So ist der BMW i4 40eDrive

im Car Manaic E-Auto-Test

Wer hat am besten geliefert in der Elektromobilität und danach am meisten gepennt? Richtig! BMW! Der i3 war in meinen Augen ein kleiner Geniestreich. Leider hat man dann die Verantwortlichen Richtung China abwandern lassen. Ergebnis: es kam nichts Brauchbares nach. Bis zum i4 und iX. Heute konzentrieren wir uns auf ersteren.

Denn obwohl dieses Auto auf einer Verbrenner-Plattform steht, was man an einigen Stellen auch merkt, ist es doch wider Erwarten eine ziemlich ausgereifte Angelegenheit. Ich habe den i4 in der Basisversion getestet, als 40 eDrive. In Zahlen: 80 kWh netto Akku, 340 PS, 5,7 Sekunden von 0 auf 100. Gerade im Vergleich zu einem Kia ev6 nicht besonders beeindruckend was die Beschleunigungswerte angeht, denn der schafft es schneller, genauso wie der Hyundai.

Wo man aber einen Unterschied merkt ist definitiv das Thema Fahrwerk. Das habe ich in meinem Video auch direkt einen sehr guten Freund von mir schildern lassen, der einen Ioniq 5 fährt. Fahrgefühl und Fahrwerk zeigen doch noch, dass es einen Unterschied zwischen Premiummarke und Nicht-Premiummarke gibt. Dennoch ist nicht alles, was glänzt, Gold. So z.B. der Preis. Sollte keine Überraschung sein: 58.300 Euro sind mindestens fällig. Wer den Wagen so ausstatten möchte wie in meinem Video, das heißt mit Head-up-Display, schönem Leder, schönen Felgen, schönem San Remo-Grün, und dem Driving Assistant Paket, zahlt schon ohne Mühe 78.000 Euro. Und das ist wie gesagt nur der Einstiegs-i4. Natürlich mit Heckantrieb, weil der Motor hinten ist. Einen vorderen Kofferraum gibt es trotz langer Verbrenner-Motorhaube nicht. Dafür aber doch relativ üppige 470 Liter Kofferraumvolumen, mit einer Klappe, die sich richtig schön öffnet und die Beladbarkeit einfach gestaltet. Innen fühlt man sich sofort wohl, dank typischer BMW Qualität und Materialanmutung. Das gebogene Display sieht sehr schick aus und wirkt besser als im iX, weil dieser innen einfach viel größer ist und dadurch das Display verlorener wirkt. Das einzige was wirklich störend ist, sind die Plätze hinten. Enger geht es kaum. Ist halt eine Coupé-Limousine. Kleine Kinder werden Schwierigkeiten haben, weil die Vordersitze so nah dran sind.

 

Also als Familienwagen würde ich den i4 nicht deklarieren. Dafür ist die Freude am Fahren trotzdem noch garantiert. Das adaptive Fahrwerk ist im Komfortmodus aber BMW-typisch härter, als man das von anderen Fabrikaten gewohnt ist. Es stört nicht, aber ein EQE Mercedes ist da wesentlich komfortabler. Aber genau das ist ja auch der Unterschied, den wir seit jeher zwischen Mercedes und BMW kennen. Wer es dynamischer möchte, der schaltet einfach in den Sportmodus und erfreut sich über härtere Dämpfer. Das Ansprechverhalten ist gut, baut aber ähnlich einem Diesel auf. Der Hans Zimmer-Sound ist echt interessant, aber auf Dauer unnötig, wie ich finde. Sorry Hans. Ich hoffe du kommst trotzdem noch nächste Woche zum Essen.

Bei 15 Grad verbraucht er ungefähr 17 kWh während einer typisch städtischen Pendler-Fahrt. Mit 2,1 Tonnen eigentlich echt kein schlechter Wert. Dank Wärmepumpe wird er auch im Winter nicht mehr als 20 kWh auf der Kurzstrecke verbrauchen. Damit schafft man selbst im Winter mühelos 400 km. Wenn es mal auf die lange Strecke geht, ist der Wagen, obwohl er auf einem Verbrenner basiert, sehr effizient. Ich habe bei 140 km/h und Tempomat einen Verbrauch von knapp 22,5 kWh auf 100 km ermittelt, konstant gefahren wohlgemerkt. Das Thema Routenplanung ist auch immer wieder sehr interessant: BMW macht das schon sehr gut, allerdings noch nicht so gut wie Mercedes. Dies gilt für die Routenplanung per se sowie auch für die Anzeigen.

Hier kommt das erfreuliche “aber”: es folgt sehr bald ein Update, wo man sehr nützliche Funktionen aktivieren kann. So beispielsweise ein state-of-charge Filter. Heißt, man kann einstellen, mit wie viel Prozent Restkapazität man an der Ladesäule oder am Ziel ankommen möchte. Das ist sehr gut, denn aktuell plant der BMW mit 10%, was nicht sein muss, wenn man zu einem Hotel fährt, wo man eine Lademöglichkeit hat. Dann lieber weniger Laden beim letzten Ladestopp. Des Weiteren wird der Algorithmus für die Routenberechnung verbessert, also schneller werden. Des Weiteren wird in der Anzeige bei der Routenplanung in Zukunft auch dabeistehen, mit wie viel Prozent man prognostiziert an der Ladesäule und am Ziel ankommt und bis wie viel Prozent man dort laden muss. Aktuell steht dort nur, wie lange man laden muss. Dennoch gibt es eine sehr schöne Routenübersicht mit den Punkten wo man lädt und wie lange das dauert.

Was ich nach wie vor in der Stadt für spontane Ladevorgänge vermisse, ist eine Anzeige der Verfügbarkeit der Ladesäulen, wie das Mercedes schon seit jeher hat und auch Porsche neuerdings seit dem Update. Heißt also, wenn ich spontan irgendwo laden möchte, sehe ich leider nicht, ob die Ladesäule verfügbar ist. Es wäre sehr einfach, das besser zu machen.

Was mich doch sehr erstaunt hat, ist tatsächlich die enorm gute Reisequalität. Die Federung, die Akustik, alles auf Top-Niveau. Also letzten Endes kann ich dieses Auto einem Außendienstler echt empfehlen, der zwar ein gutes Budget hat, aber vielleicht kein Budget für einen EQE. Ich halte auch die 400 km auf der Autobahn zumindest mit dem ersten Ladevorgang nicht für unrealistisch, wenn man die ganzen Tempolimits und Baustellen bedenkt. Und das bei Tempo 130. Vielleicht sogar 140.

Ganz speziell in der Farbe San Remo grün ist der Wagen wirklich eine Augenweide. Es ist kein spezielles Auto im Straßenbild, weil wir ihn ja schon als Verbrenner dort sehen, aber dennoch wirklich sehr schön, elegant und bodenständig könnte man fast sagen. Wer dann unterwegs laden muss, weil er viel unterwegs ist, kann sich über eine Lade-Power von 205 kW an einer Schnellladesäule freuen. Heißt in Zahlen: knapp 34 Minuten auf 80%. Das ist wirklich top.

Alles in allem beweist der BMW momentan besser als jedes andere Auto, das ein Elektroauto richtig gut sein kann, auch wenn er auf einem Verbrenner basiert. Ja klar stört der Kardantunnel hinten, welcher den Wagen noch enger macht, aber unterm Strich ist es wirklich das perfekte Preis-Leistungsverhältnis. Wer noch mehr Wumms will im Stile eines Tesla Model 3 Performance, der nimmt einfach den M50, der mit 544 PS aufwartet und in 3,9 Sekunden von Null auf Hundert beschleunigt. Und hier wären wir beim einzig richtig großen Nachteil des 40er Modells: er ist tatsächlich und unglaublicher Weise bei 190 km h abgeregelt. Ich finde für einen BMW ein No-Go. Man kann davon halten was man möchte, aber viele BMW Kunden würden, egal wie sehr sie das Auto überzeugt, aus diesem Grund nicht zu der elektrischen Variante greifen – da bin ich mir sicher. Wer zumindest 225 km h schaffen möchte, muss dann den M50 nehmen, dieser kostet aber knappe 11.000 mehr im Grundpreis. Das ist der einzige Punkt, wo es BMW in meinen Augen wirklich richtig vergeigt hat. Aber wem erzähle ich das, die meisten Elektro-Mobilisten wünschen sich sowieso ein Tempolimit von 70 km/h auf der Autobahn.

Das Car Maniac Video:

 

 


 

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  • Tesla – Interview mit Jörg Steinbach
  • Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V.
  • Die Herausgeber – Tesla Owners Club Helvetia (TOCH)
  • S3XY CARS Community – Alles zum großen E-Auto Event
  • Elektroauto Guru – Warum sind E-Autos eigentlich so flott?
  • Elektromobilität – WLTP-Reichweitenschwindel
  • Elektromobilität – Car Maniac E-Auto-Tests
  • Veranstaltungen – Saus & Schmaus Brandenburg electric
  • Innovator – 6.000 Hände an Franz Liebmanns Lenkrad
  • Klimaschutz – Elektromobile Bahnerfahrungen
  • Klimaschutz – Wie umweltfreundlich ist die Bahn eigentlich?
  • T&Etalk – Rückblick: Ökostrom selber erzeugen & vermarkten
  • T&Etalk – Rückblick: Kostenlos Tesla fahren! – ist das verwerflich?
  • T&Etalk – Ausblick: Aktien zu E-Mobilität & Energie
  • T&Etalk – Ausblick: E-Fahrzeug Design
  • Klimaschutz – Gefährdet Tesla die Wasserversorgung?
  • Klimaschutz – Prof. Quaschning: Putins Krieg und unser Öl und Gas
  • Klimaschutz – Erfahrungsbericht PV, Wärmepumpe & E-Auto
  • Zukunftstrends – Trends formen unsere Welt
  • Wirtschaft – Interview mit Presse-Großhändler Carsten Müller
  • Technophilosoph – Dr. Mario Herger zu Lügen der Autokonzerne
  • Wirtschaft – E-Flugzeug: Die leise Revolution am Himmel
  • Reisebericht – Über die Alpen mit Model X und Wohnwagen
  • Reisebericht – Alles für die Katz: Harus Abenteuer im Tesla
  • Fanboy – Gabor Reiter: E-Mobilität in Deutschland
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3 Gedanken zu „So ist der BMW i4 40eDrive

  1. Ich bin der Meinung, dass einer sich mit einem solchen Schlußsatz selbst disqualifiziert: “Aber wem erzähle ich das, die meisten Elektro-Mobilisten wünschen sich sowieso ein Tempolimit von 70 km/h auf der Autobahn”. So etwas ist für mich reiner Populismus und hat mit Journalismus nichts zu tun.

  2. Carsten Michael Schnepf
    auf einen gravierenden Fehler muss ich aber hinweisen:
    Natürlich zeigt auch der i4 ganz simpel sofort verfügbare Ladestationen im Navi- Display an:
    – grüner Ring um Steckersymbol heißt verfügbar
    – gelber Ring heißt mehrere Stationen, aber einige belegt
    – roter Ring heißt nicht verfügbar
    – es gibt auch welche ohne farbigen Ring; die werden nicht richtig erkannt
    Das Steckersymbol zeigt auch an, ob es sich um AC/DC/ Schnellladesäule handelt oder mit BMW Charching verfügbar
    Kann man entweder im Auto im Menü der Bedienungsanleitung nachlesen oder wenn man vor der Probefahrt die MyBMW- App installiert und dann im DRIVERS GUIDE!

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