Car Maniac zur Elektrifizierung von LKW

Wir reden seit Jahren nur noch über Elektroautos! Was ist aber eigentlich mit den wesentlich größeren Dingern, die viel mehr Lärm machen und wegen denen sogar Petitionen eingereicht werden, damit sie nicht durch bestimmte Dörfer fahren? Ja, LKWs wären auch ein wichtiges Themengebiet, allerdings spricht da keiner drüber!
 
Dabei wäre die Elektrifizierung von LKWs ein ebenso wichtiger Part. Fahren sie doch quer durch Europa, um unsere Güter zu transportieren und verbrauchen dabei natürlich wesentlich mehr als ein PKW. Ich hatte die Gelegenheit einen der wenigen LKWs mit Elektroantrieb zu fahren. Und dieser kommt von Volvo. Das Datenblatt ist schon ziemlich beeindruckend und untypisch, wenn man sich nur mit elektrischen PKW beschäftigt: 540 kWh brutto Akku Kapazität, echte 300 km Reichweite, 240 kW Ladegeschwindigkeit! Das alles muss man allerdings mit dem Wissen eines Spediteurs oder LKW-Fahrers betrachten! Die nackten Zahlen klingen schon beeindruckend, die Reichweite vielleicht nicht! Aber genau das was beeindruckend klingt ist vielleicht weniger beeindruckend und die Reichweite am wenigsten relevant.
 
Zunächst einmal zum Akku: dieser besteht aus verschiedenen Akkus für verschiedene Einsatzzwecke. Möchte man beispielsweise einen Kipplader, hat man hierfür weniger Akkus als für den großen LKW, der die 41 Tonnen zieht. Denn der Kipplader braucht anders Platz, um eben kippen zu können. Der LKW für die 41 Tonnen wiederum braucht die maximale Reichweite, der Kipplader für Mülltransporte zum Beispiel gar nicht. Sein Aktionsradius ist um die 150 Kilometer am Tag, was auch an Reichweite möglich ist. Die 300 Kilometer, die der Große schafft, klingen zunächst einmal wenig. Fahren doch solche Lkw quer durch Europa! Wie soll das also gehen?
 
Wir müssen hierfür, eben wie erwähnt, die Denkweise eines Spediteurs oder LKW-Fahrers an den Tag legen: meistens beliefern solche LKW beispielsweise Lebensmittelgeschäfte! Um die Frische zu gewährleisten, sind solche Basisstationen der Speditionen im Umkreis von 50 Kilometern um die Lebensmittelgeschäfte herum, die sich wiederum städtisch oder in den Ballungszentren befinden. Heißt also: die Reichweite von 300 Kilometern am Tag reicht. Vorerst zumindest! Denn es wäre natürlich zielführender, wenn der Spediteur am Zielort laden könnte. Hierfür gibt es Förderprogramme für den Ausbau von Ladeinfrastrukturen! So könnte ein LKW immer laden, während er wiederum im Anhänger entladen wird.
 
Wer aber wirklich an die Strecken wie Portugal oder Spanien denkt – schließlich müssen ja solche Strecken auch irgendwie bewältigt werden – der hat Recht! Denn die Ladenetzinfrastruktur ist darauf überhaupt nicht ausgelegt. Man muss sich mal überlegen, wie denn so ein LKW mit einem Anhänger laden sollte? Mit der aktuellen Infrastruktur zumindest ist dies aktuell nicht möglich. Diese ist nämlich nicht auf solche Fahrzeuglängen ausgelegt!
 
Ergo: die Infrastruktur für elektrische LKWs ist am Nullpunkt. Es müssten gesonderte Ladeparks geschaffen werden, die entsprechend mit solchen LKWs angefahren werden können, ohne, dass kilometerlange Schlangen an der Raststätte entstehen durch LKWs, die auf die Autobahn ragen. Denn auch wenn die Ladepower von 240 kW doch beeindruckend ist, brauchen solche 540 kWh Akkus definitiv zwei Stunden Ladezeit.
 
Und dann muss natürlich die Ladesäule genau dort sein, wo der LKW-Fahrer am besten eine Rast machen kann; oder gar nächtigen kann! 4,5 Stunden ist die gesetzlich vorgegebene Fahrzeit, dann muss pausiert werden! Wie ich aber von LKW-Fahrern gehört habe, die meine Videos schauen, fahren für ganz lange Strecken auch zwei Fahrer, die sich direkt nach den 4,5 Stunden abwechseln. Muss jetzt aber erst einmal nach 300 Kilometern der LKW für zwei Stunden geladen werden, gerät der komplette Plan durcheinander.
 
Die Hausaufgaben oder nennen wir sie Hürden, sind hier tatsächlich größer, als sie am Anfang der Elektromobilität waren. Die Nutzung eines Elektroautos ist viel individueller. Der LKW ist durch seinen Fahrer an gewisse Regularien gebunden.
 
Und dann kommt natürlich noch der hohe Anschaffungspreis dazu. Dieser liegt bei mehr als zweimal so viel, als bei einem Diesel LKW. Kostet also der Diesel LKW, natürlich ohne Anhänger, 110.000 Euro, liegt der elektrische bei ungefähr 230.000 Euro. Das ist natürlich kein Preis, den irgendein Spediteur zahlen möchte. Lieber kauft er dann zwei Diesel LKW! Natürlich gibt es auch hier eine Förderung, die allerdings am 10 August ausläuft. Auch wieder so eine Sache wo ich mich frage: warum steht nicht schon die nächste Förderung? Aktuell werden 80% des finanziellen Mehraufwandes ausgeglichen. Somit ist so ein Elektro LKW nur noch, in Anführungsstrichen, 20 Prozent teurer.
 
Für die 300 Kilometer braucht der elektrische LKW knapp 110 kWh. Das wären um die 55 € laut aktuellen Strompreisen an Schnellladesäulen. Das schafft natürlich ein Diesel LKW nicht. Des Weiteren ist da ja noch der Umweltgedanke, aber rentieren muss es sich für ein Unternehmen natürlich auch. Fällt also diese Förderung weg, sehe ich kein Land in Sicht. Die Feuerwehr Paderborn hat z.B einen solchen Elektro LKW bestellt, während ich dort gedreht habe. Löblich, allerdings definitiv noch kein Trigger für die Masse.
 
Auch wenn ich kein Fan von Wasserstoff bin, weil es einfach in keinerlei Hinsicht dem elektrischen Antrieb Paroli bieten kann, ist hier die Zukunft vielleicht doch in der Symbiose zwischen Wasserstoff und LKW. Flüssiger Wasserstoff ist hier das Programm, und die Reichweiten sind wesentlich beeindruckender. Ganz klar ist der elektrische LKW per se viel beeindruckender als ein Diesel LKW. Man hört ihn nicht, die Lärmbelästigung sinkt drastisch und das Drehmoment kann definitiv mit dem des Diesel mithalten.
 
Zwei Dinge sind aber unabkömmlich, wenn man dieser Technologie eine Chance geben möchte: gesonderte Ladenetzinfrastruktur für LKW sowie ein anständiges Förderprogramm für Unternehmen!
Die Unternehmen brauchen natürlich einen gewissen Anreiz, denn von selber wird keiner das über zweifache für einen elektrischen LKW ausgeben – völlig egal ob Kipplader, normaler LKW oder was auch immer. Wenn man dem nachkommt, sehe ich eine Zukunft darin. Allerdings ist diese noch in weiter Ferne, zumindest, wenn man den Status Quo mit dem der Elektromobilität für PKW vergleicht. Der gute alte Diesel (zumindest bei den LKWs) ist halt in vielerlei Hinsicht doch noch eine ziemliche eierlegende Wollmilchsau, nur leider eben auf Kosten unserer Umwelt. Aber genau das predige ich schon die ganze Zeit: der Umstieg darf nicht auf dem Rücken von Unternehmen oder Privatleuten ausgetragen werden, die sich die Taschen und Konten leer machen müssen, nur damit sie umweltfreundlich fahren können. Denn Fakt ist: für die Zukunft unserer Kinder und Kindeskinder ist es sehr wichtig! Allerdings können die ohne Geld auch nicht überleben! Nur weil Papa jetzt fürs Unternehmen elektrische LKWs gekauft hat oder weil Papa eben ein Elektroauto gekauft hat, das er sich vielleicht gar nicht leisten konnte, während er einen Familienverbrenner auch unter 10.000 EURO hätte kaufen können!

 


 

Car Maniac hat weitere E-Auto-Tests im T&Emagazin veröffentlicht:

 

 

In der Ausgabe 15 des T&Emagazin, sind spannende Themen rund um E-Mobilität, Tesla und regenerative Energien zu finden.

Die Zeitschrift hat 52 Seiten und ist prall gefüllt mit Berichten zu Themen der Elektromobilität und zu regenerativen Energien.

Ein Exemplar der Ausgabe 15 kann gegen Versandkostenübernahme hier bestellt werden.

5 Exemplare, 10 Exemplare und 20 Exemplare zum Weiterverteilen zu geringen Mehrkosten.

Wer die Zeitschrift dauerhaft beziehen möchte kann ein Abo abschließen.

Zu den Inhalten aller vorherigen, älteren Ausgaben geht es hier.

 

Die Themen dieser Ausgabe:

Leser-Reaktionen
EditorialE-Mobilität nicht mehr ausbremsbar – von Timo Schadt
Tesla Welt News des Quartals – von David Reich
Tesla – Cyber Rodeo & more – Gigafactory in Texas eröffnet – von Karsten Klees
Tesla – Model X Plaid vs. Model S von 2013von Timo Schadt
Die Herausgeber – Tesla Owners Club Helvetia (TOCH)von Martin Haudenschild
Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V. – von Lars Hendrichs
Innovator – Carsten Fischer plädiert für das Fahren im älteren E-Auto Interview von Nino Zeidler & Timo Schadt
Elektroauto Guru – Tuning fürs E-Auto?von Nino Zeidler
S3XY CARS Community – Das größte E-Auto Event am 30.7. – von Timo Schadt
T&Etalk – Rückblick: E-Fahrzeug-Design – furchtbar? – von Timo Schadt
Elektromobilität – Wie funktioniert eine Akkuzelle – von Martin Hund
Elektromobilität – Car Maniacs E-Auto-Tests – von Christopher Karatsonyi
Wirtschaft – Medien zwischen Fake News & BildungsauftragInterview von Timo Schadt mit TV Journalist Jochen Rosenkranz
Wirtschaft – Internet für alle: Was ist Starlink? – von Moritz Blunt
Energie- & Verkehrswende – Brennstoff aus Treibhausgasen – von Dr. Heiko Behrendt
Energie- & Verkehrswende – Geldverschwendung mit Atomkraft – von Dr. Heiko Behrendt
Energie- & Verkehrswende – Potenzial von Vehicle-to-Grid Interview mit Loris Di Natale von Fritz Kleiner
Technophilosoph – Wenn Robotaxis vor der Polizei abhauen – von Dr. Mario Herger
Reisebericht – Halide Studer fuhr mit dem Model S nach Istanbul von Beat Jau
Reisebericht – USA mit dem Tesla – von Lars Hendrichs
Fanboy – Synergien im Elon Universum von Gabor Reiter

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2 Gedanken zu „Car Maniac zur Elektrifizierung von LKW

  1. Leider ein sehr schlecht recherchierter Artikel, da sollte jemand lieber bei den Elektro Pkw bleiben.
    Das Thema der Förderung wird hier auch im völlig falschen Bild dargestellt.
    Man sollte sich mit Förderrichtlinen schon auskennen.
    Es gibt bereits Fahrzeug mit deutlich höhren Reichweiten und Batteriekapazitäten und diese sind gegen über dem H2 LKW beim Wirkungsgrad deutlich überlegen auch was die TCO Betrachtung angeht.
    Die E-Mobilität mit schweren LKW steht sicher erst am Anfang und Bedarf noch des Ausbau bei der Infrastruktur, keine Frage. Aber mit so einem unqualifizierten Müll tut man der Elektromobilität in diesem Sektro keinen gefallen.
    Ich habe Chris immer für seine objektiven Artikel und Content geschätzt aber hier liegt er ganz weit daneben.

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