Stuttgart 31: ein Bahnhof lernt Geduld

Wie aus „21″ eine Jahreszahl wurde, an die sich niemand mehr klammern muss

Satirischer Kommentar von Michael Selent

Es gibt Nachrichten, die überraschen. Und es gibt die Meldung, dass sich Stuttgart 21 erneut verschiebt. Letztere hat ungefähr den Nachrichtenwert von „Wasser bleibt nass”. Trotzdem darf man kurz innehalten und das neue Zieldatum würdigen: Ende 2031. Ein Termin von solcher Schönheit, dass man ihn am liebsten in Beton gießen würde – passenderweise das einzige Material, von dem auf dieser Baustelle reichlich vorhanden ist.

Zur Einordnung: Gebaut wird seit 2010, und bei Abschluss der Finanzierung 2009 rechnete man fest mit einer Eröffnung 2019. Aus 2019 wurde 2025, aus 2025 wurde 2026, und aus 2026 wird nun Ende 2031 – ein Szenario, das sogar die bisher schlimmste Prognose übertrifft. Ein Kind, das beim ersten Spatenstich geboren wurde, kann zur Eröffnung den Führerschein machen, ein Studium beenden und sich ernsthaft fragen, ob es selbst noch den Anschlusszug erreicht.

Als nahezu täglicher Bahnnutzer bin ich Verspätungen gewohnt. Doch der Grund für die jüngste Verschiebung in Stuttgart ist mein persönliches Highlight. Schuld ist nicht etwa der Tunnel, der Beton oder die Geologie, sondern die Digitalisierung: Die Probleme mit dem digitalen Knoten bekommt die zuständige Projektgesellschaft schlicht nicht in den Griff. Man hat es geschafft, 60 Kilometer Tunnel durch Stuttgarter Untergrund zu bohren – aber die Signaltechnik will nicht. Während ein Teenager an einem Nachmittag sein Smart Home einrichtet, ringt Deutschlands Prestigeprojekt seit Jahren mit der Frage, wie man einem Zug mitteilt, dass er fahren darf.

Besonders elegant ist die Informationspolitik. Die Bahn äußert sich offiziell nicht zu „Spekulationen” und will die Öffentlichkeit erst nach dem Lenkungskreis am 26. Juni über das neue Inbetriebnahmekonzept informieren. Man kennt das Ergebnis, man kennt das Jahr – aber der Termin, an dem man es offiziell zugibt, ist Verschlusssache. Ein Projekt, das beim Bauen jedes Datum reißt, hält ausgerechnet die Frist für die schlechte Nachricht punktgenau ein.

Immerhin gibt es einen Trostpreis. Ab Ende 2027 sollen Reisende erste Entlastungen spüren, weil sich die heute nötigen langen Umwege zu den Gleisen verkürzen. Festhalten: Die gute Nachricht des Jahres lautet, dass man in vier Jahren ein bisschen weniger weit zum Bahnsteig laufen muss. Champagner für alle.

Und die Kosten? Aus einem Projekt, das einst gut vier Milliarden Euro kosten sollte, sind über elf Milliarden geworden – ein Bauwerk, das vor allem dadurch international Schlagzeilen macht, dass es als Mahnmal für Deutschlands Infrastruktur-Misere gilt. Der Flughafen BER hat hier immerhin schon vorgelegt und gezeigt: Es geht. Irgendwann. Vielleicht.

Das eigentlich Tragische ist nicht die Verspätung. Es ist die Routine, mit der wir sie hinnehmen. Der alte Kopfbahnhof ist halb abgerissen, ein Zurück gibt es nicht, also wartet eine ganze Region geduldig auf einen Bahnhof, der unter ihren Füßen langsamer entsteht als die Kontinentaldrift. „21″ stand mal für das 21. Jahrhundert. Inzwischen wirkt es eher wie eine vage Mengenangabe – 21 Jahre Bauzeit, mindestens.

Markieren wir uns also Ende 2031 im Kalender. Mit Bleistift. Aus Erfahrung.


Und das sind die Themen der 30. Ausgabe:

  • Neues aus der Tesla Welt
  • Die Revolution der Patentstrategie bei Tesla
  • Grünere Energienetze dank Einsatz von KI
  • Die Herausgeber: Elektrische von Paris nach Dakar und zurück
  • Neues zur elektrischen COMMUNITY 2026
  • Strombock: Höhere Benzinpreise, der perfekte Moment für den Umstieg !
  • Unser Manifest und Petition für eine zukunftsorientierte Transformation Deutschlands
  • Reisebericht: Mit Model X & Grok durch Schottland 
  • Die Herausgeber: Tesla Fahrer & Freunde e.V.
  • Besuch im Geothermiekraftwerk
  • Powerwall 3P: Erstmals dreiphasiger Heimspeicher von Tesla
  • Fanboy: Terafab

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