BMW i7 xDrive60 im Test: Luxus für über 200.000 Euro – mit Grenzen beim Laden

test

544 PS, Luftfederung und ein Innenraum, in dem selbst die Rückbank zur Lounge wird: Der BMW i7 xDrive60 zeigt, wie großzügig sich Elektromobilität inszenieren lässt. Im Fahrbericht von „Neulich an der Ladesäule“ überzeugt der umfangreich ausgestattete Testwagen vor allem mit Ruhe und Komfort. Seine Ladeleistung und die vielen Bedienmöglichkeiten hinterlassen einen gemischten Eindruck.

Ein Elektroauto für mehr als 200.000 Euro muss mehr bieten als einen kräftigen Antritt und große Bildschirme. Es soll lange Fahrten entspannter machen, seine Insassen verwöhnen und auch bei alltäglichen Aufgaben souverän bleiben.

Thomas Haase und Daniel Schmidt vom YouTube-Kanal @NeulichanderLadesaeule haben dafür einen BMW i7 xDrive60 mit M Sportpaket mehrere Tage gefahren. BMW stellte ihnen einen Testwagen mit besonders umfangreicher Sonderausstattung zur Verfügung. Die hier beschriebenen Fahreindrücke stammen aus diesem Video.

Der Bericht behandelt die ältere Ausführung mit 101,7-kWh-Akku und maximal 195 kW DC-Ladeleistung. Die inzwischen überarbeitete Modellversion wird bei der Einordnung zum Laden gesondert berücksichtigt.

Die technischen Daten des getesteten BMW i7 xDrive60

MerkmalWert
Leistung400 kW / 544 PS
Drehmoment745 Nm
AntriebElektrischer Allradantrieb
Nutzbare Batteriekapazität101,7 kWh
Maximale DC-Ladeleistung195 kW
DC-Ladezeit von 10 auf 80 ProzentRund 34 Minuten laut Hersteller
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h4,7 Sekunden laut Hersteller
LängeRund 5,39 Meter
Radstand3,215 Meter
Kofferraum500 Liter
Anhängelast, gebremstBis zu 2.000 Kilogramm
Verbrauch im FahrberichtEtwa 24–25 kWh/100 km laut Bordcomputer
Preis des TestwagensÜber 200.000 Euro laut Video

Die Herstellerdaten beziehen sich auf die im Video gefahrene Ausführung. Verbrauch und Fahrzeugpreis sind Angaben aus dem Fahrbericht.

Ein Auftritt, der Aufmerksamkeit verlangt

Schon die Front macht deutlich, dass dieser BMW keine Zurückhaltung übt. Die großen, beleuchteten Nieren und die optionalen Kristallscheinwerfer sorgen für einen auffälligen Auftritt. Der matte dunkle Lack und die 21-Zoll-Individualräder verstärken den Eindruck einer repräsentativen Luxuslimousine.

Das Design polarisiert auch die beiden Tester. Vor allem die wuchtige Front ist Geschmackssache. Der Gegenwert erschließt sich ihnen stärker im Innenraum als beim Blick auf die Karosserie.

Teuer ist diese Inszenierung in jedem Fall: Allein für den Lack nennen die Moderatoren mehr als 6.000 Euro Aufpreis. Zum im Video genannten Einstiegspreis von rund 139.000 Euro kommen beim Testwagen Sonderausstattungen für mehr als 60.000 Euro hinzu. Diese Beträge beschreiben die damalige Konfiguration.

Fahrkomfort: Hier spielt der i7 seine größte Stärke aus

Die deutlichste Begeisterung gilt dem Fahrgefühl. Der i7 fährt im Bericht ausgesprochen leise, federt angenehm und hält störende Vibrationen weitgehend von seinen Insassen fern. Die Luftfederung und der ruhige Elektroantrieb vermitteln den Eindruck, über die Straße zu gleiten.

Das ist für diese Fahrzeugklasse entscheidend. Eine Luxuslimousine muss auch nach Stunden hinter dem Steuer noch entspannen. Genau diesen Charakter erleben Thomas und Daniel im Testwagen.

Gleichzeitig überrascht der BMW mit seiner Agilität. Im Sportmodus wirken die rund 2,7 Tonnen weniger schwerfällig, als die Abmessungen erwarten lassen. Der Antritt ist kräftig, die Leistungsreserve groß. Die angegebenen 4,7 Sekunden auf Tempo 100 sind allerdings ein Herstellerwert und keine eigene Beschleunigungsmessung des Kanals.

Trotzdem wechseln die Tester schnell wieder zur komfortablen Abstimmung zurück. Der i7 kann sportlich fahren. Sein überzeugenderes Talent ist das gelassene Reisen.

Hinterachslenkung hilft – die Größe bleibt

Die mitlenkende Hinterachse erleichtert das Abbiegen und Rangieren. Ihr Verhalten wirkt beim ersten Kennenlernen allerdings ungewohnt. Der im Video zunächst als etwas schwammig beschriebene Eindruck entsteht in einer engen Kurve, in der auch die Hinterräder mitlenken.

Eine kompakte Limousine wird der BMW dadurch nicht. Die lange Haube lässt sich vom Fahrersitz aus nur eingeschränkt überblicken. Mit rund 5,39 Metern Länge verlangt der i7 beim Parken und in engen Zufahrten entsprechend Platz.

Bei der Verzögerung bietet er unterschiedliche Möglichkeiten: Im B-Modus erleben die Tester eine kräftige Rekuperation, während der Wagen im D-Modus auch rollen beziehungsweise segeln kann. Damit lässt sich das Fahrverhalten an persönliche Vorlieben anpassen.

Innenraum: Viel Komfort, viele Möglichkeiten

Im Innenraum zeigt sich, wohin ein erheblicher Teil des Budgets fließt. Großzügige Platzverhältnisse im Fond, dicke Teppiche, zahlreiche Displays und die umfangreiche Komfortausstattung schaffen eine besondere Atmosphäre.

Selbst die Türen übernehmen Arbeit: Beim Testwagen schließt die Fahrertür auf Wunsch automatisch, sobald das Bremspedal betätigt wird. Hinten wartet zudem ein großer, ausklappbarer Bildschirm. Die ausführliche Bewertung des Fond-Entertainments ist im zugrunde liegenden Video allerdings einer separaten Folge vorbehalten.

Die Eindrücke betreffen ein besonders reich ausgestattetes Fahrzeug. Wer einen i7 konfiguriert oder ein vorhandenes Exemplar auswählt, sollte deshalb genau auf dessen Ausstattungsliste schauen. Der Komfort dieses Testwagens lässt sich nicht allein aus der Modellbezeichnung ableiten.

Bedienung: Flüssiges Infotainment, aber zu viele Wege

Beim Infotainment fällt das Urteil differenziert aus. Die Navigation funktioniert gut, das System reagiert flüssig und die Sprachsteuerung versteht die im Video ausprobierten Fahrzeugbefehle zuverlässig. Auch das Head-up-Display erleichtert die Orientierung.

Weniger überzeugend ist die Übersichtlichkeit. Viele Funktionen lassen sich auf mehreren Wegen erreichen. Die Sitze können beispielsweise über Bedienelemente an der Tür oder über das Display verstellt werden. Dazu kommen zahlreiche Apps, Menüs und Ansichtsoptionen.

Diese Vielfalt ermöglicht eine weitreichende Personalisierung, verlangt aber Einarbeitung. Sortierbare Symbole und eigene Kurzbefehle helfen, lösen das grundsätzliche Problem jedoch nicht vollständig.

Auch die „Augmented View“ ist differenziert zu betrachten: Das Kamerabild erscheint im Fahrerdisplay. Es handelt sich nicht um eine Darstellung, die sämtliche Hinweise direkt im Head-up-Display über die reale Straße legt.

Verbrauch und Reichweite: Der große Akku braucht Reserven

Über mehrere Tage nennen die Tester einen Bordcomputerverbrauch von etwa 24 bis 25 kWh auf 100 Kilometer, einschließlich Autobahnfahrten. Der im Fahrzeug gespeicherte Langzeitdurchschnitt über rund 5.000 Kilometer liegt ebenfalls bei etwa 25 kWh/100 km.

Das sind Praxisbeobachtungen, keine standardisierte Verbrauchsmessung bei konstantem Tempo. Eine feste Autobahnreichweite lässt sich daraus deshalb nicht ableiten.

Mit 101,7 kWh nutzbarer Batteriekapazität entsprechen diese Werte rechnerisch etwa 405 bis 425 Kilometern von vollständig geladen bis leer. Für eine Ladeetappe von 80 auf 10 Prozent bleiben bei gleichem Verbrauch ungefähr 285 bis 300 Kilometer. Wetter, Geschwindigkeit und andere Bedingungen können das Ergebnis verändern.

Die im Video genannten rund 350 Kilometer Reiseentfernung sind entsprechend eine grobe Orientierung mit Reserve. Entscheidend ist, mit welchem Ladestand eine Fahrt beginnt und wann der nächste Stopp eingeplant wird.

Schnellladen: Beim getesteten Modell fehlt der Luxusvorsprung

Die maximale DC-Ladeleistung von 195 kW ist einer der wichtigsten Kritikpunkte des Fahrberichts. In Verbindung mit dem großen Akku wünschen sich die Moderatoren kürzere Ladepausen.

BMW nennt für diese Ausführung unter geeigneten Bedingungen rund 34 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Eine gemessene Ladekurve oder einen vollständigen Schnellladetest enthält das bereitgestellte Transkript nicht. Die Kritik beschreibt daher die Einordnung der technischen Möglichkeiten, nicht das Ergebnis einer eigenen Lademessung.

Einordnung zur aktuellen Modellversion: Für den inzwischen überarbeiteten BMW i7 60 xDrive nennt BMW eine 112,5-kWh-Batterie, bis zu 250 kW DC-Ladeleistung und 28 Minuten von zehn auf 80 Prozent. Die Ladekritik dieses Fahrberichts gilt somit ausdrücklich dem älteren Testwagen. Die aktualisierte Version wurde in diesem Video nicht geprüft.

Autobahnassistent: Hände frei, Aufmerksamkeit bleibt nötig

Die Unterstützung bei Abstand und Spurführung bewerten die Tester positiv. Auf geeigneten Autobahnabschnitten erlaubt der Autobahnassistent auch, die Hände vom Lenkrad zu nehmen. BMW nennt dafür einen Einsatzbereich bis 130 km/h.

Im Video sorgt die Fahrerüberwachung für Diskussionen: Schaut der Fahrer länger auf den Bildschirm, etwa bei der Suche nach einer Ladestation, folgen Warnungen und die Aufforderung zur Übernahme.

Das erklärt zugleich die Grenze des Systems. Die hier gezeigte Funktion arbeitet auf Level 2. Der Fahrer muss den Verkehr weiterhin aufmerksam verfolgen und jederzeit eingreifen können. Freihändiges Fahren bedeutet bei diesem Assistenten keine Freigabe für längere Nebentätigkeiten.

Alltag: Repräsentativ, aber kein Stauraumwunder

Der Kofferraum fasst 500 Liter. Für Reisegepäck ist das ordentlich, angesichts der Außenmaße fällt das Volumen jedoch weniger beeindruckend aus als das Platzangebot für die Passagiere.

Ein zusätzlicher Frunk fehlt. Unter der großen Fronthaube entsteht somit kein separat nutzbarer Gepäckraum. Die Anhängerkupplung des Testwagens erweitert die Einsatzmöglichkeiten; die gebremste Anhängelast beträgt bis zu zwei Tonnen.

Der i7 setzt seine Prioritäten klar: Er bietet vor allem Raum und Komfort für Menschen. Wer möglichst viel Gepäck bei möglichst handlichen Abmessungen transportieren möchte, findet darin nicht seine größte Stärke.

Fazit: Besonders überzeugend, wenn Komfort an erster Stelle steht

Der BMW i7 xDrive60 beeindruckt im Fahrbericht von „Neulich an der Ladesäule“ mit außergewöhnlicher Ruhe, angenehmer Federung und souveräner Leistung. Die umfangreiche Ausstattung macht selbst alltägliche Handgriffe komfortabler und verleiht dem Innenraum den Charakter einer rollenden Lounge.

Die Kehrseite sind enorme Abmessungen, ein sehr hoher Konfigurationspreis und eine Bedienung, die Geduld verlangt. Beim getesteten Modell bleibt außerdem das Schnellladen hinter dem Anspruch zurück, den sein aufwendiger Luxusauftritt weckt.

Für Menschen, die häufig lange Strecken fahren und dabei höchsten Wert auf Komfort legen, zeigt der Testwagen ein überzeugendes Profil. Wer vor allem kurze Ladepausen und eine besonders einfache Bedienung sucht, sollte die betreffende Modellversion genau prüfen. Der i7 aus diesem Fahrbericht ist vor allem eine hervorragende Reiselimousine mit Elektroantrieb.

Grundlage dieses Artikels ist das Video „BMW i7 Elektrisch im Test: Luxus ohne Kompromisse?“ von Neulich an der Ladesäule. Herstellerangaben ergänzen die technischen Daten; die Fahreindrücke stammen von Thomas Haase und Daniel Schmidt.


Die Zeitschrift kann gegen Übernahme der Porto- und Versandkosten an dieser Stelle bestellt werden.

Aus dem Inhalt:

  • COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
  • TESLA – Neues aus der Tesla Welt
  • TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
  • TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
  • TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
  • Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
  • Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
  • elektrische COMMUNITY – Das Programm
  • ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
  • STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
  • GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
  • E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
  • KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
  • WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
  • WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
  • FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.