Brügge sehen & nicht sterben – sondern den C40 Recharge fahren

– Car Maniac E-Auto-Test –

Viele mögen da vielleicht etwas voreingenommen sein, denn wir wissen: der XC40 Recharge glänzt nicht gerade mit Effizienz.

Aber diese Voreingenommenheit empfehle ich kurz abzulegen, denn der Volvo C40 ist dann doch anders. Angefangen beim Design: Das Heck ist ein komplett neues, von vorne sieht man kaum einen Unterschied. Wenn man jetzt hart zum XC40 sein möchte, dann ist es halt irgendein SUV, während der C40 doch eine außergewöhnlichere Form hat. Aber auch hier gilt: Es ist immer eine Frage des Geschmacks. Für viele gibt es vielleicht keinen ausreichenden Unterschied zu einem SUV. Schließlich sprechen wir auch hier von einem CUW, also einem Crossover Utility Vehicle. Der Grundpreis ist – wie man das von Volvo kennt – nicht gerade massentauglich: 62.050 € muss man auf den Tisch legen, um das Fahrzeug sein Eigen nennen zu können.

Viel Luft nach oben ist nicht, denn die Grundausstattung ist schon relativ üppig. Ich bin den First Edition gefahren, welcher wichtige Features mit an Bord hat. Zum Beispiel eine 360°-Kamera, die in der Auflösung sehr gut ist, aber nach hinten den Eindruck erweckt, als würde man aus einer Höhle heraus filmen. Eine Wärmepumpe ist mit dabei, genauso wie das Versprechen auf ein komplett tierfreies Interieur. Das Einzige, was man nicht mal für gute Worte und Geld haben kann, ist ein Head-up-Display. Das kommt leider auf die Kontra-Seite, denn ein Head-up-Display ist heutzutage schon – finde ich – eine tolle Sache, zumindest optional. Erfreulich ist auch, dass man hier eine vordere Aufbewahrungsmöglichkeit unter der Motorhaube hat. Leider keine Selbstverständlichkeit. 31 Liter fasst diese. Der Kofferraum hinten fasst 413 Liter in der Variante, wie auf dem Foto unten zu sehen, mit Francescos und meinem Gepäck und 489 Liter, wenn man das Plateau unten wegmacht. Der C40 hat wie auch schon sein Bruder 78 kWh Kapazität, 75 davon sind nutzbar.

Fährt man den Volvo, wird man wohl relativ überrascht, denn diese Fahrleistungen bieten die wenigsten Elektroautos. Zumindest bezogen auf E-Autos mit diesem Auftreten. Noch zurückhaltender geht wohl gar nichts, ganz speziell in Kombination mit der Motor-Leistung von 300 kW, ergo 408 PS. 660 Newtonmeter reißen an dem Auto vor allem unten herum, aber auch auf der Autobahn, wenn man die klassische Drauf-Beschleunigung macht. 180 km/h Höchstgeschwindigkeit ist hier auch eine Differenzierung zu dem, was zum Beispiel Volkswagen anbietet. Ach ja, ebenfalls eine Differenzierung ist die doch üppige Anhängelast von 1,8 Tonnen. 75 Kilogramm Dachlast sind auch nicht zu vernachlässigen.

Was definitiv bei der Bedienung positiv auffällt, ist das Google Betriebssystem. Dieses ist unglaublich schnell, egal ob in Sprachkommandos oder beim Aufbau einer Route. Ich habe 10,8 Sekunden gestoppt von Sprachkommando bis hin zur geplanten Route von Brügge bis nach „Am Bullhamm 1, Jever“. Das ist schon wirklich unglaublich schnell und schneller kann das nur Tesla dank der Supercharger die in der Berechnung einfach flott sind. Und weil Tesla nur die rechnet und nicht mit anderen Anbietern rechnen muss.

Aber der Aufbau der Karte ist schon eine Freude für sich, wenn man rein- oder rauszoomt. Die primäre Frage, die für mich hier aufkommt ist, warum das nicht einfach auch alle anderen Hersteller so machen. Der Copilot ist bei Volvo der Lenkassistent mit Abstandsregeltempomat. Völlig unscheinbar führt er einen über die Autobahn, bremst sehr gut, lenkt ideal. Nicht zu fest, nicht zu lasch. Ehrlich gesagt gefällt mir die Führung auf der Autobahn besser als im Audi e-tron. Man muss einfach weniger eingreifen und wird weniger genervt.

Auch hat sich Volvo einer Kritik angenommen, die ich im ersten XC40 Video geäußert hatte. Ich hatte angekreidet, der zeige nur den State of Charge, man sehe aber nicht die Restreichweite. Dies hat Volvo jetzt mit einer App gelöst, welche direkt über das Hauptmenü erreichbar ist und anzeigt, welche Verbraucher hauptsächlich für den Verbrauch verantwortlich sind und wie viel Restreichweite man noch hat. Das Einzige, was mir in diesem ganzen Konzept fehlt, sind Ladesäulen-Filter. Hat Volvo zwar eingebaut, aber leider nicht daran gedacht, dass man ab 100 kW filtern kann anstatt ab 50 kW. Denn so bezieht er in die Routenplanung eben auch 50 kW-Säulen mit ein, und genau das soll ja nicht passieren bei einem Fahrzeug, das an der Schnellladesäule in der Peak 150 kW ziehen kann. Auch dies hat mir Volvo versprochen abzuändern, nach einer intensiven Unterhaltung über dieses Thema. Daumen nach oben für diese Flexibilität. Immerhin kann man nach Anbietern filtern.

Nun zum Verbrauch: Mich hat relativ überrascht, dass der Wagen doch effizienter ist als es der XC40. Volvo meinte sogar, dass man hier mehr Reichweite hat, worauf ich vor dem Test gar nicht geachtet hatte, also wenn wir über WLTP sprechen. Das resultiert in einem Verbrauch von knapp 23,5 bis 24 kWh auf 100 Kilometern bei einer gefahrenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 124 km/h. Gemessen wurde er auf einer 30 Kilometer langen Strecke auf der Autobahn, die ich mit Tempomat 125 km/h gefahren bin, also absolut aussagekräftig. Das bedeutet knapp 300 Kilometer Autobahn-Reichweite. Ein VW ID.4 kommt hier allerdings ein kleines bisschen weiter, genauso wie der Skoda. Auch laden diese genauso schnell nach, obwohl sie gar keine 150 kW-Peakleistung beim Laden haben. Innerstädtisch in Brügge ermittelt war ich bei 17 kWh Verbrauch. Das ist natürlich keine Glanzleistung für ein Auto, das nur 4,44 Meter lang ist. Für den typischen Pendler allerdings sollte das kein Problem sein im Alltag, vor allem für den, der zu Hause laden kann.

Alles in allem ist der Volvo C40 wirklich ein sehr gutes Alltagsfahrzeug mit über die Maßen viel Power, viel Understatement, schwedischer Erhabenheit und super Google-Funktionalität. Einzig und allein der Preis ist natürlich nicht besonders massentauglich mit 62.000 Euro und darüber hinaus fehlt einfach ein Head-up-Display.

Wirklich störend finde ich den Kardantunnel in der hinteren Sitzreihe, der beide Passagiere voneinander trennt und einfach vollkommen sinnfrei ist, weil ja der C40 Recharge das erste reine Elektroauto ohne Verbrennermotor von Volvo ist. Da hat man also leider doch noch ein Relikt aus den alten Zeiten, welches absolut sinnfrei ist.

Das Video zum Volvo C40 Elektro: Still setzen die Schweden zum Angriff an!

https://www.youtube.com/watch?v=ere2QzvJX7c

Chris von Car Maniac veröffentlicht im Rahmen einer weiteren Kooperation mit dem T&Emagazin fortan in dieser Rubrik aktuelle E-Auto-Tests und Neuigkeiten Rund ums Thema Elektromobilität.

Hinweis:

Bleibe auf dem Laufenden und abonniere den kostenlosen Newsletter. Immer zum Wochenende gibt er einen Überblick der aktuellen E-Mobilitäts-Themen der zurückliegenden Woche. Newsletter-Abonnenten können zudem das T&Emagazin digital lesen – auch ältere Ausgaben.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.