Die Chinesen kommen: JAC e-s4

Georg Giglinger hatte gestern exklusiv die Möglichkeit, ein Fahrzeug anzutreffen, welches es in Europa noch gar nicht gibt. Nachfolgend schildert er seine Eindrücke.

JAC bringt nach dem e-s2 sein größeres und besser ausgestattetes vollelektrisches SUV auf europäische Straßen. Es handelt sich hierbei um eine Adaption des Verbrennermodells. Als Partner steht JAC VW zur Seite, es sieht stark danach aus, dass Technik aus dem MEB (Modularer Elektrifizierungsbaukasten) auch im JAC gelandet ist.

Der erste Eindruck ist überwiegend positiv. Das Design ist gefällig und hat ausreichend Akzente. Die Alufelgen mit 18“ sehen sportlich dynamisch aus und geben dem Fahrzeug ein absolut zeitgemäßes Aussehen. Jene Bereiche der unteren Karosserie die stärker durch kleine Steinschläge belastet werden sind mit Kunststoffteilen geschützt. Der vordere Stoßfänger ist in Wagenfarbe, der hintere nicht.

Die Spaltmaße sind im Rahmen, die Materialien wirken erstaunlich hochwertig. Alles sieht gut verarbeitet aus, ein Auto wie es aus einer europäischen Fabrik stammen könnte. Man sieht, dass die chinesische Autoindustrie gewillt ist Autos auf den Markt zu bringen die mit den Top-Marken mithalten können. Auch wenn man noch davon entfernt ist, der Abstand wird immer geringer.

Im Innenraum erwartet ein aufgeräumtes modernes aber nicht zu schlichtes Cockpit den Piloten, der satte 330Nm Drehmoment und 150PS abrufen kann. Meist bietet die Straße weniger Traktion als der JAC auf die Straße bringen könnte, wie bei so vielen E-Fahrzeugen die rein über die Vorderachse angetrieben werden.

Die Sitze sind bequem und nicht zu weich, bieten aber keinen besonderen Seitenhalt. Bei SUVs aber wohl nicht so wichtig, ein echter Kurvenräuber wird eine derartig hochgestellte Karosse nicht werden.

Die Heizung funktioniert ordentlich, im Fond wird es aber nur mäßig warm, auch ein altes Problem vieler Autos. Die Ausstattung in der maximalen Fassung bietet alles was zeitgemäß ist. So ist ein adaptiver Tempomat und ein Notbremsassistent an Board. Ebenso verfügbar ist ein Spurhalteassistent und ein Spurwarner. ESP und ASR gehören natürlich heute zum Standard, sind aber ebenso verbaut. 6 Airbags sollen für Sicherheit sorgen.

Das Fahrgefühl ist SUV-typisch, die Lenkung ist leichtgängig aber einigermaßen direkt. Der Fahrkomfort ist eher weich und recht gut, die Geräuschdämmung ausreichend, eher sogar gut. Der Antrieb ist hörbar, aber nicht störend. Gerade so, dass man ihn noch wahrnehmen kann, vor allem erhält man beim Beschleunigen eine akustische Rückmeldung. Die Standartrekuperation ist etwas eigenwillig. Sie greift erst schwach ein, eher Verbrennertypisch um nach 1 bis 2 Sekunden stärker zu verzögern. Dazu muss man den Fuß im Prinzip komplett vom Fahrpedal nehmen. Drück man dieses während des Rekuperierens wieder geht der JAC in eine Art Segelmodus. Ungewohnt aber nicht schlecht. Es lassen sich aber auch noch andere Rekuperationsmodi einstellen, wie sich nach dem Test herausgestellt hat.

In Summe ist der JAC e-s4 ein schönes Paket, gespannt sein darf man auf den finalen Preis und die Garantieleistungen. JAC selbst gibt einige hunderttausend Kilometer Batterielebensdauer an, wenn man den vagen Informationen glauben schenken darf.

Wer ein vollelektrisches SUV dieser mittleren Größe zu einem günstigen Einstiegspreis sucht, der sollte sich den JAC vielleicht einmal genauer ansehen.

Für alle anderen: gespannt bleiben was der chinesische Markt noch so zu uns bringen wird.

Zum JAC e-s4 hat Georg Giglinger zudem folgendes Video veröffentlicht:

2 Gedanken zu „Die Chinesen kommen: JAC e-s4

  1. Klasse Bericht. Danke. Für mich aber wichtiger als Sitzkomfort und Design ist eher die Frage nach der Reichweite und der Ladegeschwindigkeit (Doppellader)? Was wird anschlussmäßig geboten (Typ2 oder CCS)? Gibt es eine AHK?

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