Video der Woche: Ist der E-Auto Hype schon vorbei?

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Mehr als 600.000 neue Elektroautos in neun Monaten, ein deutlich gestiegener Marktanteil und ein chinesisches Modell an der Spitze der Plug-in-Hybride: Stefan Lenz zieht auf seinem YouTube-Kanal eine Zwischenbilanz des deutschen Automarkts 2026. Sein Video zeigt, wie schnell sich die Antriebswelt verändert – und weshalb sich hinter einzelnen Zulassungszahlen unterschiedliche Entwicklungen verbergen.

Wie erfolgreich sind Elektroautos in Deutschland tatsächlich? Welche Rolle spielen chinesische Hersteller? Und wie weit sind die etablierten Marken beim Wechsel zum elektrischen Antrieb?

Diesen Fragen widmet sich Stefan Lenz im aktuellen „Video der Woche“. Grundlage seiner Betrachtung sind die Neuzulassungen von Januar bis September 2026. Dabei betrachtet er neben den Stückzahlen auch Marktanteile, Modellranglisten und den Elektroanteil innerhalb einzelner Marken.

Mehr als jeder vierte Neuwagen fährt rein elektrisch

Die wichtigste Zahl steht gleich am Anfang: In Deutschland wurden während der ersten neun Monate 2026 insgesamt 604.144 batterieelektrische Pkw neu zugelassen.

Bei insgesamt 2.221.798 Pkw-Neuzulassungen entspricht das einem Marktanteil von 27,2 Prozent. Die Elektroauto-Zulassungen wuchsen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 58 Prozent, während der gesamte Pkw-Markt lediglich um gut fünf Prozent zulegte. Elektroautos gewinnen damit deutlich an Gewicht innerhalb des Neuwagenmarkts.

Besonders anschaulich wird diese Entwicklung im Vergleich mehrerer Jahre:

Die Zahlen dokumentieren sowohl den deutlichen Rückgang 2024 als auch die anschließende Erholung. Gegenüber dem gleichen Zeitraum 2022 hat sich die Zahl neuer Elektroautos inzwischen mehr als verdoppelt.

Auch die Marktanteile zeigen die Veränderung: Während reine Elektroautos im Zeitraum Januar bis September 2024 auf 13,1 Prozent kamen, waren es 2025 bereits 18,1 Prozent. 2026 liegen sie mit 27,2 Prozent nochmals deutlich darüber.

Dabei bleibt die Bezugsgröße wichtig: Diese Anteile beziehen sich auf Neuzulassungen. Sie beschreiben nicht den Elektroanteil am gesamten Fahrzeugbestand auf deutschen Straßen.

Technik, Modellangebot und Förderung wirken zusammen

Lenz sieht im wachsenden Angebot und in der technischen Weiterentwicklung wesentliche Gründe für den Erfolg. Elektroautos decken inzwischen mehr Fahrzeugklassen und unterschiedliche Anforderungen ab als zu Beginn des Markthochlaufs. Seine Schlussfolgerung: Der elektrische Antrieb setzt sich trotz zwischenzeitlicher Rückschläge zunehmend durch.

Wie stark einzelne Faktoren dafür verantwortlich sind, lässt sich aus den Zulassungszahlen allein allerdings nicht ablesen. Neben Fahrzeugangebot und Technik müssen auch Preise, Finanzierung, Lieferfähigkeit und politische Rahmenbedingungen berücksichtigt werden.

Gerade für 2026 gehört dazu die erneut eingeführte staatliche Förderung. Privatpersonen können für förderfähige, seit Jahresbeginn neu zugelassene Fahrzeuge abhängig von Antriebsart, Einkommen und Familiengröße Zuschüsse erhalten. Das Antragsportal wurde am 19. Mai geöffnet; für reine Elektroautos sind unter den entsprechenden Voraussetzungen bis zu 6.000 Euro möglich.

Die starke Erholung zeigt somit, dass der Einbruch von 2024 keine dauerhafte Abkehr vom Elektroauto bedeutete. Für eine Bewertung des Einflusses von Förderprogrammen braucht es jedoch mehr als den Vergleich jährlicher Zulassungszahlen.

Die Überraschung heißt BYD Seal U DM-i

Einen besonderen Schwerpunkt setzt Lenz bei den Plug-in-Hybriden. Obwohl er selbst dieser Antriebsart inzwischen ausgesprochen kritisch gegenübersteht, wächst das Segment weiter.

Von Januar bis September 2026 wurden 247.489 Plug-in-Hybride neu zugelassen. Das sind 13,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und entspricht einem Anteil von 11,1 Prozent am gesamten Pkw-Neuwagenmarkt.

Die eigentliche Überraschung liegt für Lenz jedoch in der Modellrangliste: Dort führt nach seiner Auswertung der BYD Seal U als Plug-in-Hybrid knapp vor dem VW Tiguan. Den Vorsprung beziffert er auf 213 Fahrzeuge.

Auch BYD selbst bezeichnet den Seal U DM-i in seiner September-Mitteilung als meistverkauften Plug-in-Hybrid des bisherigen Jahresverlaufs in Deutschland.

Damit macht das Video auf einen Wettbewerb aufmerksam, der in der Debatte über chinesische Hersteller leicht untergeht. Deren Präsenz wächst auch bei Fahrzeugen, die einen extern aufladbaren Elektroantrieb mit einem Verbrennungsmotor kombinieren.

Chinesische Anbieter gewinnen an Sichtbarkeit

Bei den reinen Elektroautos kommt Lenz in seiner Zusammenstellung auf 58.877 Neuzulassungen chinesischer Anbieter. Bezogen auf den gesamten deutschen BEV-Markt wären das rund 9,7 Prozent.

Er weist ausdrücklich darauf hin, dass er etwa das Tesla Model 3 und in China produzierte Mini-Modelle dabei nicht berücksichtigt. Seine Zahl beschreibt damit keinen Anteil sämtlicher Fahrzeuge aus chinesischer Produktion.

Diese Unterscheidung ist für die Einordnung entscheidend: Markenherkunft, Eigentümerstruktur und Produktionsstandort sind unterschiedliche Kategorien. Ein in China gebautes Fahrzeug einer europäischen oder amerikanischen Marke lässt sich je nach Fragestellung anders einordnen als ein Modell eines chinesischen Herstellers.

Lenz bewertet die zunehmende Konkurrenz als Warnsignal für die deutschen Autobauer. Aus einer einzelnen Marktanteilszahl lässt sich allerdings noch kein zwangsläufiger weiterer Verlauf ableiten. Sie zeigt zunächst, dass zusätzliche Anbieter im deutschen Elektroautomarkt Fuß gefasst haben.

Elroq, Model Y und ID.3: Unterschiedliche Blickwinkel auf dieselbe Rangliste

Auch bei den beliebtesten reinen Elektroautos lohnt sich ein genauer Blick. In der kumulierten Betrachtung von Januar bis September liegt der Škoda Elroq vor dem Tesla Model Y und dem Volkswagen ID.3.

Lenz nutzt diese Reihenfolge, um die Vorstellung einer uneingeschränkten deutschen Dominanz zu hinterfragen. Das führende Modell stammt von einer tschechischen Marke; auf Platz zwei folgt ein amerikanischer Hersteller.

Gleichzeitig gehört Škoda zum Volkswagen-Konzern. Der Erfolg des Elroq ist daher auch ein Erfolg innerhalb dieser Unternehmensgruppe. Eine Rangliste nach Einzelmodellen beantwortet eine andere Frage als eine Auswertung nach Marken oder Konzernen.

Genau darin liegt eine Stärke des Videos: Es zeigt, dass pauschale Aussagen über „die deutschen Hersteller“ oder „die Konkurrenz aus China“ häufig zu grob bleiben. Für eine belastbare Bewertung muss klar sein, welche Unternehmen, Fahrzeuge und Märkte miteinander verglichen werden.

Der Elektroanteil einer Marke ist noch kein Beleg für Marktanteilsverluste

Eine weitere Perspektive übernimmt Lenz von Stefan Möller von nextmove: Wie hoch ist der Anteil reiner Elektroautos an den gesamten Neuzulassungen einer einzelnen Marke?

In seiner Auswertung nennt Lenz unter anderem folgende gerundete Werte:

MarkeBEV-Anteil an den eigenen Pkw-Neuzulassungen laut Video
Volkswagen19 Prozent
Mercedes-Benz23 Prozent
BMW26 Prozent
Škoda30 Prozent
Tesla100 Prozent

Angaben aus der im Video vorgestellten Auswertung für Januar bis September 2026.

Diese Kennzahl macht sichtbar, wie stark der deutsche Neuwagenabsatz einer Marke bereits elektrisch geprägt ist. Sie bietet einen zusätzlichen Blick auf den Wandel des Produktangebots und die Nachfrage.

Eine Schlussfolgerung im Video greift jedoch zu kurz: Ein Elektroanteil unter dem Gesamtmarktdurchschnitt von 27,2 Prozent bedeutet nicht automatisch, dass eine Marke im Elektrosegment Marktanteile verliert.

Dafür müsste verglichen werden, wie sich ihr Anteil an allen BEV-Neuzulassungen im Zeitverlauf entwickelt. Eine Marke kann mit ihren Elektroautos stark wachsen und zugleich weiterhin viele Verbrenner verkaufen. Ihr interner Antriebsmix und ihr Marktanteil im BEV-Segment messen unterschiedliche Dinge.

Auch als alleiniger Maßstab für die strategische Entschlossenheit eines Herstellers reicht diese Quote deshalb nicht aus.

Mit dem Wachstum rückt das Laden stärker in den Mittelpunkt

Zum Ende des Videos richtet Lenz den Blick auf die Schnellladeinfrastruktur. Er berichtet, bislang zwar noch nicht an einem vollständig belegten Schnellladestandort gewartet zu haben. Mehrfach sei es aber bereits knapp geworden.

Diese persönliche Erfahrung führt zu einer praktischen Frage: Wie gut hält die Ladeinfrastruktur mit dem wachsenden Fahrzeugbestand Schritt?

Für eine belastbare Antwort genügt der Vergleich von Fahrzeug-Neuzulassungen und neu errichteten Ladepunkten allein nicht. Entscheidend sind auch die vorhandenen Kapazitäten, die verfügbare Leistung sowie die Auslastung an konkreten Standorten und zu bestimmten Zeiten.

Lenz’ Beobachtung ist deshalb vor allem ein Anlass, die Alltagstauglichkeit des Ladenetzes weiter aufmerksam zu verfolgen. Eine bundesweite Aussage über Wartezeiten ergibt sich daraus noch nicht.

Fazit zum Video der Woche

Stefan Lenz liefert einen anschaulichen Überblick über einen deutschen Neuwagenmarkt, der sich deutlich in Richtung Elektroantrieb bewegt. Mehr als 600.000 neue BEV und ein Marktanteil von 27,2 Prozent nach neun Monaten belegen einen kräftigen Wachstumsschub.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Plug-in-Hybride: Mit dem Seal U DM-i steht dort ein chinesisches Modell an der Spitze. Zugleich zeigt die Diskussion über Marken, Konzerne und Produktionsstandorte, weshalb einfache nationale Zuordnungen nur begrenzt weiterhelfen.

Das Video verbindet nachvollziehbare Zahlen mit einer klaren persönlichen Haltung. Sein größter Erkenntniswert liegt im Vergleich unterschiedlicher Perspektiven: Stückzahlen zeigen das Wachstum, Marktanteile dessen Gewicht und der Antriebsmix einzelner Marken den Stand ihrer jeweiligen Umstellung. Wer diese Größen sauber auseinanderhält, erkennt genauer, wie weit der Wandel bereits fortgeschritten ist.

Datenzeitraum: Januar bis September 2026.

Abonniert gerne Stefans Youtube Kanal und lasst einen Like da, hier könnt ihr das vollständige Video anschauen:


Die Zeitschrift kann gegen Übernahme der Porto- und Versandkosten an dieser Stelle bestellt werden.

Aus dem Inhalt:

  • COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
  • TESLA – Neues aus der Tesla Welt
  • TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
  • TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
  • TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
  • Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
  • Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
  • elektrische COMMUNITY – Das Programm
  • ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
  • STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
  • GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
  • E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
  • KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
  • WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
  • WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
  • FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt

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