Mercedes CLA 200 Shooting Brake im Test: Effizienz statt riesiger Batterie

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Der Mercedes CLA 200 Shooting Brake bildet den Einstieg in die elektrische Kombi-Baureihe. Mit 224 PS, einem 58-kWh-Akku und bis zu 200 kW Ladeleistung klingt er zunächst eher vernünftig als spektakulär. Im ausführlichen Test von VOLTVISION zeigt sich jedoch: Gerade die Basisversion könnte einer der interessantesten Elektro-Kombis des Jahres sein.

Bei Fahrzeugvorstellungen stehen meistens voll ausgestattete Topmodelle mit großen Akkus, gewaltiger Leistung und entsprechend hohen Preisen im Mittelpunkt. Der YouTube-Kanal VOLTVISION hat deshalb bewusst einen anderen Weg gewählt und den elektrischen Mercedes CLA 200 Shooting Brake nahezu in Basisausstattung getestet.

Rund 3.000 Kilometer war der Kombi unterwegs. Dabei wurden nicht nur Platzangebot, Komfort und Assistenzsysteme geprüft, sondern auch Verbrauch, Beschleunigung und Ladeleistung gemessen. Das Ergebnis fällt überraschend deutlich aus: Der kleinste elektrische CLA muss sich vor seinen stärkeren Geschwistern keineswegs verstecken.

Technische Daten des Mercedes CLA 200 Shooting Brake

MerkmalWert
Leistung165 kW (224 PS)
Drehmoment335 Nm
AntriebHinterradantrieb
Batterie58 kWh netto, LFP
WLTP-Reichweitebis zu 525 Kilometer
DC-Ladeleistungbis zu 200 kW
DC-Ladezeit 10–80 Prozent20 Minuten laut Hersteller
Beschleunigung 0–100 km/h7,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit210 km/h
Kofferraum455 Liter
Frunk101 Liter
Anhängelast gebremstbis zu 1.500 Kilogramm
Länge4,72 Meter

Die offiziellen technischen Daten der verschiedenen Varianten stellt Mercedes-Benz auf seiner Modellseite zum elektrischen CLA Shooting Brake bereit.

Eleganter Kombi mit konsequentem Effizienzdesign

Mit einer Länge von 4,72 Metern ist der CLA Shooting Brake kein kleines Auto, wirkt durch seine flache Silhouette jedoch deutlich kompakter. Das Dach fällt nach hinten nur leicht ab, während die seitliche Linienführung den Eindruck eines sportlicheren Kombis erzeugt.

Besonders auffällig sind die beleuchteten Mercedes-Sterne an der Front. Wer diese Inszenierung zu verspielt findet, kann sie über das Fahrzeugmenü deaktivieren.

Der Testwagen stand auf vergleichsweise kleinen 17-Zoll-Felgen. Optisch sind sie sicherlich nicht die aufregendste Wahl im Konfigurator. Für die Effizienz spielen sie jedoch eine entscheidende Rolle. Trotz montierter Winterreifen erreichte der CLA im Test außergewöhnlich niedrige Verbrauchswerte.

Wer mehr Wert auf die Optik legt, kann größere Räder auswählen. Damit dürften jedoch Verbrauch und Reichweite etwas schlechter ausfallen.

455 Liter im Heck und ein überraschend großer Frunk

Der hintere Kofferraum bietet 455 Liter. Für einen 4,72 Meter langen Kombi ist das kein Spitzenwert, in der Praxis wirkte der Stauraum im Test aber besser nutzbar, als die reine Zahl vermuten lässt. Die Rücksitzlehne ist im Verhältnis 40:20:40 geteilt, wodurch sich beispielsweise lange Gegenstände transportieren lassen, ohne die komplette Rückbank umlegen zu müssen.

Ein echtes Argument für den CLA befindet sich unter der Fronthaube: Der Frunk fasst 101 Liter. Damit nimmt er nicht nur Ladekabel auf, sondern bietet genug Platz für eine kleine Reisetasche oder einen kompakten Koffer. Gerade bei einem Familien- oder Außendienstfahrzeug ist dieser zusätzliche Stauraum ausgesprochen praktisch.

Weniger elegant ist lediglich die Öffnung: Die Fronthaube muss wie früher bei einem Verbrenner über einen Hebel im Innenraum entriegelt werden. Eine Öffnung per App oder über das Mercedes-Emblem wäre komfortabler gewesen.

Im Fond ausreichend, aber kein Raumwunder

Auf den vorderen Plätzen bietet der CLA bequeme Sitze und eine gute Sitzposition. Selbst auf längeren Strecken verursachten die Basissitze im Test keine Beschwerden. Überraschend für diese Preisklasse: In der Grundausstattung werden die Vordersitze noch manuell verstellt. Elektrische Sitze mit Memory-Funktion kosten zusätzlich.

Im Fond können auch Erwachsene ordentlich sitzen. Bei einer Körpergröße von etwa 1,80 Metern bleiben Bein- und Kopffreiheit ausreichend, besonders großzügig fällt das Platzangebot allerdings nicht aus. Größere Personen sollten wegen der abfallenden Dachlinie unbedingt probesitzen.

Das serienmäßige Panoramaglasdach sorgt für ein helles und luftiges Raumgefühl. Mehrere Testpersonen bemängelten allerdings, dass bei starker Sonneneinstrahlung spürbar Wärme in den Innenraum gelangt.

Hochwertige Technik trifft auf sichtbare Sparmaßnahmen

Im Cockpit zeigt sich ein gemischtes Bild. Lenkrad, Lüftungsdüsen, Displays und Sitze hinterlassen einen guten Eindruck. Auch das MBUX-System überzeugte mit schnellen Reaktionen, kabellosem Apple CarPlay und Android Auto sowie einer verständlichen Ladeplanung.

Die Sprachsteuerung erkennt nicht nur feste Befehle. Auch Aussagen wie „Mir ist warm“ werden verstanden und führen zu einer entsprechenden Anpassung der Klimatisierung. Das Navigationssystem zeigt verfügbare Ladestationen, deren Auslastung und wichtige Fahrspuren übersichtlich an.

An anderen Stellen macht sich der Rotstift bemerkbar. Vor allem Teile der Mittelkonsole, die unteren Türbereiche und einige Ablagefächer bestehen aus einfachem Hartplastik. Lose Gegenstände können dadurch während der Fahrt unangenehm klappern. Für ein Fahrzeug mit Mercedes-Stern und Premiumanspruch wirkt das stellenweise zu schlicht.

Positiv überraschte dagegen das serienmäßige Audiosystem. Es ersetzt keine hochwertige Burmester-Anlage, reicht für Radio, Podcasts und normale Musikwiedergabe aber vollkommen aus.

224 PS reichen im Alltag problemlos

Mit 224 PS und Hinterradantrieb ist der CLA 200 kein Hochleistungsmodell. Langsam fühlt er sich dennoch nicht an. Mercedes nennt 7,6 Sekunden für die Beschleunigung auf 100 km/h. Im Test wurden sogar 7,4 Sekunden gemessen.

Die Leistungsentfaltung wirkt harmonisch und für den Alltag mehr als ausreichend. Das Fahrwerk ist grundsätzlich komfortabel abgestimmt und verarbeitet lange Bodenwellen souverän. Kurze, harte Unebenheiten dringen allerdings deutlicher in den Innenraum durch als erwartet.

Die Lenkung arbeitet präzise, vermittelt sportlich orientierten Fahrern aber nur wenig Rückmeldung von der Straße. Für ein komfortables Familien- und Reisefahrzeug passt diese Abstimmung dennoch gut.

Besonders gelungen ist die starke Rekuperation. Der CLA lässt sich über weite Strecken mit nur einem Pedal fahren. Das mechanische Bremspedal musste während des Tests entsprechend selten benutzt werden.

Assistenzsysteme als eine der größten Überraschungen

Außergewöhnlich positiv bewertet VOLTVISION die optionalen Fahrassistenzsysteme. Abstand, Spurführung, Beschleunigung und Spurwechsel greifen harmonisch ineinander, ohne den Fahrer ständig mit unnötigen Warnungen zu nerven.

Auch nach einem manuellen Lenkmanöver findet das System schnell zurück in die Spurführung. Der Tester bezeichnete das Mercedes-System als eines der besten, die er bislang gefahren ist. Wer häufig lange Autobahnstrecken zurücklegt, sollte den optionalen MB.Drive Assist daher bei der Konfiguration berücksichtigen.

Ebenfalls überzeugend arbeitet der Parkassistent. Das Fahrzeug erkennt geeignete Lücken und führt das Ein- oder Ausparken innerhalb weniger Sekunden selbstständig aus. Zusammen mit der 360-Grad-Kamera ist das System hilfreich, allerdings nicht günstig.

Rekordverdächtiger Verbrauch bei Tempo 100 und 130

Die größte Stärke des CLA 200 ist seine Effizienz. Bei konstanten, realen 100 km/h ermittelte VOLTVISION einen Verbrauch von lediglich 14 kWh auf 100 Kilometer. Bei 130 km/h waren es 17 kWh auf 100 Kilometer.

Mit der nutzbaren Batteriekapazität von 58 kWh ergeben sich daraus rechnerisch folgende Reichweiten:

  • rund 410 Kilometer bei konstant 100 km/h
  • rund 340 Kilometer bei konstant 130 km/h

Diese Werte sind keine gemischten Alltagsverbräuche und gelten nur unter den Bedingungen des Tests. Sie zeigen aber eindrucksvoll, wie viel Reichweite sich durch eine effiziente Karosserie und einen sparsamen Antrieb aus einem relativ kleinen Akku herausholen lässt.

Gerade bei Autobahntempo ist ein Verbrauch von 17 kWh pro 100 Kilometer für einen elektrischen Kombi dieser Größe bemerkenswert.

Von zehn auf 80 Prozent in weniger als 19 Minuten

Auch an der Schnellladesäule übertraf der CLA 200 die Erwartungen. Mercedes gibt für den Ladevorgang von zehn auf 80 Prozent 20 Minuten an. Im Test benötigte das Fahrzeug lediglich 18 Minuten und 46 Sekunden. Von 80 auf 90 Prozent kamen nur etwa fünf weitere Minuten hinzu.

Damit kompensiert der CLA seinen kleineren Akku durch kurze Ladestopps. Auf langen Strecken zählt schließlich nicht nur die Reichweite einer Akkuladung, sondern die Kombination aus Verbrauch, Ladekurve und tatsächlich nachgeladener Reichweite.

Einen klaren Kritikpunkt gibt es dennoch: Der CLA basiert auf einer 800-Volt-Architektur. Für das DC-Laden an reinen 400-Volt-Säulen wird eine zusätzliche, aufpreispflichtige technische Ausstattung benötigt. Da im bestehenden Ladenetz weiterhin zahlreiche 400-Volt-Stationen stehen, sollte diese Option bei der Bestellung unbedingt berücksichtigt werden. Bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse wäre eine serienmäßige Lösung angemessener.

Windgeräusche trüben den Premiumeindruck

Bei normalem Reisetempo bleibt der CLA komfortabel. Oberhalb von etwa 140 bis 150 km/h nahmen die Windgeräusche im Test jedoch deutlich zu. Als mögliche Quellen wurden die A-Säulen, die Türen oder der Übergang zum Glasdach vermutet.

Bemerkenswert ist, dass dieses Verhalten bei einem zuvor getesteten CLA weniger ausgeprägt war. Es könnte sich daher teilweise um eine Besonderheit des Testwagens handeln. Dennoch erreicht die Geräuschdämmung bei hohem Tempo nicht durchgehend das Niveau, das man von einem aktuellen Mercedes erwartet.

Fazit: Die Basisversion ist erstaunlich komplett

Der Mercedes CLA 200 Shooting Brake zeigt, dass ein langstreckentaugliches Elektroauto nicht zwangsläufig einen riesigen Akku benötigt. Sein Erfolgsrezept besteht aus sehr niedrigem Verbrauch, einer stabilen Ladekurve und kurzen Ladestopps.

Zu den größten Stärken gehören die Effizienz, der 101 Liter große Frunk, die überzeugende Rekuperation und die hervorragend abgestimmten Assistenzsysteme. Auch Leistung, Fahrkomfort und Software lassen kaum das Gefühl aufkommen, lediglich die Basisversion zu fahren.

Kritik verdienen die teilweise einfachen Innenraummaterialien, die Windgeräusche bei höherem Tempo, der Wärmeeintrag durch das Glasdach und vor allem die aufpreispflichtige Kompatibilität mit 400-Volt-Schnellladern.

Der Testwagen kam zum Zeitpunkt der Aufnahme auf einen Listenpreis von knapp 54.000 Euro. Günstig ist der CLA 200 Shooting Brake damit nicht. Innerhalb des Premiumsegments liefert er jedoch ein überzeugendes Gesamtpaket.

Für Familien, Außendienstler und Vielfahrer, die einen eleganten Elektro-Kombi mit überschaubaren Abmessungen suchen, ist der CLA 200 eine ernsthafte Option. Wer noch mehr Reichweitenreserve benötigt, kann zum CLA 250 oder CLA 250+ greifen. Der effizienteste und vermutlich vernünftigste Einstieg bleibt aber der CLA 200.

Den vollständigen Fahrbericht gibt es im Video von VOLTVISION.


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