VW erfindet das bezahlbare Elektroauto – und erinnert sich plötzlich an den Up

Es gibt Momente in der Automobilgeschichte, in denen Ingenieurskunst, jahrzehntelange Forschung und Milliardeninvestitionen zu einem technologischen Durchbruch führen.

Und dann gibt es Volkswagen.

Dort scheint man nach jahrelangen Strategieprozessen, Plattformdiskussionen, Softwareproblemen, Zukunftsplänen und Modelloffensiven nun eine geradezu revolutionäre Erkenntnis gewonnen zu haben:

Menschen könnten ein kleines, bezahlbares Auto gebrauchen.

Bahnbrechend.

Und noch erstaunlicher:

Dieses Auto könnte möglicherweise VW Up heißen.

Oder, weil wir inzwischen in der Zukunft leben:

ID. Up.

Laut aktuellen Medienberichten soll Volkswagen erwägen, sein für 2027 geplantes Elektro-Einstiegsmodell so zu nennen. Offiziell kennt man das Fahrzeug bislang als Serienableger der Studie ID. EVERY1. Geplant sind rund 20.000 Euro Einstiegspreis.

Der Name wäre durchaus passend.

Denn Volkswagen hatte ja schon einmal ein kleines Elektroauto.

Es hieß:

e-Up.

Produktion eingestellt: 2023.

Aber manchmal muss man etwas verlieren, um zu erkennen, was man hatte.

Wolfsburg, irgendwann 2026

Man kann sich die entscheidende Vorstandssitzung ungefähr so vorstellen.

Auf einer riesigen Leinwand stehen Begriffe wie:

MEB+

Software Defined Vehicle

Rivian Architektur

Urban Electric Family

Brand Group Core

Scalable Systems Platform

Future Plan

Affordable Electric Mobility

Davor sitzen 14 Manager, acht Strategieberater und vermutlich jemand von McKinsey.

Seit sechs Stunden diskutiert man die alles entscheidende Frage:

Wie könnte Volkswagen ein kleines Elektroauto für normale Menschen bauen?

Plötzlich hebt hinten im Raum der Hausmeister vorsichtig die Hand.

„Entschuldigung …“

Alle drehen sich um.

„Hatten wir sowas nicht schon mal?“

Stille.

„Wie meinen Sie das?“

„Na, diesen kleinen Up.“

Noch mehr Stille.

Irgendwo fällt ein Kugelschreiber zu Boden.

Ein Vorstandsmitglied flüstert:

„Mein Gott.“

Sofort wird eine Taskforce gegründet.

Der verloren geglaubte Kleinwagen

Der VW Up kam ursprünglich 2011 auf den Markt.

Später gab es ihn auch als vollelektrischen e-Up.

Klein.

Übersichtlich.

Vier Sitze.

Elektromotor.

Ideal für Stadt und Pendelverkehr.

Also im Grunde genau das, wonach der europäische Automarkt heute verzweifelt sucht.

Volkswagen stellte das Modell 2023 ein. Der elektrische e-Up war zuletzt ebenfalls nicht mehr bestellbar.

Vier Jahre später soll nun ein neues kleines Elektroauto für ungefähr 20.000 Euro erscheinen.

Volkswagen nennt das:

Zukunft.

Wir nennen es:

Backup wiederhergestellt.

Der große automobile Kreis des Lebens

Man muss VW aber zugutehalten:

Andere Hersteller verschwenden wahnsinnig viel Geld mit Innovation.

Volkswagen verfolgt möglicherweise ein wesentlich nachhaltigeres Konzept.

Man wartet einfach lange genug, bis eine alte Idee wieder neu wirkt.

Das spart Denkarbeit.

Vielleicht können wir dieses Prinzip auf weitere Modelle übertragen.

2028:

ID. Golf Cabriolet

2030:

ID. Käfer

2032:

ID. Scirocco

2035:

VW-Pressekonferenz:

„Wir präsentieren eine vollkommen neue Fahrzeugklasse.“

Journalist:

„Was ist das?“

VW:

„Ein Kombi.“

Publikum:

standing ovations

Dabei war der e-Up offenbar gar keine so schlechte Idee

Besonders hübsch wird die Geschichte, wenn man sich daran erinnert, dass der e-Up zeitweise durchaus gefragt war.

Nach der Erhöhung der Elektro-Kaufprämie wurde die Nachfrage 2020 sogar so stark, dass Volkswagen zeitweise keine Bestellungen mehr annahm. 2021 gehörte der e-Up zu den meistzugelassenen Elektroautos Deutschlands.

Das Auto hatte also ein interessantes Problem:

Die Kunden wollten es.

Für einen deutschen Autohersteller ist das natürlich eine schwierige Situation.

Man produziert ein kleines Elektroauto.

Es ist vergleichsweise bezahlbar.

Menschen kaufen es.

Was macht man?

Einstellen.

Vier Jahre warten.

Milliarden in eine neue Elektrostrategie investieren.

Anschließend verkünden:

„Wir brauchen dringend ein kleines, bezahlbares Elektroauto!“

Das ist strategisches Denken auf Champions-League-Niveau.

Was übrigens keine zufällige Formulierung ist: Volkswagen-Chef Thomas Schäfer bezeichnete die Entwicklung eines hochwertigen und profitablen Elektroautos für rund 20.000 Euro tatsächlich einmal als „Champions League des Automobilbaus“.

Der alte e-Up wusste vermutlich gar nicht, dass er Profifußball gespielt hat.

Vom e-Up zum ID. EVERY1 zum ID. Up

Natürlich wäre es unfair zu behaupten, Volkswagen würde einfach den alten e-Up wieder aus der Lagerhalle rollen.

Der kommende Kleinwagen ist technisch ein völlig neues Fahrzeug.

Volkswagen zeigte 2025 dafür die Studie ID. EVERY1.

3,88 Meter lang.

Frontantrieb.

95 PS in der Studie.

Mindestens 250 Kilometer geplante Reichweite.

Neue Softwarearchitektur.

Marktstart der Serienversion: 2027.

Zielpreis: rund 20.000 Euro.

Das ist also kein alter e-Up mit neuem Display.

Aber gerade deshalb ist die Namensidee so herrlich.

Nach all den futuristischen Projektbezeichnungen landet VW möglicherweise genau dort, wo man vorher schon einmal war:

Up.

Nur jetzt mit „ID.“ davor.

Das ist ungefähr so, als würde Microsoft nach zehn Jahren Forschung Windows 17 vorstellen und verkünden:

„Wir haben jetzt wieder einen Start-Knopf.“

Volkswagen hat einen Zukunftsplan

Besonders schön ist der offizielle Zukunftsplan von Volkswagen.

Der besteht aus drei Phasen:

Aufholen.

Angreifen.

Anführen.

Das klingt beeindruckend.

Wir würden allerdings noch eine vierte Phase ergänzen:

Erinnern.

Aufholen: feststellen, dass chinesische Hersteller günstige Elektroautos bauen.

Angreifen: ID.2 entwickeln.

Anführen: Elektroauto für 20.000 Euro ankündigen.

Erinnern: „Ach stimmt, Up hatten wir ja schon.“

Strategie abgeschlossen.

Die große Entdeckung: Autos müssen nicht zwei Tonnen wiegen

Vielleicht ist das eigentlich Revolutionäre aber gar nicht der Name.

Vielleicht entdeckt Volkswagen gerade etwas, das in den vergangenen Jahren in der europäischen Autoindustrie beinahe verloren gegangen war:

Kleine Autos können klein sein.

Eine faszinierende Vorstellung.

Man benötigt nicht zwingend:

21-Zoll-Räder,

Massagesitze,

600 PS,

drei Quadratmeter Touchscreen,

eine beleuchtete Niere,

acht Fahrmodi

und einen Kofferraum, in dem problemlos ein weiteres Elektroauto transportiert werden kann.

Man kann offenbar auch einfach ein Auto bauen.

Vier Türen.

Vier Sitze.

Batterie.

Lenkrad.

Fertig.

Bei Volkswagen scheint diese Idee inzwischen sogar einen eigenen Fachbegriff zu besitzen:

„Einstiegsmobilität.“

Früher sagte man dazu:

Kleinwagen.

Aber das klang vermutlich nicht teuer genug für die PowerPoint-Präsentation.

20.000 Euro – plötzlich geht es doch

Noch spannender ist der geplante Preis.

Rund 20.000 Euro soll das Serienmodell kosten.

Das wäre tatsächlich wichtig.

Denn seit Jahren hören wir, warum bezahlbare Elektroautos so schwierig seien.

Batterien zu teuer.

Entwicklung zu teuer.

Software zu teuer.

Produktion zu teuer.

Europa zu teuer.

Energie zu teuer.

Arbeit zu teuer.

Alles schwierig.

Und währenddessen tauchen chinesische Hersteller auf und stellen unangenehme Fragen wie:

„Soll das Auto vielleicht einfach weniger kosten?“

Daraufhin hektische Betriebsamkeit in Wolfsburg.

„Schreib das auf!“

Der alte e-Up schaut aus dem Auto-Himmel zu

Irgendwo im automobilen Jenseits steht vermutlich gerade ein kleiner weißer e-Up auf einer Wolke.

Neben ihm ein BMW i3.

Der i3 schaut nach unten.

„Was machen die da?“

e-Up:

„Die entwickeln ein kleines Elektroauto.“

„Ah.“

„Für die Stadt.“

„Interessant.“

„Soll ungefähr 20.000 Euro kosten.“

Der i3 schweigt kurz.

„Und wie heißt es?“

e-Up:

„ID. Up.“

Lange Pause.

Dann legt der i3 ihm tröstend einen Außenspiegel auf die Schulter.

Aber im Ernst: Genau so ein Auto braucht der Markt

Und hier muss die Satire kurz den Warnblinker ausschalten.

Ein europäisches Elektroauto für rund 20.000 Euro wäre tatsächlich eine sehr gute Nachricht.

Nicht jeder braucht einen elektrischen SUV für 55.000 Euro.

Nicht jeder fährt täglich 600 Kilometer.

Nicht jeder benötigt 350 PS.

Für Pendler, Stadtverkehr, Familien als Zweitwagen oder Menschen, die schlicht ein bezahlbares Auto suchen, könnte ein solches Modell genau das Richtige sein.

Volkswagen selbst spricht von „Elektromobilität für alle“ und plant die Serienversion für 2027.

Das ist grundsätzlich richtig.

Man hätte nur vielleicht etwas früher darauf kommen können.

Zum Beispiel:

2023.

Satirisches Fazit

Volkswagen steht also möglicherweise kurz vor einem echten Durchbruch.

Nach Jahren voller Elektrostrategien, Plattformarchitekturen, Zukunftspläne und milliardenschwerer Transformation hat Deutschlands größter Autobauer offenbar eine uralte Wahrheit wiederentdeckt:

Menschen mögen kleine, bezahlbare Autos.

Und damit diese revolutionäre Idee niemand mit der Vergangenheit verwechselt, bekommt sie selbstverständlich modernste Technik, eine neue Plattform und vielleicht einen neuen Namen:

ID. Up.

Der e-Up wurde 2023 eingestellt.

Der geistige Nachfolger soll 2027 kommen.

Dazwischen liegen vier Jahre technologische Transformation.

Oder, wie man bei Windows sagen würde:

„Neustart erforderlich.“

Herzlichen Glückwunsch, Volkswagen.

Ihr habt den Kleinwagen neu erfunden.

Wir wussten gar nicht, dass er weg war.


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