Car Maniac über den MG4

Drei Chinesen mit einem Kontrabass, einer davon ist auf jeden Fall der MG4. Und dieser Chinese mit dem Kontrabass ist für den Volkswagen ohne Kontrabass ziemlich gefährlich. Denn wenn wir in Deutschland eines nicht können, dann ist es Elektroautos zu einigermaßen erschwinglichen Preisen anzubieten.

Und dann kommt dieser Hersteller, der in der Versenkung verschwunden war, früher doch sehr schöne Autos gebauthat. Dann warf er zunächst einmal ein schönes SUV auf den Markt, danach den ersten Elektrokombi und kurz danach diesen knapp unter 4,30 Meter langen Freund für den Alltag.

Bevor wir zu den Zahlen kommen, muss man schon emotional die Optik des Fahrzeugs als doch sehr ansprechend bezeichnen. Klar ist, das ist jetzt nicht meine Fahrzeugklasse, aber es ist genau das, was die Menschen brauchen: kompakte Abmessungen, eine gute qualitative Anmutung sowie schöne Extras. Und genau diese Punkte erfüllt dieses Auto und schafft das, was die anderen nur ankündigen.

In Zahlen: der MG4 ist das erste Elektroauto von MG auf dessen eigener Elektro-Plattform. Es gibt also keine Verbrennervariante davon. Zur Auswahl stehen zwei Akkugrößen: 51 kWh und 64 kWh. Der kleine Akku bietet Energie für 125 kW Motorleistung, der große für 150 kW. Damit ist er auf Augenhöhe mit dem VW ID3. Auch hier haben wir einen Heckantrieb, was der Fahrdynamik auf jeden Fall etwas mehr Schwung verleiht. Vor allem bei 150 kW auf den Vorderreifen wäre das auf Nässe eher Nachteilhaft. Es gibt den Standard, den Komfort und den Luxus. Vorteil: man kann nicht viel herum konfigurieren und weiß schnell was man kriegt. Nachteil: im Standard gibt es beispielsweise kein kabelloses Handyladen, auch nicht gegen gute Worte oder Geld. Das ist natürlich ein bisschen schade.

Ansonsten starten die Ticketpreise für die Welt zum MG4 bei 32.000 Euro. Die mittlere Variante, also der Comfort, kostet 36.000 Euro und der Luxury 38.000 Euro. Hiervon gilt es, zum jetzigen Zeitpunkt, noch die Umweltprämie abzuziehen, welche dafür sorgt, dass man für unter 30.000 Euro ein voll ausgestattetes Elektroauto mit 64 kWh bekommt und realistischen 400 Kilometer Reichweite im Mix, natürlich im Sommer. Man muss aber auch Glück haben, um dieses Jahr noch einen zu erwischen.

Das Fahrzeug steht auf 17 Zoll Felgen und das ist leider auch schon das Ende der Fahnenstange: aus Effizienz- und Komfortgründen. Ich kann hier aber auf jeden Fall gerade jungen Kunden, die auf eine dynamische Optik stehen, Nachrüstfelgen empfehlen. Gerade durch die massiv wirkende Heckleuchte gehen in der Seitenansicht die Felgen etwas verloren. Die Anmutung der LED-Lichtleiste am Heck ist wirklich sehr schön. Vielen wird aber das Design der Heckleuchte eventuell ein Overkill sein. Ich finde das Auto pfiffig und stimmig so wie es ist. Ich mag es, wenn Hersteller etwas Mut aufbringen und es damit aber nicht übertreiben.

Der Kofferraum bietet übrigens 363 Liter bei Standard und Comfort, der Luxury hat wegen der Soundanlage nur 350 Liter. Das sind knapp 22 beziehungsweise 35 Liter weniger als beim VW ID3. Die Rücksitze lassen sich aber sehr gut komplett eben umklappen und erweitern den Kofferraum auf knapp 1.100 Liter.

Eine 360° Kamera ist ebenfalls mit von der Partie, allerdings selbstredend ausstattungsbedingt. Nun mal zu ein paar technischen Daten. Bezüglich Batterie und Laden: 11 kW serienmäßig Typ 2? Ja, allerdings leider nur bei Comfort und Luxury. Die Standardvariante für Sparfüchse kann nur 6,6 kW einphasig. Ist schon ein bisschen mau. Eine Wärmepumpe hat nur der Luxury, was ich auch nicht so ganz verstehe – eine Batterie-Vorkonditionierung allerdings ist bei allen drei Varianten serienmäßig verbaut. Was heißt das? Das bedeutet, dass man über eine Menüauswahl dafür sorgen kann, dass die Batterie nach Volonté des Fahrers vorgeheizt wird beziehungsweise vortemperiert, für die ideale Ladegeschwindigkeit. Klingt zwar banal, aber bisher ist mir nur MG bekannt, die mit dieser Funktion aufwarten, welche viele Ladezeitprobleme löst.

Der Innenraum ist unerwartet hochwertig zu diesem Fahrzeugpreis. Das MG Logo auf dem Lenkrad sieht hier auch wesentlich wertiger aus als das Logo vorne auf der Motorhaube. Das Lenkrad selbst ist auch wesentlich besser als noch das aus dem MG5 Kombi. Dieses hatte ich wegen seiner schlechten Haptik und billigen Knöpfe kritisiert. Das ist hier komplett anders. Das Navi ist mit 10,25 Zoll ausreichend groß, allerdings darf man sich von der Menüstruktur und der Raffinesse der Software nicht allzu viel erwarten. Zum Trost: das war bei Volkswagen am Anfang auch nicht anders, die haben allerdings mit der 3.2er Software extrem nachgeliefert.

Ob MG Ressourcen für solche Manöver hat, das kann ich natürlich nicht sagen. Allerdings ist dieses Auto sowieso nicht für die lange Strecke gedacht, so kann man das Thema Ladeplanung etwas in den Hintergrund legen. Ach ja: der kleine Akku lädt mit 117 kW, der große mit 135 kW. Das sind auf jeden Fall mehr als zufriedenstellende Werte, welche den kleinen Akku in 40 Minuten auf 80% bringen, ausgehend von 10% Ladestand, den großen Akku in 35 Minuten. Die fünf Minuten Unterschied sind hier nicht zu unterschätzen, denn beim großen Akku entsprechen 80 Prozent  mehr als beim Kleinen.

Die Sitze sind sehr gemütlich, die Materialauswahl wirklich angenehm, der Platz auf der Rückbank ein kleines bisschen enger; ich bin jetzt aber auch keine zarte Rose, als dass ich als Referenz für ein Kind auf der Rückbank gelten würde. Allerdings ist mir aufgefallen, dass ich mehr als genügend Kopfraum hinten hatte, trotz meiner 1,88 Meter.

Alles in allem zeigt MG hier sehr gut wie man es machen kann und zwar erschwinglich, auch für den kleineren Geldbeutel, der elektrisch fahren will. Klar fehlen ein paar Dinge wie Individualisierungsmöglichkeiten bei den Ausstattungen.  Kabelloses Laden für das Handy oder ein vorderer Kofferraum, den man ruhigen Gewissens hätte einbauen können, um die 350 Liter hinten zu ergänzen. Desweiteren ist das einphasige Laden beim kleinen Akku nicht besonders beeindruckend. Die Felgengröße auch nicht, da kann man aber ohne Probleme nachhelfen. 160 km/h schaffen beide Varianten, was auf jeden Fall mehr als adäquat ist, wenn es doch mal auf die Autobahn zur Tante geht oder zum Liebhaber oder Liebhaberin. Da ist dann ein Elektroauto sowieso perfekt, hört nämlich der Ehemann oder die Ehefrau des Liebhabers oder der Liebhaberin nicht, wenn man sich zur späten Stunde von dannen macht.

Da sag einer noch mal, das Elektroauto hat keine Zukunft …

 


Weitere Car Maniac E-Auto-Tests auch in der im Oktober erscheinenden Ausgabe 16 des T&Emagazin.

 

Die Ausgabe 16 des T&Emagazin erscheint Anfang Oktober 2022. Sie kann in gewünschter Menge gegen Porto- und Versandkosten hier vorbestellt werden.

Themenauszug:

  • Abschied vom Verbrennungsfahrzeug
  • Dr. Heiko Behrendt: Tatsächliche Kosten von PkW
  • Christoph Krachten: CO2 Rucksack
  • Prof. Dr. Volker Quaschning fordert eine “Energie Revolution”
  • Dr. Mario Herger: AXA-Showveranstaltung Versicherungsbetrug?
  • Martin Hund: Produktion, Bauformen und Arten von Batteriezellen
  • Car Maniac: Aktuelle E-Auto-Tests
  • Gabor Reiter: Stromspeicher, Powerwall und Megapack.
  • S3XY CARS Community: Hintergründe und Zukunftsaussichten.
  • Elektro-Auto-Camping
  • und vieles andere mehr
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