CUPRA Born im Car Maniac E-Auto-Test

Der CUPRA Born ist der sportliche Ableger des VW ID3. Und auch wenn diese Mission mit „sportlich“ tatsächlich gelingt, gibt es doch zwei Punkte, die man sich vor Augen führen muss, bevor man das Auto kauft. Generell ist das Fahrzeug wesentlich mutiger gestaltet als der ID3. Also eben auch für jene, die sich auch mal trauen, vom Nachbar angeguckt zu werden.

Kupferfarbene Akzente machen den Wagen wirklich speziell in seinem Auftreten. In Kombination mit dem Sportfahrwerk ist er dann sogar 15 mm tiefer an der Vorderachse und 10 mm an der Hinterachse. Auch darin unterscheidet er sich von seinem Konzernbruder, dem ID3. Seitenschweller gestalten den Wagen noch einmal sportlicher und ziehen ihn etwas nach unten und in die Breite. Verfügbar sein werden 3 Varianten: 45 kWh, 58 kWh und 77 kWh.

Einen Frunk sucht man hier wieder vergebens. Genauso wie Gasdruckfedern, wenn man die vordere Haube aufmacht. Der Kofferraum fasst 385 Liter, genauso wie beim ID3.

Foto: SEAT

Im Innenraum findet man dasselbe Schema wieder: mehr Mut, mehr Sportlichkeit. Allein schon das Lenkrad ist sehr sportlich, vor allem wenn man den Wagen mit e-Boost nimmt. Wenn man das tut, hat man noch zwei separate Knöpfe am Lenkrad: einmal als Drive Mode Selector und einmal den CUPRA-Modus. Zum e-Boost gleich mehr.

Serienmäßig gibt es ein 12,25-Zoll-Display und auch wieder viele Kupferakzente im Innenraum. Die Aufbewahrungsmöglichkeiten erschienen mir sehr durchdacht zu sein. Lediglich die Einfassung der Knöpfe für die Fensterheber ist mir zu viel Lieferwagen-Plastik.

Wahlweise gibt es Sport- oder Schalensitze. Die Sportsitze sind von Seaqual, einer Firma aus Spanien, welche Plastik aus den Meeren fischt und daraus die Stoffe für die Sitze macht. Die Sportsitze sind auch recycelt und heißen Dinamica. Beide Sitze sind sehr gemütlich.

Der Gangwahlhebel ist, wie wir das schon vom BMW i3 kennen, oben rechts über dem Lenkrad. Durch nochmaliges Nach-Vorne-Drücken kommt man in den B-Modus, so dass man dann ein verstärktes One-Pedal-Driving hat und mehr Energie in die Batterie zurückgewinnt, wenn man vom Fahrpedal geht. Gänzlich auf die Bremse wird man aber nicht verzichten können, dafür ist die Rekuperation beziehungsweise das One-Pedal-Driving meiner Meinung nach ein bisschen zu schwach.

Foto: SEAT

Nun zum sogenannten e-Boost. Dieser hebt die Leistung bei der 58-kWh-Variante von 150 auf 170 kW, also von 204 auf 231 PS. Das entspricht schon einer kleinen Leistungssteigerung bei einem Verbrenner. Man merkt die bessere Beschleunigung im Vergleich zum ID3 schon. 6,6 Sekunden braucht er von 0 auf 100. Damit ist er sogar schneller als die 77-kWh-Variante, welche schon serienmäßig mit dem e-Boost kommt und auch 231 PS respektive 170 kW hat. Die bessere Performance bei der kleineren Batterie liegt an deren geringerem Gewicht.

In Sachen Verbrauch sollte man realistisch mit 15 kWh auf 100 Kilometern rechnen, wenn man innerstädtisch fährt. Auf der Autobahn werden es je nach Fahrweise 20 bis 23 kWh. Allein aus diesem Grund schon würde ich zur großen Batterievariante greifen. Aber wer nicht viel auf der Autobahn fährt, dem reicht natürlich auch die mittlere, welche ab 37.220 Euro verfügbar ist. Leider kommen die kleine 45-kWh- und die große 77-kWh-Batterie erst nächstes Jahr. Also wer jetzt schon CUPRA Born fahren will, wird sich mit der mittleren Batterie Variante begnügen müssen, und das wahrscheinlich auch erst im April des nächsten Jahres, wer erst jetzt bestellen sollte.

Foto: Car Maniac

Der CUPRA Born ist wieder ID3 ein grundsolides Auto, bei dem ich nur zwei Probleme sehe: Das erste ist das sehr ruckelige Navi. Der Aufbau der Karte ist wirklich enorm ruckelig und darüber hinaus reagiert die Software teilweise mit 4 Sekunden Verzug auf Befehle. Möchte ich also vom Hauptbildschirm auf die Navi-Karte wechseln, muss ich schon mal gut und gerne 4 bis 5 Sekunden warten. Das ist wirklich nicht zeitgemäß, gerade im Vergleich zu einem Handy.

Foto: SEAT

Der zweite Aspekt ist, dass zwar CUPRA die große Batterievariante bereits mit 170 kW Ladeleistung anbieten wird, die kleine Variante sich allerdings mit 50 kW in der Basis zufriedengeben muss. Das ist noch weniger zeitgemäß als die Sache mit dem Navi. Optional kann man bei der kleinen Batterie auf 110 kW gehen. Mehr ist aber nicht drin. Die mittlere Batterievariante kommt mit 120 kW und die große dann mit 170 kW Zu allem Übel ist dann die Ladeleistung bei der kleinen Variante über Wechselstrom, also Typ2, bei 7,2 kW zweiphasig. Das Schlimme daran ist, dass man das nicht mal mit einem Aufpreis ändern kann. 11 kW gibt es erst ab der mittleren Batterievariante.

Diese Aspekte finde ich schade, denn wer keine große Batterie braucht, wird mit schlechter Ladeleistung bestraft. Skoda, die auch zur Volkswagen-Familie gehören, haben aus dem Feedback der Videos gelernt und streichen die 50 kW Ladeleistung für die Basisvarianten. Das empfehle ich CUPRA und auch Volkswagen.

Bis auf diese kleinen Fauxpas und natürlich die nicht besonders gute Verfügbarkeit der Modellvarianten würde ich mich persönlich auf jeden Fall für den CUPRA entscheiden, weil er einfach sportlicher ist, auffälliger und mit den Konventionen bricht, dass ein Elektroauto immer nur pragmatisch sein darf.

Das Video zum CUPRA Born: Die zwei Problemchen heißen Laden & Software

https://www.youtube.com/watch?v=clsv4nqCkUs

Chris von Car Maniac veröffentlicht im Rahmen einer Kooperation mit dem T&Emagazin in dieser Rubrik aktuelle E-Auto-Test und Neuigkeiten rund ums Thema Elektromobilität.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.