
BMW will seine Fahrerassistenz in Deutschland 2027 um Abbiegen, Kreisverkehr-Durchfahrten und weitere Stadtmanöver erweitern. Das System bleibt auf SAE Level 2: Der Mensch muss den Verkehr fortlaufend überwachen. Behördliche Bestätigung, genauer Starttermin und Preise sind noch offen.
Neue Manöver entlang der Navigationsroute
BMW hat am 2. November die Erweiterung seines Autobahn- und City Assistenten angekündigt. Bei aktiver Zielführung über BMW Maps sollen zusätzliche Funktionen Abbiegen, städtische Spurwechsel, Vorfahrtssituationen und Kreisverkehre unterstützen.
Level 2 verlangt fortlaufende Überwachung
Die Einordnung als SAE Level 2 beschreibt die Aufgabenverteilung zwischen Mensch und Fahrzeug. Das Bundesverkehrsministerium erläutert diese Stufe als Teilautomatisierung: Die Technik kann Beschleunigen, Bremsen und Lenken übernehmen, die fahrende Person muss aufmerksam bleiben. Eine umfangreichere Liste unterstützter Manöver hebt diese Pflicht nicht auf.
Für die Nutzung bedeutet das: Auch während eines assistierten Abbiegevorgangs muss der Mensch das Verkehrsgeschehen verfolgen und eingreifen können. Die Überwachung umfasst weiterhin die Umgebung, den Systembetrieb und Situationen, in denen ein Eingriff erforderlich wird.
Das Ministerium unterscheidet außerdem zwischen assistiertem, automatisiertem und autonomem Modus. Im assistierten Modus bleibt die Verantwortung für die Fahraufgabe beim Menschen. Erst bei entsprechend zugelassenen automatisierten Funktionen kann unter den vorgesehenen Bedingungen eine andere Aufgabenverteilung gelten. Die angekündigte Stadterweiterung ist von BMW ausdrücklich als Level 2 eingeordnet.
Mehr Unterstützung verändert die Rolle am Steuer
Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat betont in seinem Beschluss zur sicheren Nutzung assistierter Fahrfunktionen vom Oktober 2025 ebenfalls die kontinuierliche Überwachung bei Level 2. Er warnt vor Unklarheiten darüber, welcher Fahrmodus aktiv ist und welche Aufgaben der Mensch weiterhin erfüllen muss. Solche Missverständnisse können das Situationsbewusstsein beeinträchtigen.
Der DVR fordert deshalb verständliche Informationen zu Aktivierungsstatus, Systemgrenzen und Fahrerrolle. Diese allgemeine Anforderung ist für Stadtassistenz besonders relevant: Ein Fahrzeug, das mehrere Manöver unterstützt, kann mehr Tätigkeiten abnehmen, ohne den Menschen von der Beobachtungspflicht zu entbinden. Die Zahl der automatisch ausgeführten Handlungen und der Automatisierungsgrad sind deshalb getrennt zu betrachten.
Auch Bezeichnungen wie Level 2+ schaffen keine zusätzliche SAE-Automatisierungsstufe. Entscheidend bleibt, ob eine Funktion kontinuierliche Überwachung verlangt oder die Fahraufgabe innerhalb ihrer zugelassenen Bedingungen selbst übernimmt.
Welche Modelle und Ausstattung BMW nennt
BMW nennt die neuen iX3 und iX4 sowie die Baureihen 3er, 7er und X5. Bei den entsprechenden neuen Modellen sei die notwendige Hardware serienmäßig vorhanden. Die Software soll auch nach dem Kauf freigeschaltet und drahtlos installiert werden.
Die grundsätzliche Update-Strategie hatte BMW bereits beim Capital Market Day am 30. September 2026 beschrieben. Kunden der neuen Fahrzeuggeneration sollen erweiterte Assistenzfunktionen nachträglich hinzubuchen können. Die Ankündigung bezieht sich damit auf eine technische Fahrzeuggeneration; allein ein bekannter Modellname belegt noch keinen Anspruch eines älteren Bestandsfahrzeugs auf das Stadtupgrade.
Für die in Deutschland vorgesehene Erweiterung verweist BMW auf die Entwicklungszusammenarbeit mit Qualcomm. In China verfolgt das Unternehmen einen anderen Entwicklungsansatz mit Momenta. Funktionsankündigungen für diese Märkte sind deshalb nicht ohne Weiteres auf das deutsche Angebot übertragbar.
Was vom bisherigen Funktionsumfang zu unterscheiden ist
Die Entwicklung baut auf vorhandenen Assistenzfunktionen auf. BMW meldete bereits am 30. Oktober 2025 eine DCAS-Genehmigung für den neuen iX3. Damals beschrieb der Hersteller den Autobahnassistenten mit freihändiger Nutzung bis 130 km/h bei weiterhin erforderlicher Aufmerksamkeit. Hinzu kamen blickbestätigte Spurwechsel und eine Unterstützung an Autobahnkreuzen und Ausfahrten bei aktiver Navigation.
Für den deutschen Marktstart des iX3 kündigte BMW damals außerdem automatisiertes Stoppen und Wiederanfahren an roten Ampeln an. Komplexere Stadtfunktionen sollten später per Software folgen. Die aktuelle Erweiterung betrifft somit zusätzliche Manöver innerhalb eines bereits bestehenden Assistenzkonzepts.
Die für den Autobahnassistenten genannte Geschwindigkeit von 130 km/h ist dabei keine Freigabe für den angekündigten Stadtbetrieb. Ebenso lässt sich aus einer bestehenden Autobahnfunktion nicht ableiten, welche innerstädtischen Situationen eine spätere Softwareversion vollständig abdeckt.
Eingriffe sollen mit der Assistenz zusammenwirken
Unter der Bezeichnung BMW Symbiotic Drive beschreibt der Hersteller ein kooperatives Bedienkonzept. Wie BMW im September erläuterte, können Fahrende bei aktivierter Assistenz beschleunigen, lenken oder bremsen, ohne dadurch sofort die Unterstützung bei Längs- und Querführung abzuschalten. Menschlicher Eingriff und Assistenz sollen sich ergänzen.
Das unterscheidet die Bedienlogik von einer pauschalen Abschaltung bei jeder kleinen Korrektur. Es verändert jedoch nicht die Einstufung als überwachte Fahrerassistenz. Die Beschreibung des gewünschten Zusammenspiels ist eine Herstellerangabe und belegt für sich genommen noch keinen Sicherheitsvorteil im späteren Stadtverkehr.
Behördliche Bestätigung und genauer Start stehen aus
BMW nennt die UN-Regelung Nr. 171, DCAS Serie 02, als Genehmigungsgrundlage. Ein unabhängiger technischer Dienst habe die nötigen Realverkehrstests abgeschlossen. Die behördliche Bestätigung erwartet BMW Anfang 2027. Der deutsche Rollout ist für 2027 vorgesehen, ohne konkreten Termin. Weitere Länder sollen folgen.
Erfolgreich absolvierte Prüfungen und eine erteilte Genehmigung sind unterschiedliche Schritte. Die Meldung beschreibt den vom Hersteller mitgeteilten Prüfstand, nicht eine bereits abgeschlossene Freigabe der neuen Stadtfunktionen für Kundenfahrzeuge.
Zu den Preisen der Erweiterung liegen laut dem Fachmedium Electrive noch keine konkreten Angaben vor. Preise bisheriger Assistenzpakete lassen sich deshalb nicht als verbindliche Kosten des angekündigten Upgrades verwenden. Auch die serienmäßige Hardware sagt noch nichts darüber aus, ob eine spätere Freischaltung kostenlos ist.
Eine vollständige Beschreibung der Einsatzgrenzen des neuen Stadtumfangs fehlt in der Ankündigung. Offen bleiben insbesondere die Abdeckung unterschiedlicher Kreuzungsformen sowie konkrete Grenzen bei Wetter und Sicht. Bis zur Genehmigung und Veröffentlichung der endgültigen Funktionsbedingungen bleibt daher zwischen angekündigten Fähigkeiten und dem tatsächlich buchbaren Angebot zu unterscheiden.
Quellen
- electrive Deutschland – https://www.electrive.net/2026/11/02/autonom-auf-level-2-auch-in-der-stadt-bmw-kuendigt-assistenzupgrade-an/
- https://newsroom.bmwgroup.com/global/de/bmw-erweitert-urbane-fahrerassistenzfunktionen-ab-2027/
- https://newsroom.bmwgroup.com/global/smart-safe-symbiotic-bmw-group-is-the-first-car-manufacturer-in-germany-to-receive-international-approval-for-innovative-assistance-systems-in-accordance-with-the-new-dcas-regulation
- https://newsroom.bmwgroup.com/global/de/agilitaet-effizienz-ki-basierte-innovationen-bmw-group-stellt-weichen-fuer-mehr-profitabilitaet-und-resilienz
- https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Artikel/StV/Digitalisierung-der-Mobilitaet/automatisiertes-und-vernetztes-fahren.html
- https://www.dvr.de/ueber-uns/positionen-des-dvr/beschluesse/sichere-nutzung-assistierter-fahrfunktionen-level-2

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Aus dem Inhalt:
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- TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
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- STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
- GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
- E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
- KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
- WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
- WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
- FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt



