Mit Model X & Wohnwagen über die Alpen

Fotos: Stefan Eichler

Im August 2019 haben wir unseren JEEP Wrangler JKU durch ein Tesla Model X Raven Long Range ersetzt. Zu diesem Zeitpunkt begann gerade die ca. halbjährige Phase, bei der Tesla für das Model S und X wieder das kostenlose Laden am Supercharger im Angebot hatte. Somit kamen wir nach einem Anruf bei unserem Verkäufer zu dieser – gerade für die Fahrten mit dem Wohnwagen – sehr kostensparenden Option.

Unsere Urlaubspläne für den Herbst 2021 reiften im Laufe des Jahres. Da wir vom Campingplatz aus diejenigen Pässe der Alpen „erfahren“ wollten, die wir noch nicht kannten, entschieden wir uns aufgrund der Lage für einen Campingplatz im Norden des Comer Sees.

Und dann war es im September wieder einmal soweit: unser Urlaub am Comer See startete wie gewohnt in Neumarkt i.d.Opf. nähe Nürnberg. Die geplante Route ging diesmal über Bregenz am Bodensee, einem Besuch unserer Freunde in Davos (Schweiz) und einer Übernachtung am dortigen Campingplatz Riner Lodge. Die erste Teilstrecke über rund 460 km endete mit einem guten Anstieg in Richtung Davos. Am nächsten Tag sollte es dann durch den San Bernadino – Tunnel zum Lago Maggiore weiter gehen, und von dort dann über den Luganer See zum Comer See auf den Campingplatz „Camping Panorama“ in Dongo auf der Westseite. Die ursprünglich von Google Maps vorgeschlagene kürzeste Strecke über Garmisch-Partenkirchen, St. Moritz, welche zwar deutlich kürzer ist, sollte jedoch mit einem Wohnwagen aufgrund der Steigungen eher nicht gefahren werden.

Aber wie gesagt: wir wollten sowieso unsere Davoser Freunde besuchen, somit war die Strecke über die Schweiz genau richtig. Wichtig bei Fahrten mit Anhänger durch die Schweiz: Man benötigt generell zwei Vignetten für die Schweizer Autobahn, eines für das Zugfahrzeug und eines für den Anhänger. Die Vignetten sind so gestaltet, dass man sie am Auto innen an der Scheibe und am Wohnwagen normal einfach an der Front – wegen den Kleberückständen besser nicht auf einer Scheibe! – anbringen kann. Wir hatten uns diesmal statt des Gardasees den Comer See als Basis für unsere Urlaubsausflüge ausgewählt, da man von dort aus sehr schnell in den Bergen ist und sehr schöne Alpenpässe fahren kann.

 

Jack angeschnallt in seinem Hundesitz. Der Sitz ist mit einem Gurt um die Sitzbank gesichert, der Anschnallgurt zusätzlich durch den Sitz mit dem Gurtschloss am Fahrzeug verbunden.

Das Abenteuer beginnt


Die Brötchen sind geschmiert, Hund sitzt sicher in seinem Sitz und los ging es.
Der erste Stop war am Ladepark Zusmarshausen geplant: Ein Mega-Ladepark mit Unmengen an Ladestationen und natürlich Tesla Superchargern, welche wir nutzen wollen. Die Fahrt über die B2 an Weißenburg vorbei ging bis Augsburg und dann rüber nach Zusmarshausen. Durch die wunderschöne Landschaft verging die Fahrt über gut zwei Stunden wie im Flug. Die Strecke mit einigen sanften Steigungen geht über die Bundesstraße, welche teilweise sehr gut ausgebaut ist, aber auch durch Ortschaften verläuft. Somit ist ein Durchschnitt von 78 km/h bei einem Verbrauch von rund 36 kWh/100 km wirklich gut.

 

Von Supercharger zu Supercharger


Direkt an den Ladestationen befindet sich ein großer, fein geschotterter Parkplatz, auf dem das Abhängen des Wohnwagens überhaupt kein Problem ist, da man keine 30 m entfernt laden kann. Der Ladepark Zusmarshausen hat einen kleinen Shop, Restaurant mit Café sowie frei zugängliche Toiletten. Der Stopp über 35 Minuten reicht wie immer gerade dafür, auf die Toilette zu gehen, einen Kaffee zu holen und unser erstes Frühstück in Form von Brötchen zu essen. Zusätzlich möchte der Hund noch eine Runde gehen und schon ist die Ladezeit vorbei.


Anhängen des Wohnwagens, verbinden von Strom- und Rückfahrkamera und zurück auf die Autobahn. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Hörbranz bei der Schnapsbrennerei Prinz, kommen wir nach 2 Stunden 45 Minuten am Supercharger Bregenz an. Die Supercharger dort sind jeweils gegenüber angeordnet, sodass wir am Rand zur dortigen Firmeneinfahrt den Wohnwagen abhängen und uns einen Ladeplatz suchen.

 

Da zu diesem Zeitpunkt gerade die Markteinführung des neuen Tesla Model Y lief, konnten wir die Zeit gleich nutzen und uns hier ein Vorführfahrzeug, das zwei Tesla Mitarbeiter mitgebracht hatten, etwas genauer ansehen.


Interessanterweise dauerten die Ladestopps immer ungefähr 35 Minuten. Wenn wir bereits wissen, an welchem Charger wir als nächstes laden, verlassen wir uns auch aufs Auto und brechen den Ladevorgang wie in dem Fall zum Beispiel bei 81 Prozent ab. In Maienfeld hatten wir vor, nochmal auf 90 Prozent zu laden, damit wir für den Aufstieg, die Nacht in Davos und die Weiterfahrt gerüstet sind. Ziemlich flach und nur 70 km ging es bis zum Supercharger Maienfeld. Der in einem Industriegebiet liegende Supercharger befindet sich auf einem Hotelparkplatz. Da dort viele Autos parkten, war das mal gar nicht Wohnwagen freundlich. So stellten wir den Wohnwagen gegenüber einer Firma ab und starteten den Ladevorgang.
Wir hatten übrigens bisher noch nie den Fall, dass alle Ladeplätze belegt waren, wir warten mussten oder das Laden nicht funktioniert hat. Das Ladenetz von Tesla ist wirklich absolut klasse, langstreckentauglich und zuverlässig. Durch die Anzeige der freien Ladeplätze im Navigationssystem kann man sich auf die Belegung schon bei der Anfahrt einstellen. Haben wir den Wohnwagen in Sichtweite beim Laden, ist es natürlich optimal, ist das mal nicht der Fall, schließen wir die Kupplung mittels Schloss ab und aktivieren die im Wohnwagen eingebaute Alarmanlage mit Erschütterungssensor und Einbrucherkennung. Über die eingebaute SIM-Karte würde die Alarmanlage bereits bei der geringsten Bewegung auf unser Handy einen Alarm melden.


Der Aufstieg von Maienfeld nach Davos geht über knapp 1.000 Höhenmeter. Mit dem Wohnwagen im Schlepptau benötigen wir für die knapp 59 Kilometer ~ 31 kWh. Hört sich jetzt im ersten Moment viel an, aber bei der späteren Talfahrt holen wir uns einiges durch die Rekuperation zurück. Die funktioniert zusammen mit unserem Wohnwagen der Marke Hobby absolut top. Die Auflaufbremse ist glücklicherweise so eingestellt, dass diese nur bei scharfen Bremsmanövern die Bremsen am Wohnwagen betätigt. Kurz vor 18 Uhr kamen wir am Campingplatz Riner Lodge unterhalb von Davos an.
Also schnell den Wohnwagen eingeparkt, Strom usw. angeschlossen und uns fertig gemacht, da wir ja mit unseren Freunden essen gehen wollten. Mit dem Freund in Davos war ich zusammen in der Schule und wir haben uns erst über Facebook quasi wiedergefunden, beide „bei der Bestellung“ eines Tesla. Abends machten wir zusammen dann noch einen Spaziergang durch Davos. Da direkt am Parkplatz eine Ladesäule mit 50 kW stand, nutzen wir diese, um das Auto wieder weitgehend voll zu laden. Hier waren wir ziemlich vorsichtig und haben fast vollgeladen, weil ich ehrlich gesagt nicht so ganz genau geschaut hatte, ob die Weiterfahrt bis zum Lago Maggiore mit dem vorhandenen Strom klappt. Die Bezahlung erfolgte direkt per Kreditkarte, eine extra Ladekarte war nicht notwendig. Dann ging es zurück zum Campingplatz und es folgte eine ruhige, aber relativ kalte Nacht. Davos befindet sich auf über 1500 m über Null, daher ist es auch im Sommer oft kühl.

 

Zum Comer See trotz anfänglicher Probleme beim Model X

Die erste Urlaubsnacht im Wohnwagen hatten wir sehr gut geschlafen. Ein kleines Frühstück und nach einer Runde mit Jack, musste ich mich erstmal mit unserem Tesla beschäftigen. Denn als wir am Abend vorher von der Ladestation in Davos zum Campingplatz zurückfuhren, meldete das Auto einen Fehler in der Luftfederung mit der Information, dass der Kompressor des Luftfahrwerks deaktiviert sei. Manchmal beheben sich solche Dinge dann über Nacht, was in diesem Fall allerdings nicht so war. Am Abend hatte ich noch nachgesehen, das nächste Tesla Service Center wäre dann in Mailand. Das heißt: im Notfall müssten wir vom Campingplatz aus runter nach Mailand, um den Fehler beheben zu lassen. Also morgens erstmal eingestiegen, der Fehler war leider immer noch vorhanden.


Zuerst habe ich es mit einem Neustart der Elektronik im Tesla versucht. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Onboard-Computer eines Teslas neu zu starten:
1. Versuch: Beide Scroll-Räder am Lenkrad für 5 Sekunden gedrückt halten. Der Hauptbildschirm sowie die Anzeige hinter dem Lenkrad werden neu gestartet. Das Ganze dauert circa 1-2 Minuten, hat nichts gebracht und der Fehler war noch da.
2. Versuch: Über das Menü das Fahrzeug komplett ausschalten. Hierbei werden wohl weitgehend alle Komponenten im Fahrzeug stromlos gemacht und müssen dann neu gestartet werden. Man bleibt einfach sitzen, im Fahrzeug wird es dann ganz ruhig, nach etwa 2 Minuten drückt man einfach auf die Bremse, was alle Systeme wieder hochfährt. Und siehe da: der Fehler war weg! Man konnte das Fahrzeug über das Menü wieder hoch- und runterfahren.

 

Das Luftfahrwerk dient einerseits einem angenehmeren Fahren, aber natürlich auch der Sicherheit. Das heißt: 2 Wochen Urlaub mit Problemen am Fahrwerk wäre jetzt nicht so toll gewesen. Nachdem der Fehler aber im Urlaub glücklicherweise nicht mehr aufgetreten ist, sondern erst wieder Zuhause ein paar Wochen danach, konnten wir den Fehler dann durch den Tesla Service in Nürnberg beheben lassen. Getauscht wurde hierbei der Verteilerkopf am Luftfahrwerkskompressor. Somit war der Fehler weg, der Campingplatz bezahlt und es ging weiter Richtung Süden nach Cadenazzo am Lago Maggiore. Cadenazzo liegt im Norden des Lago Maggiore und damit im Schweizer Teil.
Die Landschaft von Davos Richtung Süden ist wunderschön. Mit dem Wohnwagen nehmen wir allerdings lieber den San Bernadino Tunnel, welcher 6,6 Kilometer durch den Berg geht. Im Urlaub wollen wir dann aber auch mal über den Pass fahren, wenn der Wohnwagen am Campingplatz steht. Dies ist auch einer der Hauptgründe, warum wir uns für einen Wohnwagen und nicht für ein Wohnmobil entschieden haben. Wir sind mit dem Wohnwagen gut mobil, aber können ihn problemlos auf einem Campingplatz stehen lassen und mit dem Auto die größere Gegend rundum erkunden. Zudem fahren wir sehr gerne auch steilere Pässe, was dann mit Wohnmobil teilweise auch eine Herausforderung wäre.

[…]

Der vollständige Reisebericht findet sich in der 14. Ausgabe des T&Emagazin, die am 1. April 2022 erschienen ist.

 

STEFAN EICHLER ist 1967 geboren und leidenschaftlicher Software-Entwickler. Seit 1999 selbständig, entwickelt er unter anderem Software für LKW-Fuhrparks und Warenwirtschaftssysteme sowie weitere Individuallösungen für Städte, Banken und weitere Firmen. Die ersten Erfahrungen mit E-Autos begannen 2017 mit einem Renault Twizy, dieser wurde 2019 durch ein Tesla Model X ersetzt.
Auf seiner Web- und Blogseite camp-electric.de berichtet er regelmäßig über seine Fahrten mit Tesla und Wohnwagen.


Der Beitragsauszug stammt aus der aktuellen 14. Ausgabe des T&Emagazin, die Weiteres rund um Tesla, E-Mobilität und regenerative Energien enthält.

Die Zeitschrift hat 68 Seiten, prall gefüllt mit Berichten zu Themen der Elektromobilität und zu regenerativen Energien. Das Magazin hat eine Leimbindung und ist dadurch noch schicker geworden.

Ein Exemplar der Ausgabe 14 kann gegen Versandkostenübernahme hier bestellt werden.

5 Exemplare10 Exemplare und 20 Exemplare zum Weiterverteilen zu geringen Mehrkosten.

Zu den Inhalten aller vorherigen, älteren Ausgaben geht es hier.

 

 

 

 

 

Inhalt der 14. Ausgabe:

  • Leser-Reaktionen
  • Editorial – Ein wirkliches Privileg
  • Tesla Welt – News des Quartals
  • Tesla – Eröffnung & Delivery Event Gigafactory Grünheide
  • Rede von Elon Musk
  • Tesla – Interview mit Jörg Steinbach
  • Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V.
  • Die Herausgeber – Tesla Owners Club Helvetia (TOCH)
  • S3XY CARS Community – Alles zum großen E-Auto Event
  • Elektroauto Guru – Warum sind E-Autos eigentlich so flott?
  • Elektromobilität – WLTP-Reichweitenschwindel
  • Elektromobilität – Car Maniac E-Auto-Tests
  • Veranstaltungen – Saus & Schmaus Brandenburg electric
  • Innovator – 6.000 Hände an Franz Liebmanns Lenkrad
  • Klimaschutz – Elektromobile Bahnerfahrungen
  • Klimaschutz – Wie umweltfreundlich ist die Bahn eigentlich?
  • T&Etalk – Rückblick: Ökostrom selber erzeugen & vermarkten
  • T&Etalk – Rückblick: Kostenlos Tesla fahren! – ist das verwerflich?
  • T&Etalk – Ausblick: Aktien zu E-Mobilität & Energie
  • T&Etalk – Ausblick: E-Fahrzeug Design
  • Klimaschutz – Gefährdet Tesla die Wasserversorgung?
  • Klimaschutz – Prof. Quaschning: Putins Krieg und unser Öl und Gas
  • Klimaschutz – Erfahrungsbericht PV, Wärmepumpe & E-Auto
  • Zukunftstrends – Trends formen unsere Welt
  • Wirtschaft – Interview mit Presse-Großhändler Carsten Müller
  • Technophilosoph – Dr. Mario Herger zu Lügen der Autokonzerne
  • Wirtschaft – E-Flugzeug: Die leise Revolution am Himmel
  • Reisebericht – Über die Alpen mit Model X und Wohnwagen
  • Reisebericht – Alles für die Katz: Harus Abenteuer im Tesla
  • Fanboy – Gabor Reiter: E-Mobilität in Deutschland
  • … und einiges mehr
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