Seit 30 Jahren fehlerfrei: Autofahrer fordert Nachschulung für die Straße

Satire der Woche

Männer werden bei Pkw-Unfällen häufiger als Hauptverursacher erfasst. Der TÜV-Verband fordert deshalb lebenslange Mobilitätsbildung und eine Infrastruktur, die Fehler abfedert. Der fiktive Autofahrer Günther Blechmann begrüßt die Initiative ausdrücklich: Endlich werde auch die Straße in die Verantwortung genommen.

Die neuen Zahlen des Statistischen Bundesamtes sind für Günther Blechmann, 57, eine herbe Enttäuschung. Unter den männlichen Pkw-Fahrern, die 2025 an Unfällen mit Personenschaden beteiligt waren, galten 58,9 Prozent als Hauptverursacher. Bei den beteiligten Autofahrerinnen waren es 53,8 Prozent.

Günther hält die Auswertung für methodisch fragwürdig. In seinem Bekanntenkreis liegt der Anteil männlicher Unfallverursacher seit Jahrzehnten bei null Prozent. Sämtliche Vorfälle gingen auf plötzlich auftauchende Verkehrsteilnehmer, überraschend enge Kurven und eine generell nachlassende Qualität deutscher Parkhäuser zurück.

„Ich fahre seit 30 Jahren fehlerfrei“, erklärt er. Seine Werkstatt führt dazu eine abweichende Statistik.

Besonders erleichtert hat ihn deshalb die Forderung des TÜV-Verbands nach fehlerverzeihenden Straßen. Gemeint ist eine Infrastruktur, bei der menschliche Fehler möglichst keine schweren Folgen haben. Der Verband fordert außerdem Mobilitätsbildung bis ins hohe Alter und verweist bei den Geschlechterunterschieden auf mögliche Ursachen wie Risikoverhalten und unterschiedliche Fahrleistungen.

Günther hat aus der Mitteilung vor allem das Wort „verzeihend“ mitgenommen.

„Genau das fehlt hier. Die Straßen sind wahnsinnig nachtragend.“

In dem hier eröffneten satirischen Modellprojekt „Günther hat Vorfahrt“ erhält deshalb zunächst eine Leitplanke ein Kommunikationstraining. Sie soll lernen, bei Kontakt mit einem Fahrzeug ruhig zu bleiben, Schuldzuweisungen zu vermeiden und den Fahrer in seinem Selbstbild zu stabilisieren.

Die bisherige Reaktion der Leitplanke – ein lautes Krachen und eine Rechnung – gilt als unnötig konfrontativ.

Künftig soll sie beim Zusammenstoß freundlich sagen:

„Das war von mir unglücklich positioniert. Sie konnten unmöglich damit rechnen, dass ich am Straßenrand stehe.“

Für Parkhaussäulen ist ein ähnliches Programm vorgesehen. Sie müssen sich spätestens beim zweiten Rangiermanöver bemerkbar machen und dem Autofahrer anschließend Gelegenheit geben, die Geschichte gegenüber seiner Versicherung aus seiner Perspektive zu erzählen.

Auch Kurven sollen ihren Beitrag leisten. Bisher ändern sie ihre Richtung häufig genau dann, wenn Günther geradeaus fahren möchte. Diese einseitige Verkehrsführung sei mit einem modernen Dienstleistungsverständnis nicht vereinbar.

Eine fehlerverzeihende Kurve soll künftig rechtzeitig erkennen, wer da kommt, und sich bei Bedarf strecken.

Besonders wichtig ist Günther außerdem ein respektvollerer Umgang mit seiner Erfahrung. Wer seit Jahrzehnten Auto fahre, könne schließlich unmöglich noch etwas dazulernen müssen.

Sein Führerschein sei der Beweis.

Dass das Dokument älter ist als die meisten Assistenzsysteme, wertet er als zusätzlichen Qualitätsnachweis. Es habe damals schließlich auch ohne diese ganze Technik funktioniert. Die drei ausgetauschten Stoßfänger hätten damit nichts zu tun.

Bei einer fiktiven Probeschulung stößt dieses Selbstverständnis allerdings auf Widerstand. Die Kursleiterin zeigt ein Foto mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung und fragt, für wen das Schild gilt.

„Für Leute, die ihr Auto nicht im Griff haben.“

Ob er selbst damit gemeint sein könnte?

Günther bittet darum, die Veranstaltung sachlich zu halten.

Auch die Frage nach ausreichendem Sicherheitsabstand führt zunächst zu Missverständnissen. Günther versteht darunter den Abstand, aus dem der Vordermann seine Lichthupe noch zuverlässig im Rückspiegel erkennen kann.

Das sei schließlich Kommunikation.

Als die Kursleiterin erklärt, dass andere Menschen ebenfalls sicher ans Ziel kommen möchten, reagiert er überrascht. Diesen Aspekt habe seine bisherige Fahrpraxis nur am Rande behandelt.

Für die nächste Unterrichtseinheit wird ein Video seiner eigenen Fahrt abgespielt. Günther erkennt sofort mehrere Fehler: Die Kamera sei ungünstig montiert, der Blickwinkel verfälsche die Situation, und ohnehin müsse man dabei gewesen sein.

Dass er selbst dabei gewesen ist, erschwert die Diskussion.

Sein Navigationsgerät könnte die Situation aufklären. Es hat allerdings bereits vor Monaten aufgegeben und ersetzt die Ansage „Bitte wenden“ inzwischen durch „Interessante Entscheidung“.

Der TÜV-Verband möchte mit lebenslanger Mobilitätsbildung erreichen, dass Menschen ihr Verhalten hinterfragen. Günther unterstützt das grundsätzlich. Er habe schon viele Fragen vorbereitet: Warum fahren die anderen so? Wer plant solche Straßen? Und weshalb hat niemand die Statistik vor der Veröffentlichung mit ihm abgestimmt?

Am Ende des Modellversuchs wird deshalb eine weitere Schulung angesetzt.

Günther fährt weiterhin fehlerfrei.

Die Leitplanke hat jetzt drei Punkte.

Dieser Beitrag ist Satire. Günther Blechmann, das Modellprojekt, die Schulungsszenen und sämtliche Dialoge sind erfunden.


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Aus dem Inhalt:

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  • TESLA – Neues aus der Tesla Welt
  • TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
  • TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
  • TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
  • Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
  • Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
  • elektrische COMMUNITY – Das Programm
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  • STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
  • GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
  • E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
  • KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
  • WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
  • WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
  • FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt

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