Tankrabatt: Der teuerste Weg, ein Problem nicht zu lösen

Wie die Regierung Millionen verbrannte, damit der Spritpreis ein paar Wochen lang erträglicher werden sollte

Satire von Michael Selent

Aufatmen an den Zapfsäulen! Der ADAC meldet sachlich und korrekt, was die Datenlage hergibt: Im Mai wurde das Tanken günstiger. Super E10 nur noch 1,983 Euro, Diesel 1,991 Euro und jetzt im Juni sogar noch günstiger, wobei laut ADAC die Preise noch stärker hätten sinken müssen. Dieser zählt brav nach, betreibt seine App, vergleicht 14.000 Tankstellen – tadellose Arbeit. Wer hier die Buchhaltung macht, trifft keine Schuld. Schuld trägt der, der die Rechnung aufgegeben hat: die Politik, denn nach neustem Stand steigen die Preise natürlich wieder denn der Tankrabatt ist (stand 8.07.2026) seit einer Woche Geschichte und das unterstreicht auch die Preisentwicklung an den Zapfsäulen: Wie die aktuelle ADAC Auswertung der Kraftstoffpreise in Deutschland zeigt, kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel derzeit 2,024 Euro – das ist ein Plus im Vergleich zur Vorwoche um 10,1 Cent. Für einen Liter Diesel müssen die Autofahrerinnen und Autofahrer aktuell 1,953 Euro je Liter bezahlen und damit 9,4 Cent mehr. Mit dem Ende des Tankrabatts am 1. Juli ist die Energiesteuer wieder um rund 17 Cent je Liter angehoben worden, ein Teil davon wurde bereits in den letzten Junitagen eingepreist.

Der ADAC kritisiert das aktuelle Preisniveau an den Tankstellen deutlich. Der Preis für Rohöl der Sorte Brent liegt momentan bei etwa 75 US-Dollar und damit in etwa im Bereich des Ölpreises kurz vor dem Ausbruch des Irankriegs Ende Februar. Damals, am 28. Februar 2026, kostete Super E10 jedoch noch 1,789 Euro je Liter und damit 23,5 Cent weniger als zurzeit. Diesel ist ebenfalls um rund 20 Cent teurer, hier ist die Vergleichbarkeit aber schwieriger, da Diesel in großen Mengen unter anderem aus dem Nahen Osten nach Deutschland importiert werden muss. Die damit einhergehenden Unsicherheiten schlagen sich letztlich auch in den Tankstellenpreisen nieder.

Aber schauen wir uns das gefeierte Wunder vom Tankrabatt doch mal genauer an. Der Liter ist damals um knapp 13 Cent gefallen. Dreizehn Cent. Man möchte die Sektkorken knallen lassen – nur leider liegt der letztendliche Preis pro Liter weiterhin bei fast zwei Euro. Die frohe Botschaft lautet im Klartext: Es ist nicht mehr katastrophal teuer, sondern nur noch sehr teuer. Champagner für alle, der günstigste Tanktag des Monats lag bei 1,925 Euro.

Und wie hat die Regierung dieses Quäntchen Erleichterung erkauft? Mit einer Energiesteuersenkung – einem klassischen Tankrabatt. Übersetzt: Der Staat zahlt einen Teil deiner Tankrechnung, damit du weiter Sprit kaufst. Man subventioniert nicht die Heilung, sondern die Sucht. Das ist, als würde man die Wasserrechnung übernehmen, statt das Loch im Eimer zu stopfen. Das zweifelhafte Invest? Geht im wörtlichsten Sinne in Rauch auf. Erst durch den Tank, dann durch den Auspuff, dann ist es weg – und mit ihm die Wirkung, sobald der nächste Ölpreisschub kommt.

Apropos Ölpreis: Der ADAC schreibt, dass die „zuletzt spürbar gesunkenen Rohölpreise” einen guten Teil der Entspannung ausmachen. Heißt: Den größten Rabatt hat gar nicht die Bundesregierung organisiert, sondern der Weltmarkt. Berlin verteilt Steuergeld und nimmt anschließend das Wetter für sich in Anspruch. Eine bemerkenswerte Form von Erfolgsbilanz, und nun ist durch das wiederaufflammen des Iran-Konflikts erneut mit einem Preisanstieg für Rohöl zu rechnen. Laut aktueller ADAC Auswertung (stand 15.07.26) der Kraftstoffpreise in Deutschland kostet ein Liter Super E10 im bundesweiten Mittel derzeit 2,083 Euro und damit 5,9 Cent mehr als in der Vorwoche. Fast doppelt so stark verteuerte sich Diesel-Kraftstoff: Der Preis für einen Liter liegt im Schnitt bei 2,070 Euro und damit um 11,7 Cent über dem Preis der Vorwoche. Beide Kraftstoffsorten sind somit wieder deutlich über der Marke von zwei Euro angelangt. Diesel ist aktuell nur noch 1,3 Cent günstiger als Super E10.

Aber Jetzt rechnen wir kurz wie Erwachsene. Was, wenn dieselben Millionen nicht in einen Rabatt geflossen wären, der nach einer Tankfüllung verpufft, sondern in weitere Kaufanreize für E-Autos und in Ladeinfrastruktur? Dann hätte man Menschen dauerhaft aus diesem ganzen Drama herausgeholt. Ein E-Auto-Fahrer liest diese Pressemitteilung nämlich wie ein Horoskop für ein Sternzeichen, das es gar nicht hat. Ölpreis, Tankrabatt, teuerster Tanktag, Diesel günstiger als E10 – uns doch völlig egal. Wir laden nachts für einen Bruchteil und schlafen durch.

Genau darin liegt der Unterschied zwischen Schmerzmittel und Behandlung. Der Tankrabatt betäubt für ein paar Wochen und lässt die Patientin abhängig zurück. Eine konsequente Förderung der E-Mobilität hätte den Hebel umgelegt: weg von einem Rohstoff, dessen Preis Diktatoren, Kartelle und Kriege bestimmen, hin zu Strom, der zunehmend vom eigenen Dach kommt. Das ist keine Subvention, die verbrennt – das ist eine Investition, die bleibt.

Stattdessen feiern wir nun, dass Diesel seit dem 16. Mai wieder ein paar Cent billiger ist als E10. Das ist ungefähr so bedeutsam wie die Frage, ob auf der sinkenden Titanic die Liegestühle nach Backbord oder Steuerbord geräumt werden.

Der ADAC hat seine Arbeit gemacht und uns die Rechnung präsentiert. Es wäre schön, wenn irgendwann jemand in Berlin sie auch lesen würde – und beim nächsten Mal nicht den Tank füllt, sondern den Stecker reicht.

QUELLE: PRESSEMITTEILUNG ADAC


Und das sind die Themen der 30. Ausgabe:

  • Neues aus der Tesla Welt
  • Die Revolution der Patentstrategie bei Tesla
  • Grünere Energienetze dank Einsatz von KI
  • Die Herausgeber: Elektrische von Paris nach Dakar und zurück
  • Neues zur elektrischen COMMUNITY 2026
  • Strombock: Höhere Benzinpreise, der perfekte Moment für den Umstieg !
  • Unser Manifest und Petition für eine zukunftsorientierte Transformation Deutschlands
  • Reisebericht: Mit Model X & Grok durch Schottland 
  • Die Herausgeber: Tesla Fahrer & Freunde e.V.
  • Besuch im Geothermiekraftwerk
  • Powerwall 3P: Erstmals dreiphasiger Heimspeicher von Tesla
  • Fanboy: Terafab

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