Einigung bei VW: Diess bleibt, aber keine vorzeitige Vertragsverlängerung

Foto: Volkswagen AG

Die Führungskrise bei Volkswagen ist fürs Erste abgewendet. Der Aufsichtsrat beschloss am Montagabend den Neuzuschnitt und die Besetzung von Schlüsselressorts im Vorstand, mit denen Konzernchef Herbert Diess die Transformation zu einem Technologieanbieter nach dem Vorbild des US-Elektroautobauers Tesla beschleunigen will. Dabei wurden auch konkrete Sparziele vereinbart.

Seine Forderung nach einer vorzeitigen Vertragsverlängerung habe Diess fallengelassen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters aus dem Umfeld des Aufsichtsrats. Damit habe sich nach Meinung von Konzernbeobachtern Betriebsratschef Bernd Osterloh durchgesetzt, mit dem sich Diess seit Monaten einen kräftezehrenden Machtkampf über die Geschwindigkeit beim Konzernumbau lieferte und der einen neuen Vertrag für Diess ablehnte.

“Uneingeschränkte Unterstützung” für Ausrichtung auf Elektromobilität und Digitalisierung

„Wir werden in den kommenden Jahren weiter in die E-Mobilität, die Digitalisierung und Batterietechnologie investieren und gleichzeitig Fixkosten und Materialkosten konzernweit in allen Marken und Regionen substanziell reduzieren, um die Zukunftsfähigkeit von Volkswagen sicherzustellen,“ so Diess. Der Konzernsitz Wolfsburg solle mittelfristig die richtungsweisende Fabrik für die hochautomatisierte Fertigung von Elektrofahrzeugen werden.

Das Kontrollgremium demonstrierte im Anschluss Geschlossenheit. Diess habe “die uneingeschränkte Unterstützung” bei der Ausrichtung des Konzerns auf Elektromobilität und Digitalisierung. “Ohne seinen Einsatz wäre die Transformation des Unternehmens nicht so konsequent und erfolgreich verlaufen.” Dabei würdigte der Aufsichtsrat ausdrücklich “die Zielstrebigkeit und Hartnäckigkeit”, mit der Diess den technologischen Wandel, den Beitrag zur Erreichung der Klimaziele, aber auch die wirtschaftlichen Ergebnisse des Unternehmens vorantreibe.

Außerdem wurden Sparziele beschlossen: Fixkosten sollen um 5 Prozent e bis 2023 zu reduziert werden, Materialkosten in den kommenden zwei Jahren um 7 Prozent.

Diess erklärte auf LinkedIn, er freue sich, dass wie erhofft noch in diesem Jahr eine Lösung erreicht worden sei. Wichtige personelle und strukturelle Weichenstellungen seien vereinbart worden, “die den Wandel des Unternehmens nochmals beschleunigen und Wettbewerbsfähigkeit stärken werden”. Diess hatte Insidern zufolge einen neuen Vertrag als Votum gefordert, dass der Aufsichtsrat seinen Kurs unterstützt. Durch die Verknüpfung mit der Entscheidung über zentrale Personalien im Konzernvorstand stand Insidern zeitweise die Drohung im Raum, dass Diess andernfalls das Handtuch werfen könnte. Teile des Aufsichtsrats sollen sich dadurch erpresst gefühlt haben.

Quelle: Reuters, Volkswagen


N.E.W. ist ein Gemeinschaftsprojekt des T&Emagazin in Zusammenarbeit mit dem YouTube Kanal Car Maniac von Christopher Karatsonyi.

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