Studie: Deutschland kann bis 2045 klimaneutral werden

Foto: Öko-Institut

Deutschland kann seine Ziele zum Schutz des Klimas bereits bis zum Jahr 2045 erreichen, wie eine neue Studie zeigt. Mit einer schnelleren Marktdurchdringung, klimafreundlicher Technik und anspruchsvollen politischen Maßnahmen kann Klimaneutralität demnach bereits fünf Jahre vor 2050, dem Zieljahr des Pariser Klimaschutzabkommens, umgesetzt werden. Analysiert wurden dabei Änderungen für die Sektoren Energiewirtschaft, Verkehr, Industrie, Gebäude, Landwirtschaft, Abfall und Landnutzung.

Die Studie „Klimaneutrales Deutschland 2045“ wurde von Öko-Institut, Prognos und Wuppertal Institut im Auftrag von Stiftung Klimaneutralität, Agora Energiewende und Agora Verkehrswende erstellt. Sie entwickelt das Szenario weiter, das im Oktober 2020 mit der Studie „Klimaneutrales Deutschland 2050“ vorgestellt wurde.

„Unsere Studie legt einen konkreten Plan vor, um verschärfte Minderungsziele für klimaschädliche Treibhausgasemissionen zu erreichen. Sie steht damit im Einklang des Urteils des Bundesverfassungsgerichts und der darauf folgenden Novellierung des Klimaschutzgesetzes mit der Verschärfung des Klimaziels auf 65 Prozent im Jahr 2030 und einer Klimaneutralität bereits im Jahr 2045“, fasst Dr. Wiebke Zimmer, Projektleiterin für die Untersuchungsbereiche des Öko-Instituts, zusammen.

Keine Neuzulassungen von Verbrennern und Plug-in-Hybriden ab 2032

Um den Klimaschutz im Verkehrssektor zu beschleunigen, soll es keine neuen Zulassungen von Verbrenner-Pkw und Plug-In-Hybrid-Pkw ab 2032 geben. Die Studie rechnet bis 2030 mit 14 Millionen Elektro-PkWs und Plug-in-Hybriden, bis 2045 mit 36 Millionen (dann fast nur Elektrofahrzeuge). Bis 2045 soll dadurch der Pkw- und Lkw-Bestand fast ohne Verbrennungsmotoren auskommen. 2030 würden der Prognose zufolge fast ein Drittel der Fahrleistung im Straßengüterverkehr über elektrische Lkw mit Batterien, Oberleitungen und Brennstoffzellen erbracht. Weiterhin geht sie aus von einer starken Steigerung des Güterverkehrs auf der Schiene von 135 Milliarden Tonnenkilometer (2018) auf 230 Tonnenkilometer im Jahr 2045 aus. Im Szenario macht die direkte Stromnutzung im Jahr 2045 dann rund drei Viertel des Endenergiebedarfs des Verkehrssektors aus.

Durch diese und weitere Maßnahmen im Verkehr – unter anderem strombasierte Kraftstoffe für die Binnenschifffahrt bis 2031 – könnten 73 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden.

Quelle: Prognos,, Öko-Institut, Wuppertal Institut (2021)

Weniger Tierhaltung, Ausbau Erneuerbarer Energien, Umstieg auf Wärmepumpen

Es werden in der Studie keine weitergehenden Verhaltensänderungen in Form von Konsumeinschränkungen unterstellt. Allerdings werden heute erkennbare Trends zu Konsumänderungen stärker berücksichtigt, zum Beispiel beim Markthochlauf von Fleisch- und Milchalternativen und synthetischem Fleisch. Klimaneutralität 2045 kann unter Beibehaltung der zugrunde gelegten Rahmenbedingungen zur demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland erreicht werden. Zu den weiteren Maßnahmen zählt die Studie unter anderem:

  • In der Landwirtschaft: weniger Tierhaltung und eine Ausweitung der Produktion von Milch- und Fleischersatzprodukten; eine schnelle Erhöhung des Ökolandbaus auf 25 Prozent; mehr Biodiversität und eine stärkere Wiedervernässung von Moorflächen. So können bis zum Jahr 2050 insgesamt zusätzliche 104 Millionen Tonnen Treibhausgase eingespart werden.
  • Im Gebäudebereich: ein schnellerer Ausbau von Wärmepumpen und Wärmenetzen; ein Austausch aller Heiztechnologien mit fossilen Brennstoffen bis 2045; eine höhere Sanierungsrate von 1,75 Prozent. 68 Millionen Tonnen Treibhausgas können so reduziert werden.
  • In der Industrie: ein schnellerer Ausbau der Carbon Capture and Storage (CCS)-Infrastruktur; eine schnellere Bereitstellung von Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS); ein früherer Einsatz von Wasserstoff und Strom zur Energienutzung in der Industrie. 308 Millionen Tonnen Treibhausgase können so vermieden werden.
  • In der Energiewirtschaft: ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien ab 2030; eine Ausweitung der Abscheidung und geologische Lagerung von CO2 (DACCS); ein beschleunigter Ersatz von Erdgas durch Wasserstoff sowie eine höhere inländische Wasserstoffproduktion. 345 Mio.Millionen Tonnen Treibhausgase können mit diesen Maßnahmen in die Atmosphäre gelangen.

Quellen: Pressemitteilung des Öko-Instituts, Studie, Studie (Zusammenfassung)

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