6.000 Hände waren an diesem Lenkrad! – Interview mit Franz Liebmann

Antonino Zeidler und Timo Schadt trafen sich mit dem Österreicher Franz Liebmann, dessen Model S von über 6.000 Personen probegefahren wurde. Franz veröffentlicht seine Erfahrungen auf seinem Blog NICEMOBIL. Über den Blog können die Position, Geschwindigkeit und weitere Angaben zu seinem Fahrzeuges 24/7 weltweit live verfolgt werden.

Timo Schadt (T): Franz, du bist jetzt über 500.000 km mit deinem Tesla Model S gereist. Aber eine noch viel imposantere Statistik: Insgesamt sind über 6.000 verschiedenen Personen mit deinem Fahrzeug gefahren! Wie kam es dazu? Und wie bist du eigentlich E-Mobilist geworden?


Franz Liebmann (F): Ich habe drei Jahre lang im Porsche Konzern gearbeitet, für mich gab es immer nur VW und Audi. 2014 habe ich Philipp Schröder, den damaligen Country Manager bei Tesla Germany, beim Innovationskongress in Frankfurt kennenlernen dürfen, der dort Tesla vorgestellt hat. Ich habe damals bei der zweitgrößten Tageszeitung in Österreich gearbeitet, ging dann zu meinen Kollegen in der Motorredaktion und habe gefragt, ob sie Tesla kennen. Die meinten „Das ist eine Kiste für Reiche, die werden pleitegehen, das wird nichts“. Mich aber hat das Thema Tesla total angepackt. Ich habe dann recherchiert, den „Tesla Bjørn“ auf YouTube gefunden und angeschrieben. Ich hatte ihn gefragt, wieso er diese Videos mache und wie viel Geld er von Tesla bekommen würde. Er meinte dann nur zurück „Nein, ich bekomme kein Geld – dieses Ding wird die Welt verändern“. Ich kannte niemanden, der so ein Auto fährt und habe deshalb dann 2014 entschlossen, so ein Auto zu bestellen. Ich habe knapp ein Jahr gewartet, bis ich mein Model S dann hatte.


T: Und zu dem Zeitpunkt hattest du aber noch nie ein Tesla-Lenkrad in den Händen gehabt?


F: Zu dem Zeitpunkt der Bestellung tatsächlich nicht, aber es gab dann zwischen Bestellung und Auslieferung eine regionale Veranstaltung, die E-Mobilitätstage. Da gab es bei mir in der Region erstmals die Möglichkeit, Tesla Probezufahren. Nach genau 3 km war die Probefahrt dann aber vorbei, denn ich hatte einen Nagel im Reifen. Aber diese kurzen 3 km haben für mich gereicht. Ich bin damals einen Audi A6 3l Quattro gefahren und habe davor immer gedacht: „Das ist ein geiles Auto“, aber seitdem ich Tesla Probegefahren bin, fragte ich mich beim Tanken stets, was ich da überhaupt tue. Wir können Strom doch regional nachhaltig produzieren, warum geben wir so viel Geld an der Tankstelle aus und unterstützen damit sogar noch Regime, die wir wirklich überhaupt nicht unterstützen sollten? Bei mir kam die Erkenntnis: Mit Strom fahren hat das Potenzial, die Welt zu verändern. Ich freue mich jeden Monat, wenn ich meine Stromrechnung sehe. Mein regionaler Anbieter bietet 100 Prozent Ökostrom an und ich weiß, dass das Geld hierbleibt und hier Arbeitsplätze sichert.

 

T: Deine Begeisterung für das Thema ist deutlich zu spüren. Du bist ja auch super begeistert von deinem ganz konkreten Fahrzeug, oder? Manche wechseln ja ihr Auto wie andere Leute die Unterwäsche, du hast jetzt seit 2014 dasselbe Fahrzeug und willst es ja auch weiterfahren.


F: Ich bin Autos grundsätzlich immer „totgefahren“. Ich glaube, dass das ökologisch immer das Sinnvollste ist. Bei den Audis war das immer so bei 450.000 km, als ich die in die Schrottpresse werfen musste. Bei Tesla war das aber plötzlich ganz anders, mein Auto ist jetzt sieben Jahre alt, ich habe mittlerweile mehr als 550.000 km. Es ist damit fast 14-mal um den Erdball gefahren.


T: Und das Besondere: Noch mit deinem ersten Akku! Es heißt ja immer, dass die Akkus bei so hohen Kilometerständen sicherlich schon oft gewechselt worden sind. Aber du fährst ja immer noch den ersten.


F: Ich hatte auch nicht geglaubt, dass das so lang funktioniert, meine Erwartungen an das Fahrzeug und auch den Akku wurden definitiv übertroffen. Ich habe selbst jetzt immer noch über 80 Prozent Leistung, allerdings hätte ich ja auch noch ein Jahr Garantie.


Antonino Zeidler (N): Wie ist denn dann dein Fahrstil, bist du so gefahren, wie du auch deine Audis gefahren bist? Oder hast du gedacht: ich fahre schonend, sodass das Auto und der Akku möglichst lange halten?


F: Ich habe das Auto einfach normal benutzt, so wie ich auch andere Autos benutzen würde. Nur den Akku habe ich nach Möglichkeit nie auf 100 Prozent vollgeladen und auf unter 0 Prozent entladen, was mir von Tesla bei der Auslieferung geraten wurde. Ich habe versucht, den Akku immer zwischen 10 und 90 Prozent zu halten. Tatsächlich habe ich auch sehr viel am Supercharger geladen, da das mit diesem Fahrzeug ja weiterhin kostenlos ist. Ich habe sicher um die 70-80 Prozent DC-Ladungen. Ich fahre zum Beispiel auch sehr häufig 250 km/h, was ja nur in Deutschland möglich ist und mir als Österreicher natürlich immer viel Freude bereitet.


N: Daran sieht man: Elektroauto fährt man einfach. Wir hatten ja auch ein Innovator Interview mit dem Herrn von Gemmingen, der schon über 1 Million Kilometer gefahren ist. Der hatte ja bereits seinen zweiten oder dritten Akku und er hat sich sehr viel Mühe gegeben, das Auto zu schonen, also kein Vollgas und so weiter. Du zeigst: einfach fahren geht auch.


T: Und nicht nur du allein. Du lässt ja sehr viele Leute dein Model S zu fahren, viele kitzeln da sicher gerne raus, was das Auto so kann. Das klingt für mich jetzt wirklich nicht nach schonend fahren. Du warst ja von Anfang an „hoch infektiös“ und hast andere Menschen mit dem „Teslavirus“ angesteckt.


F: Jeder, der dann wieder aus dem Auto ausgestiegen ist, ist mit einem Lächeln ausgestiegen.


T: Das sogenannte „Teslagrinsen“!

(…) Das vollständige Interview ist in der 14. Ausgabe des T&Emagazin zu finden, die am 1. April 2022 erschienen ist. Es ist aber auch auf Ninos YouTube Kanal zu sehen:

 

 


Dieser Beitrag entstammt der 14. Ausgabe des T&Emagazin, mit vielen weiteren spannenden Themen rund um E-Mobilität, Tesla und regenerative Energien.

Ein Exemplar der Ausgabe 14 kann gegen Versandkostenübernahme hier bestellt werden.

5 Exemplare10 Exemplare und 20 Exemplare zum Weiterverteilen zu geringen Mehrkosten.

Zu den Inhalten aller vorherigen, älteren Ausgaben geht es hier.

 

 

 

 

Inhalt der 14. Ausgabe:

  • Leser-Reaktionen
  • Editorial – Ein wirkliches Privileg
  • Tesla Welt – News des Quartals
  • Tesla – Eröffnung & Delivery Event Gigafactory Grünheide
  • Rede von Elon Musk
  • Tesla – Interview mit Jörg Steinbach
  • Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V.
  • Die Herausgeber – Tesla Owners Club Helvetia (TOCH)
  • S3XY CARS Community – Alles zum großen E-Auto Event
  • Elektroauto Guru – Warum sind E-Autos eigentlich so flott?
  • Elektromobilität – WLTP-Reichweitenschwindel
  • Elektromobilität – Car Maniac E-Auto-Tests
  • Veranstaltungen – Saus & Schmaus Brandenburg electric
  • Innovator – 6.000 Hände an Franz Liebmanns Lenkrad
  • Klimaschutz – Elektromobile Bahnerfahrungen
  • Klimaschutz – Wie umweltfreundlich ist die Bahn eigentlich?
  • T&Etalk – Rückblick: Ökostrom selber erzeugen & vermarkten
  • T&Etalk – Rückblick: Kostenlos Tesla fahren! – ist das verwerflich?
  • T&Etalk – Ausblick: Aktien zu E-Mobilität & Energie
  • T&Etalk – Ausblick: E-Fahrzeug Design
  • Klimaschutz – Gefährdet Tesla die Wasserversorgung?
  • Klimaschutz – Prof. Quaschning: Putins Krieg und unser Öl und Gas
  • Klimaschutz – Erfahrungsbericht PV, Wärmepumpe & E-Auto
  • Zukunftstrends – Trends formen unsere Welt
  • Wirtschaft – Interview mit Presse-Großhändler Carsten Müller
  • Technophilosoph – Dr. Mario Herger zu Lügen der Autokonzerne
  • Wirtschaft – E-Flugzeug: Die leise Revolution am Himmel
  • Reisebericht – Über die Alpen mit Model X und Wohnwagen
  • Reisebericht – Alles für die Katz: Harus Abenteuer im Tesla
  • Fanboy – Gabor Reiter: E-Mobilität in Deutschland
  • … und einiges mehr
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