verbrenner dagegen hätte sehr schlimm ausgehen können. Die Sicherheitsvorkehrungen des Teslas haben den Fahrer nahezu unverletzt aussteigen lassen.
Und der Ärger nach dem Unfall mit dem Recycling des Akkus zog sich deshalb so in die Länge, weil in Österreich noch keine Firma eine Lizenz zum Recyceln hatte. Bei uns in Europa braucht man sogar eine Lizenz, wenn man als Produzent Papier und Pappe straffrei in den Umlauf bringen will.
Eine Statistik der amerikanischen Autobahnfeuerwehr zeigt sogar deutlich ein gemindertes Brandrisiko für Elektroautos im Allgemeinen und Tesla im Besonderen. Tesla kommt danach nur auf zwei Brände pro einer Milliarde gefahrener Kilometer und damit ist die Brandgefahr um den Faktor 45 geringer als bei Verbrennerfahrzeugen.
Hoffen wir gemeinsam, dass dieses Bashing nachlässt, wenn wir mehr Elektroautos unserer deutschen, Werbung schaltenden Automobilindustrie auf den Straßen zu sehen bekommen…

Zum Autor:

THORSTEN LUDWIG ist Unternehmer und am Ammersee zu Hause. Seit vielen Jahren ist er fasziniert von neuen Mobilitätskonzepten im Allgemeinen und der Elektromobilität im Besonderen. Seit 2017 tauschte er seinen Piaggio Roller gegen einen Elektroroller und 2018 seinen Jeep Wrangler gegen ein Tesla Model S. Auf seinem Youtube Kanal soundless driving möchte er seine Erfahrungen auf teils amüsante Art und Weise anderen mitteilen, Aufklärung betreiben und was er so gar nicht mag, sind Fake News über die Elektromobilität.

Der Beitrag ist erschienen in der Ausgabe 5 des T&Emagazin. Wer die Zeitschrift oder auch ältere Hefte in kleiner oder größerer Menge erhalten möchte, kann sich gegen Versandkosten- und Portoübernahme die gewünschten Exemplare für kleines Geld hier bestellen. Die Zeitschrift ist auch an den mehr als 300 Auslagepunkten kostenlos erhältlich.

Thorsten hat auch auf seinem Youtube-Kanal diesen Beitrag veröffentlicht:

 

Weitere Themen in der Ausgabe 5 des T&Emagazin:

Tesla – Autorbauer oder Software-Unternehmen – von Martin Hund

Tesla – Seitenwechsel – ein Kommentar von Timo Schadt

Tesla Welt – News des Quartals – von David Reich

Titel – Erste Gedanken zum Cybertruck – von Christian Brockmann (Stromgarage)

Titel – Cybertruck aus Sicht des Designers Christoph Reichelt

Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde e.V. – von Thorsten Dohe

Die Herausgeber – Erster Geburtstag des TOCH  – von Martin Haudenschild

Ev Events – E-Mobilitäts-Termine – zusammengestellt von Markus Weber

Ausblick – Tesla Model 3 Treffen in Hilden – von Timo Schadt

Elektroauto Guru – Warum keine Wechselakkus? – Antonino Zeidler (DanZei)

Fahrsicherheitstraining – von Thomas Nahen

Early Adopter – Zukunftsmacher Jörg Heynkes  im Gespräch mit Timo Schadt

Gesellschaft –  Wer kann die Welt retten? – von Timo Schadt

Im Rückspiegel – E-Cannonball – Team Aloha von Regina Stolze

Reisebericht – Porto Santo – Erste CO2-freie Insel der Welt -von Frank Dettmar

Reisebericht – Norwegen – von Hannes und Petra Reiter

Reisebericht – Werksbesichtigung in Fremont – von Alexander Scharr

E-Mobilität – Wie der Strom ins Elektroauto kommt – von Andreas Neumann (andynfromatics)

Fahrbericht – Peugeot e2008 – von Michael Schmitt

Wirtschaft – Rohstoffe – Seltene Erden  von Stefan Debera (404 Volt)

Erneuerbare Energien – Sonnenenergie, wo immer es geht – von Andreas Baum (E-Maise)

Fanboy – Tesla Gigafactory 4 von Gabor Reiter

und einiges mehr…

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Wer sich mit Hilfe des Empfehlungscodes ts.la/timo236 einen neuen Tesla kauft, erhält kostenloses Supercharging für 1.500 km. In diesem Zuge kann man Geld und CO2 sparen und den T&Emagazin-Verleger Timo Schadt unterstützen, denn auch er bekommt dann kostenloses Supercharging für 1.500 km und nimmt zusätzlich an einer Verlosung bei Tesla teil.

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Ein Gedanke zu „Böser Jahresrückblick

  1. Habe einen interessanten Beitrag in Medien gefunden, das sagt schon mal vieles. Die schlafende Autoindustrie hier in Deutschland hat keine Chance mehr, jetzt wird mit alten Mitteln zurückgeschlagen. Davor wurden lieblos die Ladestationen aufgestellt, nur soweit die Subventionen reichten. Natürlich wollte man sofort, nicht nur rentablen Betrieb sondern auch so gewohnten, fetten Gewinn erwirtschaften.
    Wenn ich den folgenden Beitrag Lese, wird mir einiges klar!
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Wie-der-VDA-eine-Kehrtwende-vollzog-article21802322.html

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