🇩🇰🇧🇪 Doppel-Durchbruch: Dänemark und Belgien lassen FSD zu
Die größte Entwicklung der letzten Tage: Innerhalb von nur 48 Stunden sind zwei weitere EU-Länder dazugekommen — und damit beschleunigt sich der Domino-Effekt deutlich.
🇩🇰 Dänemark (9. Juni) — das vierte Land. Die dänische Verkehrsbehörde Færdselsstyrelsen erteilte am 9. Juni eine vorläufige Zulassung und akzeptierte damit die ursprüngliche RDW-Typgenehmigung vom 10. April — führte aber ausdrücklich eine eigene Prüfung der technischen Unterlagen durch, statt die niederländische Entscheidung einfach durchzuwinken. Besonders bemerkenswert: Dänemark hatte zuvor auf EU-Ebene selbst Bedenken zur Technologie geäußert — zu Geschwindigkeitsüberschreitungen, zur Performance auf vereisten Straßen und zum Namen “Full Self-Driving”. Dass ausgerechnet ein Skeptiker zwei Monate später zustimmt, deutet darauf hin, dass die technische Dokumentation überzeugender war als die anfänglichen politischen Vorbehalte.
🇧🇪 Belgien (10. Juni) — das fünfte Land. Nur einen Tag später unterzeichnete die flämische Mobilitätsministerin Annick De Ridder die Zulassung. Belgien hatte den Prozess unter De Ridders Führung in den letzten Wochen beschleunigt, aber die offizielle Unterschrift kam deutlich früher als erwartet. Damit ist Belgien das fünfte EU-Land — und FSD Supervised ist nun in 13 Ländern und Territorien weltweit zugelassen.
Die zwei wichtigen Vorbehalte:
Erstens — beide Zulassungen sind vorläufig. Jede dieser Zulassungen trägt eine Sechs-Monats-Selbstzerstörungsklausel, die durch eine einzige negative Entscheidung der EU-Kommission ausgelöst werden kann. Brüssel hält also weiter den Kill-Switch.
Zweitens — die Hardware-Grenze. Die dänische Zulassung deckt aktuell nur Fahrzeuge mit Hardware 4 (HW4) ab. Der Preis liegt bei 99 €/Monat, mit reduziertem Tarif von 49 €/Monat für frühere Enhanced-Autopilot-Besitzer.
Die Einordnung: Fünf Länder in zwei Monaten beantworten die Frage, die bei der niederländischen Zulassung noch offen war: Der nationale Weg sprintet, während die EU-weite Route im Leerlauf bleibt — und genau diese Asymmetrie definiert jetzt Teslas Europa-Rollout. Das bestätigt exakt die “Flickenteppich statt großer Beschluss”-These: Während der TCMV am 30. Juni nur weiter diskutiert statt abzustimmen, schafft Tesla über die gegenseitige Anerkennung Fakten — Land für Land.
FSD Europa: Der EU-Vote rückt weiter weg
Für alle die auf einen baldige EU-weite Zulassung von FSD gewartet haben gibt es aber leider einen Dämpfer: Teslas Full-Self-Driving steht vor einem längeren Weg zur allgemeinen Freigabe: Das Motor-Vehicle-Komitee der EU hat für seine Sitzung am 30. Juni weitere Diskussionen statt einer Abstimmung angesetzt.
Der entscheidende Widerstand kommt aus dem Norden: Regulierer in Schweden, Finnland und Norwegen haben Einwände gegen FSD erhoben — laut von Reuters berichteter E-Mail-Korrespondenz. Ihre Bedenken betreffen den Umgang des Systems mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, die Performance auf vereisten Straßen und die Frage, ob der Name “Full Self-Driving” die Fähigkeiten überzeichnet. Diese Länderstimmen könnten in einer Mehrheitsabstimmung den Ausschlag geben.
Tesla nennt erstmals die komplette Warteliste
Erstmals hat ein hochrangiger Tesla-Manager (AI-VP Ashok Elluswamy) die genaue Liste der wartenden Länder öffentlich gemacht. Die Genehmigungspipeline ist eine Frage der Zählweise. Wie viele Länder warten auf FSD, hängt davon ab, was man zählt. Aktiv bearbeitet werden derzeit rund 12 Märkte mit konkretem Verfahren — darunter Großbritannien, Irland, Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien (inzwischen Zugelassen), Luxemburg, Deutschland, Dänemark (inzwischen Zugelassen) und Norwegen sowie Kolumbien und Chile in Südamerika. Die vollständige Zielliste, die Tesla-KI-Chef Ashok Elluswamy Anfang Juni auf der CVPR-Konferenz zeigte, ist deutlich länger: allein 21 EU-Länder, plus 15 weitere europäische Nicht-EU-Staaten und insgesamt über 50 Länder weltweit. Diese große Liste ist allerdings eher eine Absichtserklärung als eine konkrete Pipeline — sie zeigt, wohin Tesla will, nicht wo morgen zugelassen wird.
Wichtige Einzelentwicklungen:
Großbritannien: der meistbeobachtete Markt.
Weil das UK die EU verlassen hat, kann es die grundlegende RDW-Typgenehmigung nicht automatisch anerkennen. Die VCA muss eine eigene Bewertung durchführen. Ein Supervised-Launch wird 2026 erwartet, Unsupervised für 2027.
Teslas Update 2026.20 ist inzwischen in der vierten Rollout-Welle und erreicht rund 9 % der Flotte. Das Update bringt Parental Controls und Sicherheitsverbesserungen. Eine neue Parental-Controls-Funktion erlaubt es künftig, Browser, Arcade und Tesla Theater zu blockieren.
Außerdem: Tesla hat ein kleineres Software-Update ausgerollt, das eine kürzliche FSD-Änderung klarstellt. Das knüpft an die Diskussion um die nachträglichen Vertragsanpassungen an, die wir zuletzt besprochen hatten.
Gebrauchte Cybertrucks erstmals im Tesla-Shop
Am 1. Juni 2026 hat Tesla erstmals gebrauchte Cybertrucks auf seiner Website zum Kauf gelistet. Ein kleines, aber bemerkenswertes Signal — der Gebrauchtmarkt für das polarisierende Fahrzeug nimmt Form an.
Finanzen: SpaceX-IPO und die TERAFAB-Wette
An der Börsen- und Strategiefront bewegt sich viel:
Die SpaceX-Börsengang-Nachfrage von Investoren liegt laut Reuters bei 150 Mrd. Dollar. Das befeuert die Spekulationen über eine engere Verknüpfung von Tesla, SpaceX und xAI.
Dazu die Chip-Offensive: Elon Musks 55-Mrd.-Dollar-TERAFAB-Vorstoß rückt die ASML-Aktie ins Zentrum des KI-Chip-Wettrennens. Das ist die Fabrik, die wir zuletzt im Q1-Kontext besprochen hatten — sie konkretisiert sich finanziell.
Zur Aktie selbst: J.P. Morgan hat Tesla hochgestuft, mit der Einordnung “This Is Underappreciated”. Gleichzeitig bleibt allerdings die Spannung bestehen (wie immer).
Europa-Markt: Erholung setzt sich fort
Teslarati berichtet von einer Erholung in mehreren europäischen Märkten im Mai 2026. Das bestätigt den Trend aus den ACEA-April-Zahlen (+46,5 % YoY Europa), den wir zuletzt besprochen hatten.
Konkurrenz & Markt
Tesla wird zunehmend nicht mehr nur als Autobauer bewertet, sondern als Systemkonzern — und steht gleichzeitig unter Druck durch härteren EV-Wettbewerb von BYD, Rückruf- und Sicherheitsprüfungen sowie uneinheitliche Europa-Ergebnisse. Auch eine kulturelle Randnotiz: Der Model 3 feierte gerade sein zehnjähriges Jubiläum — ein volles Jahrzehnt, seit das Fahrzeug erstmals der Öffentlichkeit gezeigt wurde.
Quellen: Quellen: Teslablog, Electric Vehicles, TESLARATI, MLQ, ADAC, Electrive
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