Ist Tesla uneinholbar?

In der Nacht vom 12. auf den 13. Januar 2023 hat Tesla seine Preise für Model 3 und Y teils erheblich gesenkt.

Tesla liefert in einer im Wortlaut an dieser Stelle veröffentlichten Pressemitteilung die Begründung.

In der aktuellen Ausgabe des T&Emagazin hat Christoph Krachten seine prophetischen Fähigkeiten gezeigt und nachfolgenden Artikel veröffentlicht (Bezugsmöglichkeit weiter unten):

Wenn es um Tesla geht, dann wird meistens diskutiert, ob die Fahrzeuge den Konkurrenten überlegen sind oder nicht. Es geht um Fahrwerk, Fertigungsqualität, Software, Fahrleistungen usw. Auf manchen Feldern zieht dann Tesla zuweilen den Kürzeren und in manchen Bereichen wie der Software ist Tesla den traditionellen Herstellern haushoch überlegen. Allerdings fällt bei diesen Vergleichen eines unter den Tisch: die Fertigung der Tesla-Fahrzeuge. Die ist nämlich neben dem Autopiloten entscheidend für den Konkurrenzkampf zwischen den Automobilherstellern. Und dabei spielt zum einen der „Elon Musk-Algorithmus“ eine entscheidende Rolle und Tesla hat noch ein weiteres Ass im Ärmel.

In diesen Tagen geht in Grünheide die zweite Produktionslinie für das Model Y in Betrieb. Und das ist tatsächlich ein revolutionärer Umstand. Die traditionellen Autohersteller wären nämlich gar nicht in der Lage, auf der existierenden Fläche in Grünheide zwei Produktionslinien aufzubauen. Das liegt zum einen daran, dass kein Hersteller große Teile des Chassis im Aludruckguss fertigt und zum anderen, dass auch für die verschiedenen Ausstattungsvarianten der traditionellen Autohersteller Fertigungsstationen benötigt werden, welche die Linien noch mal verlängern. Und das ist tatsächlich ein Problem. Volkswagen benötigt für seine immer weniger Autos, die der Hersteller pro Jahr fertigt – 2021 8 Millionen – mehr als 100 Fabriken.

Die Gigafactory in Shanghai geht währenddessen in die Richtung einer Jahresproduktion von einer Million Fahrzeugen. Das heißt, dass der kalifornische Fahrzeughersteller die Kapazität von Volkswagen mit lediglich 8 Gigafactories erreichen würde. Und das hat weitreichende Konsequenzen. Während Volkswagen etwas mehr als 2.000 Dollar pro Fahrzeug verdient, sind es bei Tesla knapp 10.000. Das ist das Fünffache. Damit hat der reine Elektroautohersteller bei der Preisgestaltung einen komplett anderen Spielraum und nutzt diesen auch. In Deutschland bekommt man beispielsweise die komplette Elektroautoprämie, auch wenn das Fahrzeug erst 2023 ausgeliefert wird. Die Differenz zahlt Tesla. Und mit dieser Flexibilität kann Tesla dann auch die Nachfrage nach Belieben steuern.

Und Tesla ist bei Weitem noch nicht bei seinem Effizienzmaximum angelangt. Bis Ende des Jahres soll nicht nur das Heck, sondern auch die Front des Model Y aus einem einzigen, im Aludruckguss gefertigten Teil bestehen. Tesla hat es hier geschafft, große Elemente aus einem Guss zu fertigen. Dafür wurde eine spezielle Aluminiumlegierung entwickelt, die nach dem Guss nicht behandelt werden muss und sich trotzdem nicht verzieht. Das kann momentan kein anderer Autohersteller. Mit dem zweiten Druckgussteil wird die Fertigungslinie dann noch mal verkürzt. Elon Musk sprach von 300 eingesparten Robotern, die bei der Konkurrenz das Chassis schweißen, kleben und pressen. Das entfällt in Zukunft bei Tesla. Damit wird die Produktionslinie um zwei Drittel verkürzt und es können noch mehr Fahrzeuge auf der gleichen Fläche gefertigt werden. Der Gewinn pro Fahrzeug steigt nochmals. Die Konkurrenz hinkt hier noch deutlicher als bei den Fahrzeugen hinterher. Wahrscheinlich ist ihr die Dimension dieser Fertigungsrevolution noch nicht einmal bewusst. Tesla kann auf weniger Platz mehr Autos mit einer höheren Gewinnmarge produzieren, und während der technische Vorsprung der Fahrzeuge im Vergleich dazu noch einholbar erscheint, ist der Vorsprung in der Fertigung nahezu uneinholbar. Dazu werden selbst die Fabriken bei Tesla in Serie gefertigt und immer weiter optimiert.

Die Produktionsoptimierung bei Tesla ist kein abgeschlossener Prozess. Ständig wird weiter optimiert. Musks Prinzip ist sein Fertigungsalgorithmus: 1. Mache Anforderungen weniger dumm. 2. Verzichte auf ein Teil oder einen Prozessschritt 3. Vereinfache und optimiere 4. Mache die Fertigung schneller 5. Automatisiere. Und das passiert ständig. Beispiel Firewall in Grünheide. Das ist die Trennwand zwischen Motorraum und Fahrgastzelle, die bei einem Verbrenner dafür sorgt, dass kein Feuer vom Motorraum zu Passagieren überschlägt. Beim Elektroauto gibt es diese Gefahr nicht mehr. In Grünheide ist die Idee entstanden, dieses Teil aus Kunststoff zu fertigen. Das Teil ist so leichter und einfacher herzustellen. Das spart wieder Produktionsaufwand und damit Geld. Neben dem Heck und der Front des Chassis ein Teil, das dann nicht mehr als Blech gepresst werden muss. Das gilt dann nur noch für die Karosserie.

Tesla hat die Autoproduktion damit komplett umgekrempelt. Ein entscheidender Teil der Produktion, den traditionelle Autohersteller noch selbst abwickeln, wurde mit dem Aludruckguss auf nahezu null geschrumpft und die Fertigung besteht dann nur noch aus der Verbindung der Karosserie mit dem Chassis, der Ausstattung des Fahrzeugs mit der Technik und der Innenausstattung sowie der Hochzeit mit dem Fahrwerk und der Batterie. Auch das wird in Zukunft noch mal mit der neuen Batterie deutlich vereinfacht, die dann Teil der tragenden Struktur wird. Dann müssen die Sitze nicht mehr kompliziert durch die Türen im Fahrzeug montiert werden, sondern werden vorab auf der Batterie montiert und von unten ins Fahrzeug gehoben. Auch das wird die Produktion vereinfachen.

Und ein weiterer großer Schritt steht bei Tesla an. Damit wird Tesla dann noch mal die Effizienz und den Gewinn steigern können: Optimus. Der KI-Roboter kann dann überall da eingesetzt werden, wo Menschen gefährdet werden. Darin steckt noch mal ein extremes Potenzial. Geschwindigkeit und Vereinfachung der Fahrzeugproduktion stehen damit nochmals vor einem Entwicklungsschub. Wenn die traditionellen Autohersteller den Fortschritt auf allen Ebenen bei Tesla nicht nachvollziehen und daraus Konsequenzen ziehen, werden sie noch weiter ins Hintertreffen geraten und sich am Ende so selbst abschaffen. Das heißt nicht, dass sie Tesla blind nacheifern sollten. Doch sie müssen sich dringend damit beschäftigen und reagieren. Schon mal gab es diesen Moment, als die japanischen Autobauer auf den Weltmarkt drängten und mit der Lean Production die Fertigung revolutionierten. Sie übernahmen damit große Teile des PKW-Weltmarktes. Mit Tesla geschieht genau das. Der Elektroautobauer ist nur schneller und noch effizienter.



Dieser und weitere interessante Artikel zu Tesla, E-Mobilität und regenerativen Energien finden sich in der aktuellen 17. Ausgabe des T&Emagazin:

 

In der 17. Auflage geht es unter anderem um diese Themen:

Editorial – Handlungen sind erforderlich

Tesla Welt – News des Quartals

Tesla – Christoph Krachten: Tesla uneinholbar?

Tesla – S3XY CARS Community 2023?

Tesla – Dana Blagojevic: Hansjörg von Gemmings unendliche Fahrt

T&Etalk – Tesla Model S & X Plaid in Europa

T&Etalk – Tesla AI Day II

 

Die Herausgeber – Tesla Owners Club Helvetia (TOCH)

Die Herausgeber – Tesla Fahrer und Freunde (TFF) e.V.

Elektroauto Guru – Antonino Zeidler: Spezielle Reifen für E-Autos

Elektromobilität – Timo Schadt:Essener Motorshow

Elektromobilität – Christoph Reichelt: Elektrische Fahrzeugdesigns

Technophilosoph – Dr. Mario Herger: Robotaxi und Tesla FSD Beta

Innovator – Gespräch mit Nicole Krause zu Full Self Driving

Elektromobilität – Car Maniac E-Auto-Tests

Elektromobilität – Leseprobe Witziges Buch über‘s E-Auto

Elektromobilität – Martin Hund: Batterie-Rohstoffe

Klimaschutz Dr. Heiko Behrendt: Unsere Fahrweise 

Klimaschutz Dr. Heiko Behrendt: Realer Klimawandel

Klimaschutz – Dr. Heiko Behrendt: Kreislaufproduktion

T&Etalk – Jahresbilanz Energie- & Verkehrswende

Klimaschutz – Dr. Heiko Behrendt: Eine Radtour

Wirtschaft – Timo Schadt: Ein besonderes Bezahlterminal für‘s E-Autoladen

Wirtschaft – Dr. Heiko Behrendt: Straßenbahn

Reisebericht – Thomas Goldmann: Mit Model Y in die Pyrenäen

Fanboy – Gabor Reiter: Tesla Aktie – jetzt zugreifen?

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3 Gedanken zu „Ist Tesla uneinholbar?

  1. Und trotzdem sinkt der Aktienwert. Was ist da genau los? Die Stimmung gegenüber Tesla sinkt ebenfalls gewaltig. Grösstenteils liegt das an den Eskapaden von Elon Musk vermute ich mal. Wie denkt T&E darüber? Was könnte man unternehmen um dieser momentanen Negativkampagne in den Medien entgegenzutreten? Tesla verprellt gerade massenhaft potenzielle Kunden. Keiner gute Entwicklung finde ich. Ich mache mir ernsthaft Sorgen.

  2. Sehr guten Beitrag Herr Christoph Krachten
    Mich würde mal sehr interessieren wenn Sie so begeistert sind von Tesla ob Sie auch Tesla Aktien halten?
    Gruß und Danke
    Markus

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