Die neue Mode: Geldverschwendung mit Atomkraft

Bild-Quelle: BUND

Welcher Investor stellt 15 Milliarden Euro für ein neues Atomkraftwerk zur Verfügung, wenn dies frühestens in zehn Jahren beginnt, Strom zu produzieren, falls es überhaupt fertiggestellt wird? Kein privatwirtschaftlicher Investor. Deshalb wird die ‚Renaissance‘ der Atomkraft, die sich jetzt einige Staaten auf die Fahne geschrieben haben, massiv mit Steuergeld subventioniert. Aus dem gleichen Grund bezeichnete das Zentralorgan des Kapitalismus, der ‚Economist‘, Atomkraft schon vor mehr als zehn Jahren als subventionierte Altindustrie.

Beginnen wir mit Frankreich. Statt Geld mit Atomkraftwerken zu verdienen, hat der staatliche Energiekonzern EdF inzwischen mehr als 42 Milliarden Euro Schulden angehäuft, der Kraftwerkhersteller Areva ging in die Insolvenz und musste vom Staat übernommen werden. Einer der Gründe dafür ist der Bau des Reaktors in Flamanville, ein Vorzeigeprojekt für eine neue Generation von Atomreaktoren (EPR genannt – Evolutionary Power Reactor). Bei einer Bauzeit von bereits 15 Jahren sind inzwischen Baukosten von 19 Milliarden Euro aufgelaufen, es ist aber aufgrund technischer Probleme noch immer nicht fertiggestellt. Benötigt werden in den nächsten Jahrzehnten etwa 30 Nachfolgereaktoren für alte Kraftwerke, deren Baukosten aus heutiger Sicht von EdF mit 115 Milliarden angegeben werden. Hinzu kommt die 200 Kilometer von der deutschen Grenze geplante Atommüll-Endlagerstätte, deren Kosten heute bereits mit 27 Milliarden Euro angenommen werden. Die in La Hague wieder aufbereiteten Kernbrennstoffe werden zudem nicht wiedereingesetzt; ein Recycling findet nur in kleinen Mengen statt, indem das Uran nach der Wiederaufbereitung derzeit in Russland (!) wieder angereichert wird. Stattdessen lagern Tausende Tonnen des aufbereiteten Materials in Südfrankreich.

Ein zweiter Reaktor der neuen EPR-Generation ist inzwischen in Olkiluoto, Finnland, ans Netz gegangen, 19 Jahre nach Baubeschluss. Auch hier explodierten die Kosten auf 11 Milliarden. Immerhin kostete das daneben in den Berg getriebene Endlager ‚nur‘ 1,5 Mrd. Euro.

Die Investoren, unter ihnen China, starteten den Bau der beiden neuen britischen Reaktoren in Hinkley Point erst, nachdem die britische Regierung einen hohen Abnahmepreis zugesichert hat, zu Lasten des Steuerzahlers von 110 Mrd. Pfund. Das war, bevor die Baukosten aus dem Ruder liefen: Sie liegen inzwischen bei 25-26 Milliarden Euro, also das Stück zu 13 Milliarden Euro.

In den USA war man dagegen zumindest bei einem Projekt schlauer. Neun Jahre nach Projektbeginn wurde das Projekt ‚Summer‘ 2017 in South Carolina gestoppt. Die Baukosten für die beiden Reaktoren sollten sich da auf bereits 2,3 Milliarden Dollar belaufen.

Keines der neuen Atomkraftwerke kann, genauso wie alle bestehenden, gegen einen Atomunfall versichert werden. Eine entsprechende Versicherungsprämie würde den Strompreis endgültig ins Astronomische treiben. Nehmen wir Fukushima als Beispiel: Der GAU (größter anzunehmender Unfall, Stufe 7) wird die japanischen Steuerzahlenden aufgrund einer bereits Jahre alten Schätzung mit 180 Milliarden Dollar belasten. Die Beseitigung der Schäden einschließlich Rückbau wird noch mehr als 40 Jahre dauern. Der GAU in Tschernobyl wird mit Kosten von 600 Milliarden angegeben. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Fukushima in einem dünn besiedelten Landstrich liegt. Die Kosten eines GAUs in der Nähe eines europäischen Ballungsraumes dürfte schnell die Billionen-Grenze erreichen.

Und Deutschland: Die Kosten für den Abbau von Atommeilern und die Endlagerung betragen nach einer 2016 abgegeben Schätzung 170 Milliarden Euro. Während die Energiekonzerne davon nur einen Bruchteil zahlen, fällt die Hauptlast auf den Steuerzahlenden. Alles Geld, das für die Bekämpfung des Klimawandels nicht zur Verfügung steht. Atomkraft ist damit kein Beitrag zur Lösung des Klimaproblems, sondern sie hindert uns bereits heute daran, schneller voranzukommen. Ein Ausbau bzw. eine Renaissance wäre eine weitere Bremse, weil Atomkraft unbezahlbar geworden ist, abgesehen von den Endlagerrisiken und der enorm langen Bereitstellungszeit, die wir nicht haben. Wenn das Geld, was uns die Subventionierung der Atomkraft gekostet hat und kostet, in regenerative Energien flösse, wären wir wahrscheinlich bereits am Ziel.

Nebensatz: Atomkraftwerke liefern nur Grundlast-Energie, sie können nicht schnell rauf- oder runtergefahren werden. An den Tagen, wo regenerative Energien die gesamte benötigte Energie liefern können, müssten diese runtergefahren werden, weil Atomkraftwerke das nicht können. Mehr Atommüll statt grüner Energie, wäre die Konsequenz.

 

Newsletter

Bleibe zu Neuigkeiten auf dem Laufenden und abonniere den kostenlosen Newsletter. Immer zum Wochenende gibt er einen Überblick der aktuellen E-Mobilitäts-Themen der zurückliegenden Woche. Newsletter-Abonnenten können zudem das T&Emagazin digital lesen – auch ältere Ausgaben.

Anzeige

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.