Ein Kommentar zum “EDGAR Durchbruch” der TU München & zu einer TÜV Verband Pressemitteilung
Eingangs mal eine steile These: Deutschland hat das Genehmigen perfektioniert und das Liefern verlernt.

Was da eigentlich gefeiert wird
Liest man eine aktuelle Pressemitteilung vom TÜV Verband genau, merkt man schnell: Sie ist ein Meisterwerk deutscher Meilenstein-Rhetorik. Was ist passiert? Ein Forschungsfahrzeug der TU München ist eine Strecke gefahren. Vom Bundesverkehrsministerium zum Radialsystem. Dreimal. Und — das ist die Pointe — die Fahrt diente ausdrücklich nicht der Zulassung des Fahrzeugs, sondern der “Erprobung und Weiterentwicklung einer unabhängigen Prüfmethodik”.
Übersetzt: Deutschland hat nicht das autonome Fahren getestet. Deutschland hat den Test getestet. Wir sind beim Meta-Meilenstein angekommen — der Prüfung der Prüfbarkeit der Prüfung. Die “vorläufigen Ergebnisse”: Die Messtechnik ist “mit vertretbarem Aufwand in Prüfungen integrierbar”.
Und das Fahrzeug EDGAR selbst? Ein mit Sensorik vollgepackter VW-Multivan der TU München, dem laut eigener Pressemitteilung “zentrale Voraussetzungen” für eine reguläre Level-4-Genehmigung fehlen – unter anderem die Technische Aufsicht. Das Fahrzeug, mit dem die Genehmigungsfähigkeit erprobt wird, ist selbst nicht genehmigungsfähig.
Besonders schön: Der Appell von Dr. Dirk Stenkamp (Präsident des TÜV-Verbands): jetzt liege es “an Herstellern und Haltern, Fahrzeuge für den Regelbetrieb anzumelden”. An welchen Herstellern richtet er sich genau? Mercedes hat sein Level-3-System Anfang 2026 pausiert, weil es als Produkt gescheitert ist – zu teuer, zu eingeschränkt. Die Prüfinfrastruktur steht bereit. Es fehlt nur das Produkt. Das ist, als hätte man einen TÜV für Warp-Antriebe gegründet. Den gibt es aber nur bei Star Trek Filmen.
Der Vergleich mit FSD – die Größenordnungen
Hier wird es brutal. Stand heute:
Tesla hat der RDW für die niederländische Zulassung 18 Monate Testdaten vorgelegt: 1,6 Millionen Kilometer auf europäischen Straßen und rund 13.000 Demofahrten mit Kunden. EDGAR: drei Fahrten auf einer Route. In den Niederlanden läuft das OTA-Update bereits für HW4-Fahrzeuge – also für zehntausende Kundenautos, nicht für ein Unikat mit Doktoranden an Bord. Tesla veröffentlicht inzwischen erste Sicherheitsdaten aus dem niederländischen Realbetrieb. Und Tesla setzt erkennbar auf einen Dominoeffekt über nationale Anerkennungen, während das KBA bislang nicht einmal mitteilt, ob überhaupt ein Antrag vorliegt.
Deutschland, das Land, das – Frau Bonde (Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt des Landes Berlin) betont es stolz – “als eines der ersten Länder weltweit” 2021 einen Level-4-Rechtsrahmen geschaffen hat, hat fünf Jahre später: kein einziges Serienfahrzeug im Level-4-Regelbetrieb, ein abwartendes KBA und eine Pressekonferenz über eine Methodik. Der Rechtsrahmen war ein Formel-1-Startplatz. Wir stehen seitdem in der Boxengasse und polieren die Stoppuhr.
Was bedeuten dieses Level 4?
1. Level 4 ≠ FSD Supervised. FSD Supervised ist hands-off, aber nicht eyes-off — der Fahrer muss die Straße dauerhaft beobachten und jederzeit eingreifen können. Das ist regulatorisch Level 2. EDGAR zielt auf Level 4: fahrerlos im definierten Betriebsbereich. Der TÜV prüft also tatsächlich eine höhere Automatisierungsstufe als das, was Tesla gerade in Europa ausrollt. Der Witz ist nicht, dass die Deutschen das Falsche prüfen — sondern dass sie die Königsdisziplin perfekt regulieren, während sie in der Bundesliga nicht mal antreten.
2. Die Prüfmethodik wird gebraucht. Wenn irgendwann Robotaxi-Flotten (Tesla, Waymo via Moove, MOIA/VW) in deutschen Städten Betriebsbereichsgenehmigungen wollen, muss jemand objektiv bewerten können, ob ein System die lokale Ampelschaltung in Wanne-Eickel versteht. Das ist legitime, notwendige Arbeit. Die eigentliche Ironie in der Geschichte liegt nicht in der Arbeit selbst, sondern im Pathos der Inszenierung und im Tempo-Missverhältnis.
3. Die TÜV-Forderungen sind teilweise richtig — und adressieren scheinbar merkwürdigerweise Tesla. Diskriminierungsfreier Datenzugang, verpflichtende KI-Prüfung im laufenden Betrieb, digitale Fahrzeugakte für Softwarestände: Das sind genau die Punkte, bei denen Tesla traditionell mauert. Wer böses dabei denkt…
Deutschland hat das Genehmigen perfektioniert und das Liefern verlernt. Wir haben den weltbesten Rechtsrahmen, die gründlichste Prüfmethodik, drei unabhängige Prüferteams für drei Fahrten desselben Multivans – und am selben Tag genehmigt Dänemark per Pragmatismus das System Tesla FSD, das bereits Millionen Kilometer in Europa gesammelt hat.
EDGAR ist kein schlechter Witz. EDGAR ist ein präzises Symptom: ein Land, das die Theorie des autonomen Fahrens auf Weltniveau beherrscht und bei der Praxis auf den TCMV-Beschluss Ende Juni wartet wie auf den Godot der Verkehrswende.
Für die Pressemitteilung vom TÜV Verband hier klicken
Und das sind die Themen der 30. Ausgabe:
- Neues aus der Tesla Welt
- Die Revolution der Patentstrategie bei Tesla
- Grünere Energienetze dank Einsatz von KI
- Die Herausgeber: Elektrische von Paris nach Dakar und zurück
- Neues zur elektrischen COMMUNITY 2026
- Strombock: Höhere Benzinpreise, der perfekte Moment für den Umstieg !
- Unser Manifest und Petition für eine zukunftsorientierte Transformation Deutschlands
- Reisebericht: Mit Model X & Grok durch Schottland
- Die Herausgeber: Tesla Fahrer & Freunde e.V.
- Besuch im Geothermiekraftwerk
- Powerwall 3P: Erstmals dreiphasiger Heimspeicher von Tesla
- Fanboy: Terafab
- …




