Die Hitzewellen in Deutschland werden heftiger – und immer mehr Menschen fragen sich: Kann meine Wärmepumpe nicht auch kühlen? Prof. Dr. Volker Quaschning (HTW Berlin) erklärt in seinem neuen Video, warum das in der Praxis meist scheitert – und warum er sich zusätzlich zur Wärmepumpe eine Klimasplitanlage eingebaut hat. Wir haben das Wichtigste zusammengefasst.

Dreimal so viele Hitzetage wie in den 1950er Jahren
41,8 Grad Celsius im Juni in Deutschland – Temperaturen, die kaum noch auszuhalten sind. Die Zahl der Hitzetage mit mehr als 30 Grad hat sich laut Deutschem Wetterdienst seit den 1950er Jahren etwa verdreifacht, mit klarem Trend nach oben. 1983 wurde in Deutschland erstmals überhaupt eine Temperatur von über 40 Grad gemessen. Danach dauerte es 20 Jahre bis zum nächsten Mal – seit 2015 treten solche Extremwerte immer häufiger auf.
Die Prognose ist ernüchternd: Die globale Erderhitzung liegt aktuell bei etwa 1,4 Grad. Weil die meisten Länder – auch Deutschland – ihre Klimaziele verfehlen, steuern wir laut Quaschning auf rund 3 Grad Erwärmung bis Ende des Jahrhunderts zu. Seine Konsequenz: Wir brauchen beides – wirksamen Klimaschutz und Anpassung an die bereits eingetretenen Folgen. Und dazu gehört die Frage, wie wir unsere Häuser künftig kühlen.

Ventilatoren und Verdunstungskühler: Mehr Gefühl als Wirkung
Nachts lüften, tagsüber Fenster zu – das bleibt die Basis. Ein Ventilator kann in Kombination mit ausreichend Trinken über Verdunstungskälte auf der Haut Linderung verschaffen, senkt die Raumtemperatur aber nicht. Und die im Internet vielfach angepriesenen Verdunstungskühler? Quaschning ist deutlich: Der Effekt entspricht in etwa einem feuchten Tuch vor dem Ventilator – ein kleiner Verdunstungseffekt, mehr nicht.
Mobile Klimaanlagen: Funktionieren, aber ineffizient
Deutlich mehr bewirken mobile Klimageräte mit Abluftschlauch. Sie arbeiten nach demselben Prinzip wie Kühlschrank, Wärmepumpe oder Splitklimaanlage. Ihr Konstruktionsproblem: Der Abluftschlauch bläst Luft nach draußen, im Raum entsteht ein leichter Unterdruck – und warme Außenluft strömt durch Ritzen nach. Das drückt die Effizienz.
Typische Geräte leisten rund 2.600 Watt Kälteleistung (etwa 9.000 BTU/h) bei circa 1.000 Watt elektrischer Aufnahme. Das entspricht einem EER (Energy Efficiency Ratio) von 2,6 – für mobile Geräte bereits ein guter Wert, viele liegen darunter. Läuft so ein Gerät zehn Stunden am Tag, steigt die Stromrechnung um etwa 3 Euro. Für Mietwohnungen sind mobile Geräte dennoch oft die einzige Möglichkeit, wirklich effektiv zu kühlen.
Wichtig in jedem Fall: Verschattung. Eine 4 m² große Fensterfläche liefert bei voller Sonneneinstrahlung 1.000 bis 2.000 Watt Wärmeleistung direkt ins Haus – als stünde ein Heizlüfter neben der Klimaanlage. Rollläden und außenliegende Jalousien sind daher Pflicht.

Wärmepumpe zum Kühlen: Technisch simpel, praktisch ernüchternd
Nun zur Kernfrage. Eine Wärmepumpe funktioniert im Prinzip wie eine Klimasplitanlage – nur mit umgekehrtem Kreislauf. Zum Kühlen muss sie den Kältekreislauf lediglich wieder umdrehen und die Wärme nach draußen transportieren. Das geschieht über Umschaltventile und wird von vielen Herstellern als Option angeboten. Klingt genial: Öl- oder Gasheizung klimafreundlich ersetzen und im Sommer gleich mitkühlen.
Doch die Physik macht einen Strich durch die Rechnung – Stichwort Taupunkt.
Beim Heizen mit Heizkörpern fließt Wasser mit mindestens 40 Grad durch den Heizkörper. Bei 20 Grad Raumtemperatur ergibt das ein Delta T von 20 Grad oder mehr. Wollte man mit derselben Leistung kühlen, müsste bei 25 Grad Raumtemperatur 5 Grad kaltes Wasser durch die Heizkörper fließen.
Das Problem kennt jeder vom kalten Getränk im Sommer: Am kalten Glas kondensiert die Luftfeuchtigkeit, das Glas wird nass. Kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit halten als warme. Was beim Glas eine Pfütze ist, wird an Heizkörpern und Heizungsrohren zum Bauschaden- und Schimmelrisiko. Bei 25 Grad Raumtemperatur und 60 Prozent Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bei 17 Grad – unterschreitet die Oberfläche diese Temperatur, bildet sich unweigerlich Kondenswasser.
Die Konsequenz: Kälter als etwa 18 Grad darf das Wasser nicht in die Heizkörper. Und mit 18 Grad kalten Heizkörpern lässt sich ein überhitzter Raum schlicht nicht spürbar abkühlen – auch nicht mit nachgerüsteten Heizkörperlüftern.

Auch die Lüftungsanlage rettet es nicht
Quaschning hat vor gut 20 Jahren eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung eingebaut. Die naheliegende Idee: Zuluft über die Wärmepumpe abkühlen und kalte Luft in die Räume blasen. Doch auch hier gilt die Taupunktgrenze von etwa 18 Grad.
Die Rechnung ist schnell gemacht: Die Anlage tauscht rund 260 Kubikmeter Luft pro Stunde aus. Bei 25 Grad Raumtemperatur und 18 Grad Zulufttemperatur (Delta T = 7 Grad) ergibt das eine Kälteleistung von gerade einmal 600 Watt – so viel, wie an einem einzigen sonnenbeschienenen Fenster ins Haus kommt. Zum Kühlen: unbrauchbar.
Wann das Kühlen mit der Wärmepumpe doch funktioniert
Ist die Kühlfunktion der Hersteller also Nonsens? Nicht ganz. Mit Flächenheizungen – Fußboden-, Wand- oder Deckenheizung – lässt sich auch mit kleinem Delta T arbeiten. Voraussetzung ist eine Taupunktüberwachung: Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden gemessen, und eine Regelung hält die Vorlauftemperatur 1 bis 3 Grad über der Taupunkttemperatur.
Aber auch hier gibt es Grenzen. Bei großen Fensterfronten mit viel Solareintrag wird ein spürbarer Effekt schwierig. Und ist der Raum erst einmal überhitzt, wird es eng: Bei 30 Grad Raumtemperatur und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt bereits bei 24 Grad – die Fußbodenheizung darf dann nur noch mit 25 Grad oder mehr betrieben werden. Der Kühleffekt bleibt überschaubar.
Quaschnings Fazit: Für Neubauten mit Fußbodenheizung ist die Wärmepumpenkühlung eine brauchbare Option, um Räume auf einigermaßen angenehmen Temperaturen zu halten. Für Bestandsgebäude mit Heizkörpern braucht es eine andere Lösung.

Die Lösung im Bestand: Klimasplitanlage
Wer wirklich effizient kühlen will, braucht ein großes Delta T – und muss das dabei zwangsläufig anfallende Kondenswasser von Anfang an einplanen: auffangen und sicher abführen. Genau das leisten Gebläsekonvektoren (Fancoils) in professionellen Kälteanlagen – und genau nach diesem Prinzip arbeiten Klimasplitanlagen: Ein Gebläse führt die Raumluft über einen Wärmetauscher, die Luft kühlt stark ab, kondensierende Feuchtigkeit landet in einer Auffangwanne.
Deshalb hat sich Quaschning – trotz frisch eingebauter Wärmepumpe – zusätzlich eine Klimasplitanlage installieren lassen. Die Effizienz überzeugt: Bei 35 Grad Außentemperatur erreicht seine Anlage einen EER von 3,4 – aus einer Kilowattstunde Strom werden 3,4 Kilowattstunden Kälte. Deutlich mehr als bei mobilen Geräten.

Single-Split oder Multi-Split?
Bei Single-Split-Anlagen hat jede Inneneinheit eine eigene Außeneinheit. Bei Multi-Split-Anlagen versorgt eine Außeneinheit mehrere Inneneinheiten – üblich sind zwei bis fünf, Großgeräte schaffen bis zu zehn. Bei Quaschning hängen fünf Inneneinheiten in fünf Räumen an einer Außeneinheit.
Die Installation hat ihre Tücken: Pro Inneneinheit braucht es zwei isolierte Kältemittelleitungen (Hin- und Rückleitung, flüssig und gasförmig). Hängen die Inneneinheiten an Innenwänden, muss das Kondenswasser aktiv abgeführt werden – bei Quaschning meldet ein Schwimmer anfallendes Wasser, eine Kondensatpumpe befördert es über eine Leitung in den Kellerabfluss.
Heizen Klimaanlagen die Städte auf?
Ein häufiger Kritikpunkt: Klimaanlagen heizen die Umgebung auf. Prinzipiell richtig, räumt Quaschning ein – jedes elektrische Gerät wandelt seine Energie letztlich vollständig in Wärme um. Bei hunderttausenden Anlagen in Städten hat das in Summe durchaus einen Effekt. Aber: Wer über Hitze in Städten reden will, muss über Entsiegelung, Bäume und Stadtgrün reden – nicht über den Verzicht auf Klimaanlagen. Denn die können Leben retten.
Rund 3.000 Hitzetote pro Jahr – in normalen Jahren
Das Robert Koch-Institut ermittelt anhand der Übersterblichkeit in Hitzephasen regelmäßig die Zahl der Hitzetoten: In normalen Jahren sterben in Deutschland rund 3.000 Menschen an den Folgen der Hitze. 2026 könnte diese Zahl durch die extreme Hitze noch deutlich höher ausfallen. Für ältere und kranke Menschen kann eine Klimaanlage schlicht lebensrettend sein – für Quaschning ein zentrales Argument für den Einbau.

Umweltbilanz: Solarstrom ja, Kältemittel mit Haken
Vor 20 oder 30 Jahren wäre eine Klimaanlage aus Umweltsicht ein No-Go gewesen – der Strom kam aus Kohle- und Atomkraftwerken. Heute ist die Lage umgekehrt: Klimaanlagen laufen vor allem bei Hitze und ausgeprägten Hochdrucklagen – also genau dann, wenn massenhaft Solarstrom verfügbar ist, der teilweise sogar abgeregelt werden muss. Klimaanlagen können diesen überschüssigen Solarstrom nutzen, die Netze entlasten und damit sogar die Energiewende unterstützen. Bei Quaschning kommt der Strom ohnehin vom eigenen Dach.
Die Achillesferse bleiben die Kältemittel:
- FKW (halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe): nicht brennbar, in der Regel ungiftig – aber mit enormem Treibhauspotenzial, wenn sie in die Atmosphäre gelangen.
- R290 (Propan): praktisch kein Treibhauspotenzial, aber brennbar. Die Füllmengen müssen daher stark begrenzt sein. Folge: R290-Splitgeräte gibt es bislang nur als Single-Split-Anlagen von wenigen Herstellern. R290-Multi-Split-Anlagen konnte Quaschning am Markt nicht finden.
- R32: das gängige FKW-Kältemittel in Multi-Split-Anlagen, Treibhauspotenzial 675. Zwei Kilogramm R32 entsprechen bei Freisetzung rund 1,35 Tonnen CO₂ – so viel wie eine 9.000 Kilometer lange Dieselautofahrt. Immerhin: Frühere Kältemittel lagen noch deutlich darüber.
Entscheidend ist der fachgerechte Umgang: R32 wirkt nur als Treibhausgas, wenn es entweicht – bei unsachgemäßem Befüllen, Lecks oder falscher Entsorgung. Befüllung und Außerbetriebnahme gehören deshalb ausschließlich in die Hände von qualifiziertem Fachpersonal.

Was kostet das?
Klimasplitanlagen werden weltweit in riesigen Stückzahlen produziert und sind entsprechend günstig:
- No-Name-Single-Split: ab wenigen hundert Euro
- Marken-Single-Split: Richtung 1.000 Euro
- Marken-Multi-Split: je nach Zahl der Inneneinheiten 2.000 bis 6.000 Euro
- Plus: Montagematerial, Kältemittel, Leitungen, Stromanschluss, Kondensatleitung und -pumpe sowie die Montage selbst – letztere kann je nach Aufwand noch einmal einige tausend Euro kosten
Einiges lässt sich in Eigenleistung erledigen (Quaschning empfiehlt dazu den YouTube-Kanal von Andreas Schmitz, dem „Akkudoktor”). Der Elektroanschluss erfordert in der Regel eine Elektrofachkraft, das Befüllen mit Kältemittel zwingend Fachpersonal.
Zum Vergleich: Eine Heizungswärmepumpe liegt inklusive Einbau in der Größenordnung von 30.000 Euro – wobei hier oft eine erhebliche Förderung abgeht.
Kann die Splitanlage die Wärmepumpe gleich ersetzen?
Technisch gesehen ist eine Klimasplitanlage nichts anderes als eine Luft-Luft-Wärmepumpe – sie kann nicht nur kühlen, sondern auch sehr effizient heizen. Warum also überhaupt noch eine Heizungswärmepumpe? Quaschning nennt die praktischen Grenzen:
- Für Flur, Bäder und Keller fehlen Inneneinheiten – und sie lassen sich dort schwer nachrüsten. Infrarotheizungen als Alternative sind Stromfresser mit eingeschränktem Komfort.
- Das Brauchwasser kann die Splitanlage nicht erwärmen – dafür bräuchte es eine zusätzliche Brauchwasserwärmepumpe.
- Heizungswärmepumpen haben meist einen Heizstab als Backup für extreme Kälte oder Ausfälle – Splitgeräte in der Regel nicht.
- Beim Heizen laufen die Inneneinheiten dauerhaft – Lüftergeräusche Tag und Nacht, während Heizkörper und Fußbodenheizung lautlos arbeiten.
Interessant ist die Splitanlage aber als Einstieg ins klimafreundliche Heizen: Wer noch eine alte Öl- oder Gasheizung hat und sie nicht sofort ersetzen will, kann mit den Inneneinheiten elektrisch zuheizen, den Brennstoffverbrauch senken, den CO₂-Fußabdruck reduzieren – und wird bei der nächsten Energiekrise unabhängiger. Besonders attraktiv mit eigener Solaranlage auf dem Dach.
Fazit: Kühlung wird zur sozialen Frage
Quaschnings Botschaft am Ende ist unbequem: Die bereits emittierten Treibhausgase bleiben in der Atmosphäre, die Erderhitzung ist im Wesentlichen irreversibel. An Hitzewellen mit über 40 Grad werden wir uns gewöhnen müssen – und ohne konsequenten Klimaschutz werden sie noch heftiger und häufiger.
Klimaanlagen sind dabei eine Lösung, die sich im Wesentlichen nur Besserverdienende leisten können. Viele Menschen werden Hitzewellen ohne Kühlung überstehen müssen. Genau deshalb, so Quaschning, bleibt Klimaschutz die eigentliche Aufgabe: weniger Fleisch, weniger Fliegen, Elektroauto statt Verbrenner, Bahn und Fahrrad, Wärmepumpe statt Öl- und Gasheizung. Und: Klimaschutz nicht als Verzicht framen, sondern als Fortschritt – für die Menschen und für die Wirtschaft.
Schaut euch gerne das Video von Prof. Dr. Volker Quaschning auf Youtube an !
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