

Der Leapmotor T03 gehört mit einem Listenpreis von 18.900 Euro zu den günstigsten Elektroautos auf dem deutschen Markt. Doch wie viel Auto bekommt man dafür tatsächlich? YouTuber @hallohagen hat den kleinen Stromer zwei Wochen lang im Alltag getestet – auf dem Arbeitsweg, beim Einkauf, auf der Landstraße, der Autobahn und an der Ladesäule. Sein Fazit überrascht: Der T03 kann deutlich mehr, als Preis und Abmessungen vermuten lassen.
Wer regelmäßig große Elektroautos mit enormen Akkus, dreistelligen Ladeleistungen und Preisen jenseits der 50.000-Euro-Marke sieht, könnte den Leapmotor T03 vorschnell als rollenden Verzicht abstempeln. Mit nur 3,62 Metern Länge, 95 PS und maximal 130 km/h ist er schließlich klar als Stadt- und Pendlerauto konzipiert.
Doch genau darin liegt sein Reiz. Der T03 möchte kein Langstrecken-Gleiter und kein Statussymbol sein. Er soll den täglichen Arbeitsweg bewältigen, in enge Parklücken passen, wenig Strom verbrauchen und dabei bezahlbar bleiben.
Für seinen zweiwöchigen Alltagstest wechselte @hallohagen ausgerechnet von einem Mercedes EQS in den kleinen Leapmotor. Ein größerer Kontrast ist kaum vorstellbar. Trotzdem stellte sich nach zahlreichen Fahrten die Frage: Braucht man für den überwiegenden Teil des Alltags wirklich mehr Auto?
Die wichtigsten technischen Daten
| Merkmal | Leapmotor T03 |
|---|---|
| Leistung | 70 kW (95 PS) |
| Drehmoment | 158 Nm |
| Antrieb | Frontantrieb |
| Batterie | 37,3 kWh |
| WLTP-Reichweite | bis zu 265 Kilometer |
| WLTP-Stadtreichweite | bis zu 395 Kilometer |
| WLTP-Verbrauch | 16,3 kWh/100 km |
| AC-Ladeleistung | maximal 6,6 kW |
| DC-Ladeleistung | maximal 45 kW |
| DC-Ladezeit 30–80 Prozent | rund 36 Minuten |
| Höchstgeschwindigkeit | 130 km/h |
| Kofferraum | 210 Liter |
| Kofferraum umgeklappt | bis zu 880 Liter |
| Länge | 3,62 Meter |
| Listenpreis | 18.900 Euro |
Die Tabelle basiert auf den Herstellerangaben zum Leapmotor T03, Datenstand August 2026.
Kleinwagenformat mit erstaunlichem Alltagsnutzen

Von außen ist der Leapmotor T03 ein echter Kleinstwagen. Seine geringe Länge macht ihn besonders für den Stadtverkehr, enge Wohngebiete und die Parkplatzsuche interessant. Gleichzeitig verfügt er über vier Türen und vier vollwertige Sitzplätze.
Vorne fällt das Platzangebot ordentlich aus. Auch die Sitzposition überzeugte im Test. Obwohl die Sitze einfach aufgebaut und ausschließlich mechanisch verstellbar sind, erwiesen sie sich selbst an langen Drehtagen als überraschend bequem. Für den Tester war das besonders bemerkenswert, da er aufgrund von Rückenproblemen empfindlich auf schlechte Autositze reagiert.
Im Fond wird dagegen deutlich, dass der T03 kein Familienvan ist. Hinter einem Erwachsenen bleibt nur begrenzte Beinfreiheit. Vier Personen können zwar mitfahren, viel Reserve gibt es dann aber nicht mehr. Hinzu kommt eine Zuladung von lediglich rund 300 Kilogramm. Mit vier Erwachsenen kann dieses Limit bereits nahezu erreicht sein.
Auch der 210 Liter große Kofferraum setzt Grenzen. Für den Wocheneinkauf oder das übliche Pendlergepäck reicht er aus. Werden die Rücksitze umgelegt, stehen bis zu 880 Liter zur Verfügung. Umzugskartons und größere Gegenstände lassen sich damit transportieren – eine Waschmaschine durch die vergleichsweise kleine Hecköffnung zu manövrieren, dürfte dagegen schwierig werden.


Bedienung: Vieles ist angenehm unkompliziert
Der T03 zeigt, dass ein günstiges Elektroauto nicht zwangsläufig bei jeder Funktion sparen muss. Das Lenkrad besitzt klassische Tasten für Lautstärke, Telefon, Medien und Tempomat. Besonders praktisch ist die Home-Taste: Wer sich in einem Untermenü des zentralen Displays verirrt, gelangt damit schnell zurück zur Startansicht.
Auch elektrische Fensterheber vorne und hinten, elektrisch einstellbare Außenspiegel, eine Rückfahrkamera und Parksensoren sind vorhanden. Der Fahrtrichtungswechsel erfolgt unkompliziert über einen Lenkstockhebel.
Weniger überzeugend ist die Klimatisierung. Heizung, Kühlung, Lüftung und Luftverteilung werden fast vollständig über den Touchscreen gesteuert. Zudem wirken die getrennten Betriebsarten unnötig kompliziert. Eine klassische Temperaturwahl mit einfachem Ein- und Ausschalten der Klimaanlage wäre während der Fahrt intuitiver.
Ebenfalls schwach präsentierte sich das Radio im Testwagen. Der Empfang ließ zu wünschen übrig, während Sender teilweise nur anhand ihrer Frequenz statt mit einem verständlichen Namen angezeigt wurden. Über Bluetooth lassen sich Musik, Podcasts und Telefonate dagegen problemlos nutzen und über das Lenkrad bedienen.
Die Sprachsteuerung hinterließ keinen besonders ausgereiften Eindruck. Einfache, zuvor gespeicherte Navigationsziele wie „Arbeit“ oder „Zuhause“ ließen sich abrufen. Darüber hinaus war die Trefferquote eher überschaubar.

Keine Sitzheizung, dafür Vorklimatisierung per App
Eine Sitz- oder Lenkradheizung bietet der T03 nicht. Gerade im Winter könnte das fehlen, zumal eine gezielte Sitzheizung häufig weniger Energie benötigt als das vollständige Aufwärmen des Innenraums.
Teilweise ausgleichen lässt sich dieser Nachteil durch die Vorklimatisierung. Über die App oder eine voreingestellte Zeit kann der Innenraum bereits vor der Abfahrt temperiert werden. Gleichzeitig werden vereiste oder beschlagene Scheiben vorbereitet.
Eine Heckscheibenheizung ist vorhanden, ebenso beheizbare Außenspiegel. Auf einen Heckscheibenwischer verzichtet Leapmotor. Während des zweiwöchigen Tests wurde er allerdings kaum vermisst.
Assistenzsysteme: Viel Ausstattung, aber nicht immer treffsicher

Für ein Elektroauto dieser Preisklasse bringt der T03 eine beachtliche Zahl an Assistenzsystemen mit. Dazu gehören unter anderem:
- adaptiver Tempomat mit Abstandsregelung
- Spurverlassenswarner mit Lenkeingriff
- Notbremsassistent und Kollisionswarnung
- Verkehrszeichenerkennung mit Geschwindigkeitswarner
- Aufmerksamkeits- und Müdigkeitswarner
- Parksensoren und Rückfahrkamera
Der adaptive Tempomat funktionierte im Test zuverlässig und konnte sogar im Stadtverkehr sinnvoll eingesetzt werden. Der gewünschte Abstand lässt sich in drei Stufen wählen.
Gewöhnungsbedürftig ist dagegen die Bedienung: Dieselbe Taste übernimmt mehrere Funktionen. Nach einem kurzen Druck wird die aktuelle Geschwindigkeit gespeichert. Für eine Änderung muss anschließend innerhalb eines kurzen Zeitfensters die Lautstärkewippe verwendet werden. Verpasst man diesen Moment, wird statt der Geschwindigkeit plötzlich das Radio lauter. Nach einer kurzen Eingewöhnung ließ sich das System dennoch gut nutzen.
Der Spurhalteassistent zentriert das Fahrzeug nicht dauerhaft in der Fahrbahn. Er erkennt jedoch das Verlassen der Spur und lenkt dezent zurück. Auch der Kollisionswarner reagierte zuverlässig, in manchen Situationen allerdings etwas früh.
Zwei Pflichtwarner können schnell nerven
Weniger gelungen sind der Aufmerksamkeitsassistent und die Geschwindigkeitswarnung. Schon ein kurzer Blick auf das Display kann ausreichen, um eine Warnung auszulösen. Hinzu kommt, dass Verkehrszeichen und Zusatzschilder nicht immer korrekt erkannt werden.
Das Problem wird durch die relativ große Tachoabweichung verstärkt. Im Test entsprachen angezeigte 50 km/h teilweise nur etwas mehr als 40 km/h nach GPS. Wer sich ausschließlich am Tacho orientiert, kann dadurch ungewollt zum Verkehrshindernis werden. Fährt man etwas schneller, um real die erlaubte Geschwindigkeit zu erreichen, meldet sich wiederum der Warnton.
Immerhin lassen sich beide Systeme nach jedem Fahrzeugstart mit wenigen Eingaben deaktivieren. Der Müdigkeitswarner bleibt davon unberührt und erkannte im Test sogar ein Gähnen des Fahrers.
Das Fahrwerk ist der größte Schwachpunkt

Der deutlichste Kritikpunkt betrifft den Federungskomfort. Der T03 rollt nicht besonders geschmeidig ab, sondern wirkt auf unebenen Straßen häufig nervös und ruppig. Vor allem Querfugen und Betonfahrbahnen können unangenehm in den Innenraum durchdringen.
Andere Fahrer empfanden die Abstimmung laut @hallohagen weniger störend. Möglicherweise spielen die Bereifung und das persönliche Komfortempfinden eine Rolle. Wer sich für den T03 interessiert, sollte deshalb unbedingt eine längere Probefahrt auf unterschiedlichen Straßen einplanen.
Grundsätzlich vermittelt die Karosserie dennoch einen stabilen Eindruck. Trotz der vielen Kunststoffoberflächen klapperte oder knarzte im Testwagen nichts. Der Innenraum wirkt einfach, aber keineswegs wie eine billige oder instabile Konstruktion.
In der Stadt zu Hause, auf der Autobahn nur zu Besuch
Mit 95 PS ist der T03 kein sportliches Elektroauto. Im Stadtverkehr reicht die Leistung jedoch problemlos aus. Der unmittelbar ansprechende Elektroantrieb, die kompakten Abmessungen und die gute Übersicht machen ihn zu einem angenehmen Begleiter auf kurzen und mittleren Strecken.
Auch Autobahnfahrten sind möglich. Bei angezeigten 110 bis 120 km/h kann der T03 gut im Verkehr mitschwimmen. Seine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h zeigt allerdings deutlich, dass schnelle Langstrecken nicht zum Hauptzweck gehören.
Ab etwa 100 km/h nehmen die Windgeräusche spürbar zu. Im Bereich der Türen und Dichtungen war im Testwagen ein deutliches Säuseln wahrnehmbar. Zusammen mit dem straffen Fahrwerk sorgt das dafür, dass längere Autobahnetappen anstrengender werden als in größeren und besser gedämmten Fahrzeugen.
Unmöglich ist die Fernreise trotzdem nicht. Wer sich mit moderatem Tempo, der rechten Fahrspur und regelmäßigen Ladepausen arrangiert, erreicht auch weiter entfernte Ziele. Besonders komfortabel oder zeitsparend wird die Reise allerdings nicht.

Überraschend niedriger Verbrauch
Eine der größten Stärken des Leapmotor T03 ist sein geringer Energiebedarf. Im gemischten Testbetrieb zeigte das Fahrzeug zeitweise Werte um 12 kWh pro 100 Kilometer an. Für den rund 32 Kilometer langen Weg zum Büro wurden laut Bordcomputer ungefähr drei Kilowattstunden benötigt.
Selbst bei schneller Autobahnfahrt und widrigen Bedingungen stieg die Verbrauchsanzeige im Test nicht wesentlich über 20 kWh pro 100 Kilometer. Bei moderater Autobahnfahrt lagen die Werte eher im Bereich von 15 bis 16 kWh.
Aus der Praxis ergaben sich damit ungefähr folgende Reichweiten:
- rund 180 bis 200 Kilometer bei längeren Autobahnetappen
- etwa 140 bis 150 Kilometer nutzbare Strecke zwischen sinnvollen Ladestopps
- deutlich mehr Reichweite im Stadt- und Pendlerbetrieb
Diese Werte sind keine standardisierten Messungen und hängen stark von Temperatur, Geschwindigkeit, Heizung und Wetter ab. Sie zeigen aber, dass der kleine Akku für den vorgesehenen Einsatzzweck ausreichen kann.
Ein Ausflug mit 100 Kilometern Hin- und Rückweg lässt sich bei voller Batterie unter günstigen Bedingungen ohne Ladestopp bewältigen. Für viele tägliche Fahrprofile dürfte der T03 sogar nur ein- oder zweimal pro Woche an die Steckdose müssen.
Günstig fahren, langsam laden
Beim Stromverbrauch kann der T03 punkten, bei der Ladeleistung dagegen nicht. Mit maximal 45 kW am DC-Schnelllader gehört er zu den langsameren aktuellen Elektroautos. Laut Hersteller dauert der Bereich von 30 auf 80 Prozent rund 36 Minuten. Je nach Batterietemperatur und Ladezustand kann der Aufenthalt auch länger ausfallen.
Für gelegentliche längere Fahrten ist das akzeptabel. Wer jede Woche mehrere Hundert Kilometer über die Autobahn fährt, dürfte sich an den vergleichsweise langen Pausen jedoch schnell stören.
Auch mit maximal 6,6 kW Wechselstrom lädt der T03 eher gemächlich. Über Nacht an einer Wallbox spielt das kaum eine Rolle. Für kurze Zwischenladungen an öffentlichen AC-Säulen wäre eine dreiphasige 11-kW-Lösung praktischer.
Dafür bleiben die reinen Energiekosten niedrig. Bei einem Haushaltsstrompreis von 30 Cent pro Kilowattstunde lassen sich 100 Kilometer im Sommer für ungefähr vier Euro zurücklegen. Im Winter können es je nach Heizbedarf eher sechs bis sieben Euro werden. Ladeverluste müssen bei dieser Rechnung zusätzlich berücksichtigt werden.
Die größten Stärken und Schwächen
| Stärken | Schwächen |
|---|---|
| Niedriger Listenpreis | Ruppiger Federungskomfort |
| Sehr geringer Alltagsverbrauch | Nur 45 kW DC-Ladeleistung |
| Kompakte und wendige Abmessungen | Klimabedienung fast nur über das Display |
| Überraschend bequeme Vordersitze | Deutliche Windgeräusche auf der Autobahn |
| Umfangreiche Assistenzsysteme | Keine Sitz- oder Lenkradheizung |
| Adaptiver Tempomat serienmäßig | Enge Rücksitze und geringe Zuladung |
| Rückfahrkamera und Parksensoren | Teilweise ungenaue Verkehrszeichenerkennung |
| Vorklimatisierung per App | Schwacher Radioempfang im Testwagen |
Fazit: Nicht perfekt, aber erstaunlich vernünftig
Der Leapmotor T03 versucht nicht, ein vollwertiger Ersatz für einen großen Reise- oder Familienwagen zu sein. Sein Fahrwerk ist ruppig, auf der Autobahn wird es laut und beim Schnellladen braucht man Geduld. Auch die Bedienung der Klimatisierung und einige Assistenzwarnungen verdienen Nachbesserung.
Gleichzeitig erledigt der kleine Stromer seine eigentliche Aufgabe überraschend überzeugend. Er fährt sparsam, bietet bequeme Vordersitze, eine brauchbare Ausstattung und genügend Reichweite für Arbeitsweg, Einkauf, Stadtverkehr und Wochenendausflüge.
Genau deshalb ist der Vergleich mit dem deutlich teureren Mercedes EQS so interessant. Natürlich bietet der Luxus-Stromer mehr Komfort, Reichweite, Platz und Leistung. Im gewöhnlichen Pendleralltag führt jedoch auch der T03 ans Ziel – bei erheblich niedrigeren Anschaffungs- und Energiekosten.
Wer hauptsächlich kurze bis mittlere Strecken fährt, zu Hause oder am Arbeitsplatz laden kann und keine hohen Ansprüche an Autobahnkomfort und Ladegeschwindigkeit stellt, bekommt für 18.900 Euro erstaunlich viel Elektroauto. Für Familienreisen und regelmäßige Langstrecken gibt es bessere Lösungen. Als Stadtwagen, Zweitauto oder günstiger Pendler-Stromer trifft der Leapmotor T03 seinen Zweck dagegen ziemlich genau.
Den vollständigen Praxistest gibt es im Video von @hallohagen. Weitere Teile des zweiwöchigen Tests sind auf dem YouTube-Kanal Hallo Hagen zu finden.
Seid bei der elektrischen COMMUNITY 2026 in Fulda dabei !
Tickets und Infos findet Ihr hier : https://www.elektrische-community.de/




