Leapmotor B10 im Test: Kompakt-SUV mit Effizienz-Überraschung und Kampfpreis

Knapp 4,52 Meter, ab knapp 30.000 Euro und eine Verarbeitung, die man in dieser Preisklasse nicht erwartet: Der Leapmotor B10 fordert die etablierten Hersteller heraus. Im ersten Teil eines Mehrteilers überzeugt vor allem der extrem niedrige Verbrauch – mit ein paar Software-Macken als Wermutstropfen. Alex vom Youtube Kanal “Smart2Drive” hat ihn getestet.

Der Leapmotor B10 will jenen Käufern ein Angebot machen, denen es egal ist, ob ein Auto von einem deutschen Premiumhersteller stammt – Hauptsache gute Verarbeitung, ansprechende Optik und viel Technik. Mit kompakten 4,52 Metern Länge taugt das Familien-SUV für vier Personen samt Gepäck. Getestet wurde die Design-Ausstattung mit dem großen Pro-Max-Akku (67,1 kWh netto, 434 km WLTP) – der Auftakt zu einer mehrteiligen Testreihe, in der noch Nachttest, Einstellungen und ein Fazit folgen.

Technik, Varianten und Preise

Angetrieben wird der B10 von einem 160 kW (218 PS) starken Heckmotor, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h, der Sprint auf 100 km/h dauert rund 8 Sekunden. Zwei Akkus stehen zur Wahl: Der Pro fasst 56,2 kWh und lädt mit bis zu 140 kW, der getestete Pro Max 67,1 kWh und lädt mit bis zu 168 kW. AC sind 11 kW möglich. Mit 4,52 Metern Länge, 1,89 Metern Breite und 2,735 Metern Radstand bietet der B10 viel Innenraum; serienmäßig rollt er auf 18-Zoll-Alurädern.

Es gibt nur zwei Ausstattungslinien: Life ab 29.990 Euro und Design für rund 4.000 Euro mehr. Die Design-Version bringt neben dem großen Akku unter anderem Panoramaglasdach, ein 16-Lautsprecher-System mit Subwoofer, elektrische Heckklappe, Ambientelicht und Kunstledersitze. Verkauft und gewartet wird der B10 über das Händlernetz des Stellantis-Konzerns, also dort, wo man auch Citroën, Opel oder Jeep findet. Die Garantie liegt mit acht Jahren bzw. 160.000 Kilometern auf den Akku und vier Jahren bzw. 100.000 Kilometern auf das Fahrzeug über dem Branchenschnitt; die jährlich fälligen Kundendienste sind dagegen ein kleiner Nachteil.

Verarbeitung und Innenraum

Die Verarbeitung überrascht positiv. Türen und Kontaktflächen sind unterschäumt und wertig, die zweifarbigen Akzente in Wagenfarbe an Armaturenbrett und Lenkrad wirken hochwertig statt kitschig. Tiefer liegende Hartplastik-Bereiche fallen wegen der hellen Farbgebung kaum auf. Vor dem Fahrer sitzt ein 8,8-Zoll-Display, in der Mitte ein 14,6-Zoll-Touchscreen; Apple CarPlay und Android Auto funktionieren kabellos. Das Panoramaglasdach lässt sich zwar nicht öffnen, aber in Prozentschritten elektrisch verschatten – das bieten viele teurere Autos nicht. Die elektrisch verstellbaren Vordersitze sind bequem und verfügen über Sitzheizung und – bemerkenswert in dieser Klasse – Sitzkühlung; eine Lordosenstütze sowie eine Sitzneigungsverstellung fehlen allerdings. Über einen USB-Stick lässt sich zudem ein Wächtermodus mit 360-Grad-Aufzeichnung nutzen.

Platz und Kofferraum

Das Platzangebot ist großzügig: Hinter einem 1,85 Meter großen Fahrer bleibt reichlich Beinraum, große Schuhe passen unter die Sitze. Der Kofferraum fasst 420 Liter und lässt sich über den absenkbaren Boden auf 515 Liter erweitern; vorne gibt es zusätzlich einen Frunk für die Ladekabel. Bei umgeklappter Rückbank stehen 1.415 Liter bereit, und dank flach umklappbarer Vordersitze kann man im Auto sogar übernachten. Kritikpunkte: Die Rückbank lässt sich nur 60:40 teilen (keine Skidurchreiche), die Anhängelast beträgt 750 Kilogramm, und ein Leselicht im Fond fehlt.

Fahren

Beim Antritt stehen die Modi Komfort, Standard und Sport zur Wahl, wobei Sport spürbar mehr Punch bietet. Die Rekuperation ist dreistufig regelbar; im starken Modus verzögert der Wagen bis etwa 7 km/h, per One-Pedal-Driving auch bis zum Stillstand. Ärgerlich: Sowohl der One-Pedal-Modus als auch der Wechsel des Fahrmodus lassen sich nur im Stand ändern – das unterbricht den Fahrfluss unnötig. Die Lenkung ist im Komfortmodus butterweich und nicht ganz direkt, im Sportmodus deutlich straffer. An Assistenzsystemen ist viel an Bord: Spurzentrierung, Notbrems- und Querverkehrsassistent, Totwinkelwarner und mehr. Die Beschleunigung ist sehr ordentlich, die Bremsen überzeugen. Auf der Autobahn bleibt der B10 bis etwa 120 km/h erstaunlich leise; bei hohem Tempo und schnellen Spurwechseln wird das ansonsten komfortable Fahrwerk allerdings etwas schwammig.

Verbrauch und Reichweite

Hier liegt die eigentliche Sensation. In der Stadt verbrauchte der B10 bei 16 bis 17 Grad – sogar im Sportmodus – nur 10,7 kWh/100 km, was rechnerisch rund 627 Kilometer Reichweite bedeutet und den WLTP-Wert deutlich übertrifft. Auf der Autobahn lag der Verbrauch bei gemischtem Tempo (überwiegend 120 bis 130 km/h, dazwischen schnellere Abschnitte) bei 17,6 bis 17,7 kWh/100 km, was rund 379 Kilometern entspricht. Bemerkenswert: Eine Gegenrechnung über den Akkustand bestätigte die Anzeige auf etwa eine halbe Kilowattstunde genau. Leapmotor hat beim WLTP-Wert also eher tief gestapelt; praxisnah sind in der Stadt bei milden Temperaturen bis zu 600 Kilometer und auf der Autobahn im Fenster von 80 auf 10 Prozent gut 300 Kilometer drin.

Laden

Auch beim Laden überzeugt der Pro Max: An einer Schnellladesäule lud er von 15 auf 80 Prozent in nur 20 Minuten und holte dabei rund 45 kWh nach – das Ladepeak lag knapp über 168 kW. Damit liegt der Wagen sogar deutlich über der Herstellerangabe (30 auf 80 Prozent in 20 Minuten). Die Vorkonditionierung des Akkus startet automatisch, wenn man eine Ladesäule ins Navi einträgt. Beim Navigationssystem gibt es allerdings zwei Schwächen: Man kann Ladesäulen nicht nach Anbieter filtern (nur nach Ladeleistung und Steckertyp), und es wird nicht angezeigt, mit welchem Akkustand man am Ziel ankommt.

Fazit

Der Leapmotor B10 hinterlässt einen starken ersten Eindruck. Verarbeitung, Ausstattung, Effizienz, Reichweite und Ladezeit sind für den Preis bemerkenswert – in mehreren Disziplinen schlägt der Wagen sogar seine eigenen Datenblattwerte. Die Schwächen bleiben überschaubar: die umständliche Umschaltung von Fahrmodus und One-Pedal nur im Stand, der recht passive Abstandstempomat, die fehlenden Navi-Filter, das zu leise Maximalvolumen und das fehlende Fond-Licht. Für ein Profil mit viel Stadt und gelegentlicher Autobahn ist der B10 ein außergewöhnlich gutes Gesamtpaket – die weiteren Teile der Testreihe müssen nun Nachtfahrt und Langzeiteindruck klären.

QUELLE: Youtube Video des Kanals Smart2Drive, folgt ihm gerne !


Und das sind die Themen der 30. Ausgabe:

  • Neues aus der Tesla Welt
  • Die Revolution der Patentstrategie bei Tesla
  • Grünere Energienetze dank Einsatz von KI
  • Die Herausgeber: Elektrische von Paris nach Dakar und zurück
  • Neues zur elektrischen COMMUNITY 2026
  • Strombock: Höhere Benzinpreise, der perfekte Moment für den Umstieg !
  • Unser Manifest und Petition für eine zukunftsorientierte Transformation Deutschlands
  • Reisebericht: Mit Model X & Grok durch Schottland 
  • Die Herausgeber: Tesla Fahrer & Freunde e.V.
  • Besuch im Geothermiekraftwerk
  • Powerwall 3P: Erstmals dreiphasiger Heimspeicher von Tesla
  • Fanboy: Terafab

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