ICCT-Studie zu Autojobs: Warum langsamere Elektrifizierung Beschäftigung kosten könnte

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Eine neue ICCT-Studie stellt die Annahme infrage, schwächere CO2-Vorgaben würden Europas Autojobs langfristig schützen. Entscheidend sind im Modell auch europäische Produktionsanteile. Die drei Szenarien unterscheiden sich deutlich – und beim Basisszenario widersprechen sich die öffentliche ICCT-Zusammenfassung und ein Medienbericht.

Drei Szenarien mit gemeinsamer Vergleichsbasis

Wie sich die Elektrifizierung auf Arbeitsplätze auswirkt, hängt auch davon ab, wo Fahrzeuge und ihre Komponenten hergestellt werden. Das untersucht das International Council on Clean Transportation in der am 27. Oktober 2026 veröffentlichten Analyse „Powering jobs“.

Die öffentliche ICCT-Zusammenfassung nennt folgende Veränderungen bis 2035. Gemeinsame Vergleichsbasis ist das Beschäftigungsniveau von 2025 in den untersuchten Bereichen:

SzenarioAnnahmeBeschäftigung 2035 gegenüber 2025
Aktuelle StandardsBestehender CO2-Zielpfad bleibt erhaltenrund +2 Prozent
Zusätzliche IndustriepolitikZielpfad plus höhere europäische Wertschöpfungrund +10 Prozent
Verzögerte StandardsUmsetzung wird modellhaft um fünf Jahre verschobenrund −6 Prozent

Die Werte beschreiben bedingte Modellrechnungen. Sie sind weder bereits eingetretene Veränderungen noch verbindliche Beschäftigungsprognosen für einzelne Unternehmen.

Was die Zahl von 185.000 Arbeitsplätzen bedeutet

Electrive und weitere Berichte beziffern den Rückgang im Verzögerungsszenario auf bis zu 185.000 Stellen. Entscheidend ist die Bezugsgröße: Gemeint ist der Abstand zum Jahr 2025, nicht unmittelbar die Differenz zum Szenario mit unveränderten Standards.

Für den Pfad mit zusätzlicher Industriepolitik berichtet electrive von rund 320.000 zusätzlichen Stellen gegenüber 2025. Zwischen diesem und dem Verzögerungsszenario liegt damit rechnerisch eine Größenordnung von etwa einer halben Million Arbeitsplätzen. Das ist die Spannweite zwischen zwei unterschiedlichen Zukunftspfaden. Sie darf nicht als bereits beschlossener Stellenabbau ausgegeben werden.

Ein Zahlenvergleich braucht deshalb immer zwei Angaben: das betrachtete Szenario und den Vergleichszeitpunkt. Ohne diese Zuordnung können dieselben Studienergebnisse sehr unterschiedliche Eindrücke erzeugen.

Warum der europäische Produktionsanteil so wichtig ist

Für 2035 setzt das ICCT unterschiedliche Anteile europäischer Fertigung an den in der EU verkauften batterieelektrischen Autos und Plug-in-Hybriden an: 68 Prozent bei aktuellen Standards, 75 Prozent mit zusätzlicher Industriepolitik und 56 Prozent bei verzögerten Standards.

Damit verändert das Modell gleichzeitig den Antriebsmix und den Produktionsstandort. Es untersucht nicht ausschließlich, was passiert, wenn eine ansonsten unveränderte Industrie länger Verbrenner baut. Die angenommene europäische Wettbewerbsposition ist selbst ein wesentlicher Teil des Ergebnisses.

Nach Darstellung von electrive werden einzelne Förderinstrumente nicht separat durchgerechnet. Stattdessen unterstellen die Szenarien allgemein, dass entsprechende Maßnahmen höhere europäische Produktionsanteile ermöglichen. Aus einem positiven Ergebnis lässt sich daher nicht ableiten, dass eine bestimmte Subvention oder Herkunftsvorgabe genau die ausgewiesene Zahl an Stellen schafft.

Welche Beschäftigung erfasst wird

Zum Untersuchungsrahmen gehören Pkw-Produktion, Batteriefertigung und -recycling sowie Ladeinfrastruktur. Berücksichtigt werden auch in der EU gebaute Fahrzeuge für Exportmärkte. Die Ergebnisse sind deshalb keine vollständige Bilanz sämtlicher direkt und indirekt mit dem Auto verbundener Tätigkeiten.

Dr. Web beschreibt die Ausgangsbasis der Studie mit rund 3,29 Millionen direkten Stellen im Jahr 2025. Die dort zusammengefassten Ergebnisse beruhen auf derselben ICCT-Untersuchung und sind keine unabhängige Bestätigung des Modells.

Eine positive Gesamtbilanz sagt zudem für sich genommen nicht aus, dass neue Tätigkeiten am Standort eines wegfallenden Arbeitsplatzes entstehen. Ebenso wenig beantwortet sie, ob betroffene Beschäftigte unmittelbar die erforderlichen Qualifikationen besitzen. Für einzelne Werke und Regionen bleibt diese Unterscheidung wesentlich.

Deutschland: Reale Rückgänge und künftige Szenarien trennen

Die ICCT-Zusammenfassung nennt Deutschland als den Mitgliedstaat mit den größten Beschäftigungseffekten einer Verzögerung gegenüber dem unveränderten Zielpfad.

Dass die deutsche Branche bereits unter Druck steht, zeigen unabhängig davon amtliche Daten. Nach einer Destatis-Mitteilung vom 14. August arbeiteten Ende des ersten Halbjahres 2026 rund 691.500 Menschen in der Automobilindustrie. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.

Die Erhebung erfasst Betriebe mit mindestens 50 Beschäftigten. Sie umfasst Fahrzeug- und Motorenhersteller, Karosserie- und Anhängerbau sowie Teile und Zubehör, aber nicht sämtliche Zulieferer außerhalb dieser Branchenabgrenzung.

Diese beobachtete Entwicklung hat einen anderen Zeitraum und Untersuchungsumfang als die ICCT-Szenarien. Sie ist kein Beleg dafür, welcher der berechneten Pfade bis 2035 eintreten wird oder welcher Anteil des aktuellen Rückgangs allein auf Elektromobilität zurückgeht.

Der VDA bewertet den politischen Weg anders

Der Verband der Automobilindustrie argumentierte in einer Mitteilung vom 12. Mai 2026 für größere Spielräume bei den Antrieben. Nach seiner Berechnung könnte ein höherer Anteil von Plug-in-Hybriden, Range Extendern und Verbrennern rund 50.000 Arbeitsplätze in Deutschland erhalten. Zugleich kritisierte der Verband die Investitionsbedingungen und warnte davor, dass neue Beschäftigung zunehmend außerhalb Deutschlands entstehe.

Das ist eine Verbandsposition mit eigener Berechnungsgrundlage. Ihre Deutschlandzahlen lassen sich nicht direkt mit einer EU-weiten Bilanz vergleichen, die zusätzlich Batterien, Recycling und Ladeinfrastruktur einbezieht. Beide Betrachtungen unterstreichen jedoch die Bedeutung des Produktionsstandorts; unterschiedlich bewerten sie, welcher regulatorische Weg die Beschäftigung dort besser stützt.

Modellgrenzen und ein ungeklärtes Vorzeichen

Laut electrive bleiben zusätzliche Einflüsse durch Automatisierung, Digitalisierung, Geopolitik und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung in der ICCT-Analyse ausgeklammert. Auch der Weiterbildungsbedarf werde nicht bewertet. Die fünfjährige Verschiebung ist eine Vereinfachung und keine genaue Simulation jedes derzeit diskutierten Änderungsvorschlags.

Hinzu kommt eine Abweichung in der Wiedergabe: Die öffentliche ICCT-Zusammenfassung nennt für das Basisszenario zwei Prozent mehr Beschäftigung als 2025. Electrive schreibt dagegen von zwei Prozent weniger. Die Tabelle folgt der ICCT-Zusammenfassung; die abweichende Darstellung bei electrive bleibt ausdrücklich davon getrennt.

Welche CO2-Regeln derzeit gelten

Die Europäische Kommission führt weiterhin das bestehende 100-Prozent-Minderungsziel für neue Pkw und Transporter ab 2035 auf. Daneben beschreibt sie ihren Änderungsvorschlag mit 90 Prozent Minderung und Kompensation verbleibender Emissionen. Ein Vorschlag ist noch kein verabschiedetes Recht.

Quellen

  1. electrive Deutschland – https://www.electrive.net/2026/10/28/icct-studie-lockerung-der-co2-standards-fuer-pkw-gefaehrdet-jobs/
  2. https://theicct.org/publication/employment-under-the-eu-passenger-car-co2-standards-oct26/
  3. https://www.drweb.de/icct-studie-co2-vorgaben-arbeitsplaetze-2035/
  4. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/08/PD26_N057_42.html
  5. https://www.vda.de/de/presse/Pressemeldungen/2026/260513_PM_Beschaeftigungsentwicklung_2035
  6. https://climate.ec.europa.eu/areas-action/transport-decarbonisation/road-transport/cars-and-vans_en

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Aus dem Inhalt:

  • COMMUNITY – Auf dem Laufenden bleiben
  • TESLA – Neues aus der Tesla Welt
  • TESLA – Eins von 250 Fahrzeugen
  • TESLA – Die Model-S-Varianten in der chronologischen Übersicht
  • TESLA – Vom E-Auto zum nachhaltigen Wohlstand
  • Herausgeber – TFF – Aktuelle Veranstaltungen
  • Herausgeber – TOS – Reisebericht Alpenpässe
  • elektrische COMMUNITY – Das Programm
  • ENERGIE – Zu viel Wind- & Sonnenstrom – aber nicht mehr lange
  • STROMBOCK – Warum brauchen E-Autos trotzdem ein Kühlsystem
  • GESELLSCHAFT – Das bessere Leben in der Zukunft
  • E-MOBILITÄT – Prof. Fichtner zeigt Vorteile der Batterietechnik auf
  • KLIMASCHUTZ – Der Kampf mit der Hitze
  • WIRTSCHAFT – Warum ein Weg zurück meistens ein Holzweg ist
  • WIRTSCHAFT – Zwei Fabriken, zwei Welten
  • FANBOY – Verwaltet, geprüft, abgehängt

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